Start Politik E-Sport-Debatte: Höferlin kritisiert „peinliches“ Unions-Papier

E-Sport-Debatte: Höferlin kritisiert „peinliches“ Unions-Papier

FDP-Politiker Manuel Höferlin ist Vorsitzender des Ausschusses Digitale Agenda (Foto: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
FDP-Politiker Manuel Höferlin ist Vorsitzender des Ausschusses Digitale Agenda (Foto: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Einen „Zeitgeist der 50er Jahre“ bescheinigt FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin dem E-Sport-Kapitel im „Ehrenamtsgesetz“ von CSU/CDU. 

Ehrenamtliches Engagement in Deutschlands Vereinen zu stärken – das hat sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit ihrem „Ehrenamtsgesetz 2021“ vorgenommen (PDF). Dazu gehört auch der Plan, E-Sport-Angebote von Vereinen als gemeinnützig anzuerkennen – ein Versprechen, das die Groko im Koalitionsvertrag vor zweieinhalb Jahren abgegeben hat.

Die Union sieht hier „Handlungsbedarf“ und strebt eine „rechtliche Klarstellung“ im Rahmen der Abgabenordnung an.

Allerdings soll die Gemeinnützigkeit nur für „elektronische Sportsimulationen“ gelten – was in der Praxis auf Fußballspiele wie „FIFA“ und „PES“ sowie die Basketballsimulation „NBA 2K“ hinausläuft. Der Haken: Diese Titel stehen nur für eine vergleichsweise winzige Nische des E-Sport-Gesamtmarktes. Ungleich populärere Disziplinen wie „Counter-Strike“, „League of Legends“ „Dota 2“, „Rainbow Six Siege“ oder „Fortnite“ blieben außen vor.

Die Folge: Sport-Klubs, die zum Beispiel „League of Legends“ betreiben, könnten ihre Gemeinnützigkeit verlieren – was bis hin zu Bundesligisten wie Schalke 04 zum Problem werden könnte.

Mit dieser Beschränkung auf Sportspiele ist die Union ganz auf Linie mit der Position des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Die Behörde von Innen- und Sportminister Horst Seehofer (CSU) sowie Teile der SPD haben sich dieser engen Interpretation von „E-Sport“ ebenfalls angeschlossen.

Kritik am CDU/CSU-Vorstoß kommt inzwischen nicht nur von Lobbyverbänden wie dem ESBD, sondern auch von der Opposition. „Kurz nach Veröffentlichung des Papiers haben wahrscheinlich die 50er-Jahre bei der Union angerufen und ihren Zeitgeist von damals zurück gefordert“, spottet zum Beispiel FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin. „Im Ernst: Der Vorschlag der Union, E-Sport nur bei Sportsimulationen als Sport anzuerkennen, ist grundlegend falsch. Denn damit wird weiterhin der überwiegende Teil des E-Sport ausgespart.“

Dem klassischen Sport sollte E-Sport aber schon deshalb gleichgestellt werden, weil sich beide „hinsichtlich des sportiven Charakters und der Organisationsstrukturen nicht unterscheiden“, so Höferlin. Dies sei unabhängig vom Spiel-Inhalt.

Zu Gast beim virtuellen Sommerfest des Branchenverbands Game: FDP-Politiker Manuel Höferlin (Foto: Game e. V.)
Zu Gast beim virtuellen Sommerfest des Branchenverbands Game: FDP-Politiker Manuel Höferlin (Foto: Game e. V.)

Für den FDP-Politiker ist die Frage der Gemeinnützigkeit nicht nur eine Frage der Fairness – vielmehr gehe es um die Zukunftsfähigkeit des Vereinssports insgesamt. Höferlin: „Dieser peinliche Vorstoß zeigt einmal mehr, dass in der Union keinerlei Verständnis oder Wissen über den E-Sport und die Community vorhanden sind. Solange die Union solche untauglichen Vorschläge macht, die allerhöchstens ihren verstaubten Blick auf die Welt offenbaren, sollte sie sich zu diesem Thema am besten gar nicht äußern. Dann macht sie wenigstens nichts schlimmer.“

Höferlin ist Vorsitzender des Ausschusses Digitale Agenda im Deutschen Bundestag sowie des Parlamentskreises „eSports und Gaming“, dem unter anderem auch SPD-Chefin Saskia Esken angehört.

Weitere Hintergrund-Informationen zu diesem Thema finden Sie in diesem Beitrag. Mit den Folgen des „Ehrenamtsgesetz 2021“ setzt sich auch unsere Freitags-Kolumne vom 19. Juni auseinander.

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