Start Politik Games-Förderung in Deutschland: Wohin das Geld fließt

Games-Förderung in Deutschland: Wohin das Geld fließt

Games-Förderung des Bundes: Die 20 Studios mit den höchsten Fördersummen seit September 2020 (Stand: 10. Januar 2022)
Games-Förderung des Bundes: Die 20 Studios mit den höchsten Fördersummen seit September 2020 (Stand: 10. Januar 2022)

Auch die neue Bundesregierung will Computerspiele made in Germany bezuschussen: Wer profitiert von der Games-Förderung bislang am meisten?

„Ganz oben mitspielen“ – so lautete der Plan von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der zur Gamescom 2020 das Ende der Pilotphase und den Start der Großprojekt-Förderung zum 28. September 2020 einläutete. Der Bund hat sich vorgenommen, auf Sicht von fünf Jahren eine Viertelmilliarde Euro an deutsche Studios auszuzahlen – also 50 Millionen Euro pro Jahr.

Erklärtes Ziel: mehr Games, bessere Games, mehr Gründungen, mehr Jobs und daraus resultierend mehr Marktanteil.

Der Staat übernimmt mindestens ein Viertel, maximal die Hälfte der Entwicklungskosten. Einmal bewilligt, dürfen die Spiele-Studios das Geld behalten – und zwar unabhängig davon, ob das fertige Produkt durch die Decke geht oder überhaupt jemals einen Käufer/Spieler findet. Eine Rückzahlung ist nicht vorgesehen.

Eine GamesWirtschaft-Auswertung nach den ersten 15 Monaten zeigt: Die Maximalsumme für 2021 hat das (noch) zuständige Digital- und Verkehrsministerium ziemlich komplett ausgereizt. Für rund 100 Spiele mit Projekt-Beginn 2021 wurden rund 50,3 Millionen € bewilligt; im Schnitt erhielten die Studios also eine halbe Million Euro. Weitere 70 Anträge sind noch in Bearbeitung.

Die mit Abstand größten Fördersummen gingen bislang an Studio-Töchter großer Publisher sowie etablierte Mittelständler mit teils jahrzehntelanger Tradition. Die Liste der geförderten Unternehmen liest sich demzufolge wie das Who’s Who der deutschen Games-Entwicklung. Was insofern bedingt verwundert, denn wer Geld vom Staat haben will, muss ja bereits Kapital mitbringen. Alleine in den Top 5 finden sich zwei THQ-Nordic-Studios.

Und: Weil Großkunden wie der französische Publisher Ubisoft gleich mehrere Förder-Eisen im Feuer haben, entfallen knapp 37 Millionen € – also zwei Drittel aller bislang ausgestellten Schecks – auf nur 20 Antragsteller. Der zuständige Fachbegriff lautet Matthäus-Effekt.

Die Top 20 Unternehmen mit den höchsten Fördergeldern (Stand: 10. Januar 2022):

  1. Limbic Entertainment, Langen – 2.830.589 €
  2. Grimlore Games, München – 2.594.565 €
  3. King Art, Bremen – 2.430.976 €
  4. Blackforest Games, Offenburg – 2.233.170 €
  5. Mimimi Games, München – 2.025.942 €
  6. Keen Games, Frankfurt/Main – 2.022.752 €
  7. Ubisoft Blue Byte, Düsseldorf / Mainz – 1.847.607 €
  8. Realmforge Studios, München – 1.843.684 €
  9. Gaming Minds Studios, Gütersloh – 1.759.499 €
  10. Nukklear, Hannover – 1.622.592 €
  11. Ulisses Medien, Waldems-Steinfischbach – 1.618.747 €
  12. Claymore Game Studios, Darmstadt – 1.532.519 €
  13. Snowprint Studios, Berlin – 1.510.982 €
  14. Chimera Entertainment, München – 1.492.238 €
  15. Stratosphere Games, Berlin – 1.384.740 €
  16. Egosoft, Würselen – 1.363.191 €
  17. InnoGames, Hamburg – 1.307.746 €
  18. Aeria Games, Berlin – 1.304.303 €
  19. M2P Entertainment, Bochum – 1.141.239 €
  20. Overhype Studios, Hamburg – 1.073.555 €

Bemerkenswert ist auch die geographische Verteilung des Geldes: Vorne liegt Berlin mit 24 Projekten, gefolgt von Bayern (21) und Nordrhein-Westfalen (14) – also just jene Bundesländer, deren Landesregierungen bereits in großem Umfang in die Games-Förderung investieren.

Zu den Spitzenreitern zählen außerdem Hessen (12) und Hamburg (11). Große hessische Studios wie Limbic Entertainment oder Keen Games müssen zwangsläufig die Bundesförderung in Anspruch nehmen, denn eine dedizierte Landesförderung gibt es dort noch nicht – sehr zum Ärger der dort ansässigen Unternehmen. Leider komplett unterrepräsentiert ist der Osten der Republik, der kumuliert ebenso viele Projekte aufweist wie das Saarland plus Bremen.

Im Schnitt sind für die Fertigstellung der Spiele 480 Tage veranschlagt, also etwas weniger als eineinhalb Jahre. Das offenkundig aufwändigste Projekt mit dem Arbeitstitel Schießeisen stammt vom Bremer Studio King Art, das erst im Sommer 2025 abgeschlossen wird. Mehr als drei Jahre Entwicklungszeit sind zudem vorgesehen für Into the Cold (Mooneye, Hamburg), Menace (Overhype Studios, Hamburg), Project Minerva (Grimlore Games, München) und Travian Legends Mobile (Travian Games, München).

13 Projekte sind bereits abgeschlossen und teils veröffentlicht – 66 weitere sollen bis Ende 2022 folgen.

Die mit Abstand meisten Games entstehen für den PC, nämlich fast 80. Reine Konsolen-Games haben Seltenheitswert – meist werden die Spiele parallel für PC, PlayStation 4/5, Nintendo Switch und Xbox umgesetzt. Auf Platz 2: Mobilegames mit über 40 Projekten. Eine Nebenrolle spielen Virtual Reality-Games mit gerade einmal acht Vorhaben. Und auch bei den Genres gibt es wenig Überraschungen: Strategie- und Aufbauspiele dominieren mit weitem Abstand, gefolgt von Rollenspielen, Simulationen, Action-Abenteuern und Lernspielen im weitesten Sinne.

Die frisch vereidigte Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, Computerspiele made in Germany weiterhin zu bezuschussen – im Amtsdeutsch „zu verstetigen“. Es spricht also viel dafür, dass weiterhin ein jährliches Budget von 50 Millionen € zur Verfügung steht – vorbehaltlich der Haushaltsberatungen. Bereits beschlossene Sache: Die Zuständigkeit für die Games-Förderung wechselt vom FDP-Verkehrs- ins grüne Wirtschaftsministerium.

1 Kommentar

  1. Ich finde es eine Frechheit die meisten dieser Firmen sind schon erfolgreich, bekommen Millionen in den arsch gesteckt aber der indie Entwickler muss um jeden Cent kämpfen. Armes Deutschland wie immer….

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