Start Politik Parlamentskreis eSports & Gaming wächst auf über 60 Abgeordnete

Parlamentskreis eSports & Gaming wächst auf über 60 Abgeordnete

Der Deutsche Bundestag subventioniert deutsche Games-Entwickler ab 2020 mit jährlich 50 Millionen Euro.
Der Deutsche Bundestag subventioniert deutsche Games-Entwickler ab 2020 mit jährlich 50 Millionen Euro.

Sechs Monate nach der Bundestagswahl hat zum ersten Mal der Parlamentskreis eSports & Gaming getagt – dessen Mitgliederzahl stark angewachsen ist.

Automobiles Kulturgut, Biosphärenreservate, Elektromobilität, Mittelstand, Braukultur, „Frei fließende Flüsse“ und sogar Plattdeutsch – zu diesen und anderen Themen existieren sogenannte ‚Parlamentskreise‘. Dort tauschen sich Bundestagsabgeordnete über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg regelmäßig aus und laden Experten ein.

Die Treffen finden üblicherweise unter dem Radar statt – nur selten dringen Inhalte und Stellungnahmen nach außen. Eine der Ausnahmen: Als Innenminister Horst Seehofer (CSU) im Nachgang des rechtsextremistischen Anschlags von Halle im Oktober 2019 anlassfrei die ‚Gamer-Szene‘ „stärker in den Blick nehmen“ wollte, sah sich der Parlamentskreis eSports & Gaming zu energischem Widerspruch veranlasst. Die Gruppe hatte sich erst wenige Monate zuvor gegründet.

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich solche Parlamentskreise nach einer Bundestagswahl zunächst neu formieren müssen – Abgeordnete scheiden aus, neue kommen hinzu. Am 17. März hat die Auftaktsitzung der Gruppe stattgefunden, in der unter anderem über das Thema „Gemeinnützigkeit & E-Sport“ debattiert wurde. Zu Gast im Bundestag waren unter anderem E-Sport-Bund-Vorstandsmitglied Martin Müller und Verbands-Geschäftsführer Felix Falk.

Die Gruppe war zu diesem Zeitpunkt bereits stark angewachsen, nämlich um mehr als 50 Prozent. Die Liste, die GamesWirtschaft exklusiv vorliegt, umfasst mehr als 60 Parlamentarier. Bei 736 Mandaten bedeutet das, dass im Schnitt jede(r) zwölfte Abgeordnete diesem Gremium angehört.

Den mit Abstand größten Anteil stellt die CDU/CSU-Fraktion mit 20 Mitgliedern – von SPD, Grüne und FDP stammt jeweils rund ein Dutzend Politikerinnen und Politiker, gefolgt von der AfD (4) und Die Linke (2).

Die Teilnehmer-Liste ist prominent besetzt: Unions-Granden wie Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer, der ehemalige Luft- und Raumfahrt-Koordinator Thomas Jarzombek und die langjährige Digital-Staatsministerin Dorothee Bär sind ebenso dabei wie die FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin und Thomas Hacker, Haushaltspolitiker Otto Fricke und Habecks Staatssekretär Michael Kellner, der zuletzt beim Deutschen Computerspielpreis 2022 den Hauptpreis verlieh.

Höferlin, der den Parlamentskreis zusammen mit Kollegen wie Jens Zimmermann (SPD), Mario Brandenburg (FDP), Saskia Esken (SPD), Petra Sitte (Die Linke) und Tabea Rößner (Bündnis 90 / Die Grünen) ins Leben gerufen hatte, ist gleichzeitig Sprecher des Kreises – Bär seine Co-Sprecherin. Gemeinsam mit dem verstorbenen FDP-Politiker Jimmy Schulz hatte das Duo bereits 2011 eine Counter-Strike-LAN-Party unter der Reichstagskuppel veranstaltet – lange bevor Computerspiele im politischen Berlin cool wurden.

Die stark verjüngte Zusammensetzung des Bundestags bringt es mit sich, dass sich auffallend viele U40-Abgeordnete in der Mitglieder-Liste finden – etwa Ronja Kemmer und Johannes Steiniger von der CDU, die Sozialdemokraten Lena Werner und Carmen Wegge, CSU-Politikerin Emmi Zeulner, die Grünen Sabine Grützmacher und Tobias Bacherle oder die FDP-Männer Valentin Abel und Maximilian Mordhorst.

Wann genau der Parlamentskreis eSports & Gaming zum zweiten Mal tagt, ist Stand jetzt noch unklar – angepeilt werden die Sommermonate. Themen gäbe es genug – vom akuten Fachkräftemangel über besagte E-Sport-Gemeinnützigkeit bis hin zur Fortführung der Games-Förderung. 50 Millionen € investiert der Staat jährlich in Videospiele made in Germany – hinzu kommt ein in Summe siebenstelliges Budget für den Deutschen Computerspielpreis. Beide Töpfe sind neuerdings im Games-Referat beim Wirtschafts- und Klimaschutzministerium verortet.