Start Wirtschaft Jahresrückblick 2023: Die 10 meistgeklickten Themen

Jahresrückblick 2023: Die 10 meistgeklickten Themen

0
Gamescom, GameStop, Gollum: Die Top 10 Themen bei GamesWirtschaft im Jahr 2023.
Gamescom, GameStop, Gollum: Die Top 10 Themen bei GamesWirtschaft im Jahr 2023.

Gamescom, Gamestop, Gollum: Die Top 10 der Themen, für die sich die GamesWirtschaft-Leser im Jahr 2023 am meisten interessierten.

Natürlich gab es sie auch 2023, die guten Nachrichten. Doch die Abrufzahlen-Statistik der GamesWirtschaft-Beiträge lässt keinen Zweifel: Die Games-Branche im deutschsprachigen Raum war in den vergangenen zwölf Monaten vor allem damit beschäftigt, einen Wirkungstreffer nach dem anderen zu verdauen und halbwegs stabil durch die stürmische See zu navigieren.

Vieles kam zusammen. Während Blockbuster wie Hogwarts Legacy und Call of Duty: Modern Warfare 3 ihr Publikum fanden, kämpften Neuheiten der zweiten und dritten Reihe um Aufmerksamkeit. Die daraus resultierenden Folgen lassen sich nahezu 1:1 in den Top 10 jener Meldungen ablesen, die zwischen Januar und Dezember 2023 am häufigsten abgerufen wurden – auf gameswirtschaft.de und auf den Social-Media-Kanälen (LinkedIn, Facebook, X). Thematisch verwandte Beiträge wurden wie immer zusammengefasst.

Mit welchen Trends und Ereignissen im neuen Jahr zu rechnen ist, sagen traditionell die mehr als 100 GamesWirtschaftsWeisen voraus: Die 2024-Prognose ist für die zweite Januar-Hälfte geplant.

Jahresrückblick 2023: Die 10 meistgeklickten Themen bei GamesWirtschaft

Gamescom 2023 mit starkem Comeback

Die Marke Gamescom hat den Corona-Event-Tsunami deutlich besser überstanden, als dies mancher erwartet hatte – und natürlich noch mal sehr viel besser als die mittlerweile eingestellte Electronic Entertainment Expo (E3): Mit offiziell gemeldeten 320.000 Besuchern knüpft die Kölner Spielemesse an die Prä-Pandemie-Phase an – in der Gesamtbilanz liegt die Gamescom auf Platz 3 der größten Publikumsmessen in Deutschland.

Was auch, aber nicht nur am Zuspruch der Aussteller liegt: Mit Nintendo und Microsoft Xbox waren zwei der drei marktführenden Konsolenhersteller vor Ort – andere Top-10-Konzerne wie Sony PlayStation, Electronic Arts oder Take Two Interactive verzichten abermals auf eigene Messestände. Der Vertrieb für die Gamescom 2024 vom 21. bis 25.8. läuft bereits auf vollen Touren.

Die 20 größten Games-Events 2023 in Deutschland (Stand: 21.12.23)
Die 20 größten Games-Events 2023 in Deutschland (Stand: 21.12.23)

Ingo Horn verstorben

Die Meldung vom völlig unerwarteten Tod von Ingo Horn hat die deutsche Spiele-Industrie am 16. Februar ins Mark getroffen – zumal der erst 49jährige Communication Director von Wargaming Europe wenige Wochen zuvor seine Auswanderung nach Spanien abgeschlossen hatte.

Horn war über die Branchen-Grenzen hinaus präsent – nicht nur durch seine jahrzehntelange PR-Tätigkeit für große Spielehersteller, sondern vor allem durch sein karitatives Wirken. Für den Aufbau von Hilfsorganisationen wie Letsplay4Charity und Gaming-Aid erhielt er 2020 das Bundesverdienstkreuz (mehr dazu in diesem Nachruf).

Games-Förderung: Hin und her macht Taschen leer

„Läuft!“ – so lässt sich das erwartbare Ergebnis einer Studie zusammenfassen, die das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat. Darin bescheinigt die Unternehmensberatung PwC der Habeck-Behörde, dass die Games-Förderung wirkt: mehr Gründungen, mehr Spiele, mehr Jobs. Wie so oft lohnt ein Blick ins Kleingedruckte: Die Studie berücksichtigt nur die Entwicklung bis Ende 2022 – unter den Tisch fallen somit all die Kahlschläge und Projektstopps bei Studios, die zuvor mit vielen Millionen Euro subventioniert wurden.

Die Zukunft der Bundes-Förderung ist offen wie nie: Der seit Mai 2023 geltende Annahme-Stopp beim Wirtschaftsministerium gilt auch 2024. Während dort das Geld für die Fortführung des Programms fehlt, tauchen plötzlich 100 Mio. € im Kanzleramt auf: Was Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) mit diesem völlig unerwarteten Geldsegen anstellt, weiß zur Stunde niemand – mutmaßlich noch nicht mal Roth selbst.

Computerspiele-Förderung: Die 32 größten Games-Projekte (Stand: 8.12.23)
Computerspiele-Förderung: Die 32 größten Games-Projekte (Stand: 8.12.23)

GameStop dünnt Filialnetz aus

Über Jahre hinweg gehörte das rot-weiße GameStop-Logo zum Inventar von Fußgängerzonen und Einkaufszentren. Doch von bundesweit mehr als 200 Filialen blieben im Frühjahr 2023 weniger als 70 übrig. Damit wurde GameStop zu einem (weiteren) Symbol für die Sorgen des stationären Einzelhandels, der abseits hausgemachter Probleme mit davongaloppierenden Mieten und Energiekosten kämpft.

