Klingbeil, Jarzombek, Bär: Am Ende war es eine vergleichsweise junge Politiker-Generation, die an den Schaltstellen der Groko-Verhandlungen die Forderungen der Games-Branche in den Koalitionsvertrag übernommen hat.

Fröhlich am Freitag: Die wöchentliche Kolumne aus der Chefredaktion

Liebe GamesWirtschaft-Leser,

selbst die deutschsprachige Wikipedia zuckt ahnungslos mit den Schultern, wenn man wissen will, was die mutmaßlichen Großkoalitionäre da eigentlich in ihren Vertrag geschrieben haben: Ein „level playing field“ wird der Gamesbranche für die verbleibenden dreieinhalb Jahre bis zur nächsten turnusgemäßen Wahl versprochen.

Gemeint ist mit diesem Fachbegriff grundsätzlich, dass alle Marktteilnehmer unter fairen Bedingungen antreten – zu gleichen Regeln, unter vergleichbaren Voraussetzungen. Und nicht die einen bergauf aufs Tor zurennen müssen, mit zugebundenen Schnürsenkeln.

Aktuell mutet die europäische Games-Förderung wie die Vorrunde des DFB-Pokals an – die Bayern gegen den FC Nöttingen. Was nicht heißt, dass die deutsche Branche nicht trotzdem zu schönen Leistungen in der Lage wäre. Aber eben trotz der betrüblichen Rahmenbedingungen – und nicht, weil der ansonsten sehr subventionsfreudige Politikbetrieb das Videospiele-Gewerbe auch nur annähernd so lieb hätte wie den ungleich glamouröseren Film-Sektor, der ohne die staatlichen Zuwendungen nicht überlebensfähig wäre.

Inlands-Marktanteil deutscher Games-Entwickler 2016 (Quelle: BIU, GfK)

Dieses Ungleichgewicht will die deutsche Games-Branche dringend überwinden – und beackert deshalb die Politik seit vielen Jahren mit der Forderung nach Förderung.

Offenkundig mit Erfolg, denn: Die künftige Regierung plant eine Förderung von Games zur Entwicklung hochwertiger digitaler Spiele – „mit Blick auf vergleichbare europäische Länderförderungen“, wie es heißt.

Was das genau in konkreten Euros bedeutet, geht aus den traditionell recht wattigen Koalitionsverträgen natürlich nicht hervor. Zumal die Förderung in Europa ganz unterschiedlich geregelt ist und auch ganz unterschiedliche Ergebnisse zeitigt.

Großbritannien und Frankreich arbeiten zum Beispiel mit einer Art Steuer-Rabatt. In Polen hingegen überweist der Staat direkt Mittel an Vorzeige-Studios wie CD Projekt Red („The Witcher“) oder Techland („Call of Juarez“).

Film, Musik, Buch, Games: Kulturgut Computerspiele im Branchenvergleich 2016

Vorgesehen ist nun eine Fonds-Lösung, die bislang noch nicht genauer beschrieben ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden eingereichte Projekte aus einem Fördertopf weitgehend automatisiert bezuschusst, sobald bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, ähnlich wie beim Film. Vom durchgerechneten, propagierten und komplett vorformulierten Steuermodell des Branchenverbands – einst BIU, jetzt Game – ist hingegen keine Rede mehr.

Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für die ersehnten Leuchttürme, eine eingebaute Garantie für Germany’s Next Minecraft gibt es natürlich ebenso wenig wie für Oscar-Nominierungen deutscher Filme. Unter den 27 meistverkauften PC- und Videospiel-Neuheiten des Jahres 2017 findet sich eines aus den Niederlanden, eines aus Frankreich, eines aus England, keines aus Deutschland, keines aus Polen und zwei aus Schweden – einem Land, in dem es übrigens keine dezidierte Games-Förderung gibt. Der Rest, wie gehabt: USA, Kanada, Japan.

Erwartbar ist, dass sich der Games-Fonds positiv auf die Zahl der Studios, den Arbeitsmarkt, die Zahl der Spiele und im besten Fall auch auf deren Qualität auswirkt. Das ist eine richtig gute Sache für die Games-Republik Deutschland – und auch wenn man Vokabeln wie „Meilenstein“ vorsichtig dosieren sollte, in diesem Fall trifft es zu.

Ein schönes, närrisches Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft

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