Der Deutsche Computerspielpreis hat seine Rituale entwickelt – und ist selbst zu einem geworden. Die schönsten Momente der Verleihungs-Gala sind jene, die nicht im DCP-Ablaufplan stehen, wie GamesWirtschaft-Chefredakteurin Petra Fröhlich beobachtet hat.

Fröhlich am Freitag 15/2018: Die wöchentliche Kolumne aus der Chefredaktion

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

ein blauer Teppich, flankiert von Cosplayern und „Star Wars“-Sturmtrupplern samt Darth Vader und die offenkundig immer noch mitteilenswerte Botschaft, dass Games nun wirklich und endgültig und ganz sicher „inmitten der Gesellschaft“ angekommen sind – all das sind Konstanten, die fast schon zum Inventar des Deutschen Computerspielpreises gehören. Kein Jahrgang ohne Super-Mario-Walking-Act, der von den VIPs geherzt wird.

So auch in diesem Jahr. Der DCP hat seine Rituale entwickelt – und ist selbst zu einem geworden, was schon allein die abermalige Verpflichtung der Vorjahres-Moderatorin dokumentiert.

Wer je eine Party in der eigenen Wohnung ausgerichtet hat, kennt das wohlige Gefühl, wenn der letzte Gast gegangen ist, ohne dass Porzellan, Ehen oder Freundschaften zu Bruch gegangen wären. Dieses Puh-alles-gut-gegangen-Gefühl hat sich 2018 eingestellt – auch wenn nie so ganz kalkulierbar ist, wen Freigeister wie Olli Schulz oder zuletzt Kurt Krömer als nächstes aufs Korn nehmen.

Kurzfristige Absagen, im konkreten Fall ausgerechnet jene der Digitalisierungs-Staatsministerin, wurden ebenso im Vorfeld ab- und eingefangen wie potenzielles Mini-Konflikt-Potenzial um die Frage, warum es einer von vielen gefühlten Favoriten nicht auf die Nominierungslisten geschafft hat.

Kurzum: Die Veranstalter haben die Gala im Griff – organisatorisch klappt die Sause wie am Schnürchen, zumal die Medien-Resonanz im zehnten Jahr des DCP-Bestehens erkennbar gestiegen ist. Die kluge Einbeziehung marktführender Youtuber sorgt außerdem für Street Credibility bei der Zielgruppe.

Natürlich freuen sich die Vertreter internationaler Videospiel-Konzerne nach wie vor mehr nach innen, wenn der Name ihres Blockbusters sehr überraschend aufgerufen wird – um im Nachklapp ein vorab aufgezeichnetes Dankeschön-Video von Entwicklern anzusagen, die tagtäglich an Fluren voller Game-of-the-year-Urkunden entlanglaufen.

Wie gesagt: Rituale.

Und dann gibt es da noch die ungeprobten und ungeplanten Gefühlsausbrüche – Augenblicke der puren Freude, die einen ganzen Saal mitgrinsen lassen. Wer sich als Drei-Mann-und-eine-Frau-Startup gegen die Call of Dutys und Battlefronts und Splatoons durchsetzt, glaubt im ersten Moment vermutlich an ein La-La-Land-Umschlag-Versehen, behelfsweise eine versteckte Kamera oder mindestens einen Fehler in der Matrix. Kein Wunder, dass die überglücklichen Triple-Gewinner von Barrel Roll Games erkennbar angefasst waren.

Im Lichte einer sorgsam durchchoreographierten Show sind es gerade solche Momente, die am längsten nachwirken und in Erinnerung bleiben.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft

Bisherige Folgen von „Fröhlich am Freitag“:

  • 14/18: Blockbuster – Erfolg in Serie
  • 12/18: Der China-Kracher von Ubisoft
  • 11/18: Vorgetäuscht und vorgeführt
  • 10/18: Per Flugtaxi zur Gamesförderung
  • 09/18: Das spielende Klassenzimmer
  • 08/18: Endlich volljährig
  • 07/18: Winterschlussverkauf
  • 06/18: Reset für die Games-Republik Deutschland
  • 05/18: Die mächtigste Lobby fürs schönste Hobby
  • 04/18: Winner Winner McChicken Dinner
  • 03/18: Nintendo switcht zum Kartonagen-Hersteller
  • 02/18: Das geht ja gut los
  • 50/17: Der Subventions-Autopilot
  • 49/17: Die Spiele-Könige aus Schweden
  • 48/17: Russisch Roulette mit Lootboxen

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