Zwar profitierte die Kette von der zwischenzeitlich hohen Nachfrage nach Spielkonsolen. Doch eine der Kernfragen ist weiterhin unbeantwortet: Wie kann GameStop überleben, wenn die Stückzahlen physischer Spiele immer weiter schmelzen?

Gollum und die Folgen

Für den Hamburger Publisher Daedalic Entertainment endet ein Annus Horribilis: Das bislang teuerste und aufwändigste Projekt – das Herr der Ringe-Abenteuer Gollum – fiel Ende Mai bei Presse und Publikum durch. Das Studio hatte sich mit dem Spiel erkennbar übernommen. Es folgten: ein öffentliches Mea Culpa, die Einstellung des bereits gestarteten Folgeprojekts, die Schließung des internen Studios und die Entlassung von 40 Beschäftigten.

Das TV- und YouTube-Format Game Two kam im Oktober nach aufwändigen Recherchen zu der Erkenntnis, dass die Arbeitsbedingungen mindestens mitverantwortlich sind für den Gollum-GAU – Daedalic wehrte sich gegen die Vorwürfe. Zum Jahresende kündigte COO Stephan Harms seinen Rückzug aus der Daedalic-Geschäftsführung an.

Mimimi Games schließt

Auf der Gamescom 2023 machte Wirtschaftsminister Robert Habeck noch bei Mimimi Games Station, um sich über die Segnungen der Games-Förderung seines Hauses und die Herausforderungen wackerer Mittelständler ins Bild setzen zu lassen. Keine Woche später dann der Schock: Shadow Gambit: The Cursed Crew ist das letzte Spiel von Mimimi Games. Bis zum Jahresende soll das vielfach preisgekrönte Münchener Vorzeige-Studio abgewickelt werden – knapp 13 Jahre nach Gründung. 40 Jobs fallen weg. Das Gründer-Duo verweist auf persönliche Gründe und die fehlende wirtschaftliche Perspektive für das Taktik-Genre (Kolumne).

Ärger um Unity Runtime Fee

Wer ein Spiel entwickeln will, entscheidet sich meist für eines von zwei Software-Paketen: entweder die Unreal Engine von Epic Games oder aber die Unity Engine, mit der zum Beispiel Pokémon Go entstanden ist. Gerade bei kleinen und mittelgroßen Studios ist Unity populär – was den Furor im Zusammenhang mit der Unity Runtime Fee erklärt.

Denn aus dem Nichts hat der US-Konzern eine Anpassung des Geschäftsmodells angekündigt: Für jede installierte Version eines Spiels wollte Unity zusätzlich zum obligatorischen Abo eine neue Gebühr – besagte Runtime Fee – erheben, was die Statik ganzer Studios existenziell gefährdet hätte. Nach massivem Widerstand ruderte Unity zurück – CEO John Riccitiello musste gehen.

Microsoft kauft Activision Blizzard – jetzt wirklich

Die Kuh ist vom Eis: Für die Rekordsumme von rund 70 Milliarden Dollar zuzüglich vieler weiterer Millionen für Premium-Kanzleien und Lobby-Arbeit schluckt Microsoft den US-Publisher Activision Blizzard. 17.000 Angestellte und Weltmarken wie Call of Duty, Candy Crush Saga und Diablo wechseln den Eigentümer.

Den Verkauf am liebsten verhindert hätten neben Erzrivale Sony Interactive insbesondere die Kartellbehörden in den USA und im Vereinigten Königreich. Nach vielerlei Zugeständnissen und einer monatelangen Justiz-Schlacht kam der Mega-Deal doch noch zustande – die Auswirkungen sind mittel- und langfristig immens (Analyse). Mit der Eigenständigkeit von Activision Blizzard endet auch die Mission des gleichermaßen erfolgreichen wie umstrittenen CEO Bobby Kotick, der am 29. Dezember abdankte.

XXL-Stellenabbau: Eine Industrie tritt auf die Kostenbremse

100 bei CD Projekt, 800 bei Epic Games, 900 bei Embracer, über 1.000 bei Unity: Die Website Videogamelayoffs führt penibel Buch, wie viele Arbeitsplätze bei kleinen und großen Publishern entfallen. Auch deutsche Standorte hat es hart getroffen – selbst wirtschaftlich prosperierende Unternehmen wie InnoGames steigen in die Kostenbremse. Vielfach ist die Umsetzung der Sparpläne noch nicht abgeschlossen, weshalb sich die Konsolidierung mindestens im ersten Halbjahr 2024 fortsetzen dürfte.

Die zeitweise im Tagesrhythmus eintreffenden Stellenabbau-Meldungen stehen in krassem Kontrast zu starken Verkaufszahlen großer Marken und einem qualitativ außerordentlichen Spielejahrgang – mit Juwelen wie Baldur’s Gate 3, Marvel’s Spider-Man 2, Alan Wake 2, das Resident Evil 4-Remake, Super Mario Bros. Wonder und der Cyberpunk 2077-Erweiterung Phantom Liberty.

PS5-Ärger: Klage der Verbraucherzentrale erfolgreich

Zwei Jahre lang hielten die Lieferengpässe bei der PlayStation 5 an: Die hohe Nachfrage überforderte nicht nur Hersteller Sony Interactive, sondern auch den Einzelhandel. Bestellungen wurden zwar angenommen, und auch den Kaufpreis von 499 € behielten die Versender ein – doch die ersehnte PS5 ließ auf sich warten: keine Kohle, keine Konsole, über Wochen und Monate hinweg.

Papierdünne Ausrede der Händler: Es sei ja gar kein Kaufvertrag zustande gekommen. Die Verbraucherzentrale Sachsen sah das anders, klagte und bekam im Juni 2023 Recht. Das Münchener Oberlandesgericht urteilte: Der Kunde darf über den Bestellprozess nicht im Unklaren gelassen werden.