Das Jahr 2018 geht genauso weiter, wie es aufgehört hat: Fusionen und Übernahmen prägen die Nachrichtenlage in der weltweiten Spiele-Branche. Doch das war vermutlich nur der Anfang, kommentiert GamesWirtschaft-Chefredakteurin Petra Fröhlich.

Fröhlich am Freitag: Die wöchentliche Kolumne aus der GamesWirtschaft-Chefredaktion

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

zu den wichtigsten Tools unserer täglichen Redaktions-Arbeit gehört eine Datenbank mit allen relevanten Studios und Publishern – Umsatz-Entwicklung, Mitarbeiterzahlen, Verkaufszahlen, Beteiligungen et cetera. Wer die aktuelle Gemengelage mit jener des Vorjahres vergleicht, ist verblüfft, was sich in wenigen Monaten alles getan hat.

Nachdem neben den beiden größten Arbeitgebern unter Deutschlands Spiele-Entwicklern und dem eSport-Weltmarktführer künftig auch noch der bis dato größte Spiele-Publisher und -Vertrieb im deutschsprachigen Raum an die jeweiligen Konzernzentralen in Stockholm berichtet, gibt es in der Bundesrepublik nur noch eine Handvoll Games-Unternehmen mit signifikant zweistelligen Millionen-Umsätzen, die nicht mehrheitlich von einem internationalen Konzern kontrolliert werden. Konkret: Travian Games, Crytek, Wooga, Gameforge und Gamigo.

Als neutraler Beobachter würde man wohl von einem Ausverkauf sprechen – zumal es genügend Indizien dafür gibt, dass in den kommenden Monaten noch weitere Einträge folgen.

Dabei entfallen schon jetzt 94 Prozent des Games-Umsatzes in Deutschland auf Importware von Niederlassungen US-amerikanischer oder japanischer Spiele-Unternehmen – plus 1x Frankreich, sprich Ubisoft.

Wozu das letztlich führt, lässt sich in verwandten Kreativ-Branchen besichtigen:

Fast drei Viertel des globalen Musik-Geschäfts wird von gerade einmal drei „Majors“ betrieben: Warner, Universal, Sony – fertig.

Ähnlich die Lage beim Film: wieder Warner, Universal, Sony, plus Paramount und natürlich Disney.

Von solchen Strukturen, also schulbuchmäßigen Oligopolen, ist die internationale Games-Industrie zwar noch ein Stückchen entfernt. Aber die Tendenz ist unübersehbar: Fusionen und Übernahmen – mal freundlich, mal feindlich – bleiben 2018 das beherrschende Thema.

Fast schon sinnbildlich für diese Entwicklung steht der Zusammenschluss der beiden deutschen Branchenverbände.

Auch wenn Milliarden-Deals wie im Falle von Activision Blizzard, King, Oculus VR oder Supercell natürlich nicht im Quartals-Rhythmus vorkommen, so ist die Motivation offensichtlich. Die Großen, meist börsennotiert, sind fast schon dazu gezwungen, sich immer weiter aufzupumpen – mit Marken, mit Studio-Kapazitäten, mit Vertriebs-Strukturen, mit Marktanteilen, mit Marktkapitalisierung, mit Knowhow.

Erst vor kurzem diskutierte die Branche intensiv und ernsthaft darüber, ob und wenn ja: wie gut Electronic Arts zu Microsoft passen könnte.

Im Bereich der Vertriebs-Plattformen ist aus dem Oligopol längst ein Duopol oder gar ein Monopol geworden: Wer als unabhängiges Entwickler-Studio heute ein Mobile-Game anbieten möchte, kommt zumindest in der westlichen Hemisphäre nicht an Play Store (Google) und Appstore (Apple) vorbei. Gleiches gilt für den PC-Sektor, der fest in den Händen von Steam ist, flankiert von GOG.

Die Koch-Media-Meldung entfaltete auch deshalb so große Wucht, weil sie förmlich aus dem Nichts kam – und weil vom Jahr 2018 noch zehn Monate übrig sind, spricht viel dafür, dass demnächst weitere Überraschungen folgen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft

Bisherige Folgen von „Fröhlich am Freitag“:

  • 06/18: Reset für die Games-Republik Deutschland
  • 05/18: Die mächtigste Lobby fürs schönste Hobby
  • 04/18: Winner Winner McChicken Dinner
  • 03/18: Nintendo switcht zum Kartonagen-Hersteller
  • 02/18: Das geht ja gut los
  • 50/17: Der Subventions-Autopilot
  • 49/17: Die Spiele-Könige aus Schweden
  • 48/17: Russisch Roulette mit Lootboxen

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