Start Sport DOSB-Gutachten: eSport ist kein Sport (Update)

DOSB-Gutachten: eSport ist kein Sport (Update)

Debatte um eSport: Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) machten auf der Gamescom 2019 auch Station beim eSport-Veranstalter ESL (Foto: KoelnMesse / Uwe Weiser)
Debatte um eSport: Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) machten auf der Gamescom 2019 auch Station beim eSport-Veranstalter ESL (Foto: KoelnMesse / Uwe Weiser)

Ein Rechtsgutachten im Auftrag des DOSB spricht eSport-Disziplinen jegliche Eignung als „Sport“ ab – und geht damit weit über die DOSB-Auffassung hinaus.

Update vom 27. August 2019 (14 Uhr): Der eSport-Lobbyverband ESBD begrüßt die Ergebnisse der DOSB-Studie, weil darin die aus ESBD-Sicht willkürliche Unterscheidung zwischen „guten und schlechten Spielen“ aufgehoben wird.

Gleichzeitig kommt die Studie zu dem Fazit, dass eSport in Gänze – also inklusive Sportsimulationen wie „FIFA“ – nicht als Sport einzuordnen ist. Die wesentlichen Gründe – fehlende körperliche Aktivität, fehlende Gemeinwohlorientierung und der Verstoß gegen Grundwerte – werden vom ESBD kritisiert.

„Wer behauptet, dass Videospiele die Menschenwürde missachten, arbeitet unsauber“, erklärt ESBD-Präsident Hans Jagnow. „Die Alterseinstufung der USK prüft mit staatlichem Bescheid die Achtung und Einhaltung der verfassungsmäßigen Werte. Es ist sehr bedenklich, sich auf diese Weise über das Grundgesetz als gemeinsame Wertgrundlage zu erheben.“

Der ESBD fordert den DOSB dazu auf, die „unsinnigen Spaltungsversuche“ zu beenden.

Meldung vom 27. August 2019 (11 Uhr): Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Kernaussage des 120seitigen Abschlussberichts: eSport ist kein Sport. In dem Dokument heißt es laut Nachrichtenagentur dpa, dass der Begriff „durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert“ sei.

Bei PC- und Konsolen-Spielen sei diese Voraussetzung nicht erfüllt – deshalb sei eSport kein Sport im Sinne des geltenden Rechts.

Was gleichzeitig bedeutet: Die von Industrie, Politik und Verbänden angestrebte Gemeinnützigkeit als „Sport“ scheidet damit aus. Laut dpa heißt es in dem Dokument, die eSport-Branche würde sich „in einer anderen Galaxis“ bewegen. Die Gegensätze seien „unüberbrückbar“.

Damit geht das Gutachten noch deutlich über die eSport-kritische Haltung des Auftraggebers hinaus: Denn der DOSB unterscheidet in der eigenen Positionierung zwischen zulässigen virtuellen Sportsimulationen (etwa „FIFA 19“ oder „NBA 2K20“) und „eGaming“, unter der Spiele wie „League of Legends“ oder „Counter-Strike: Global Offensive“ subsumiert werden. Auch diese Unterscheidung ist laut Gutachten nicht haltbar. Der Begriff „eSport“ wird seitens des DOSB nicht mehr verwendet, um Verwechslungen mit dem traditionellen Sport auszuschließen.

Der eSport-Bund-Deutschland (ESBD) sieht sich durch das Gutachten in der Auffassung bestätigt, dass Wortschöpfungen wie „eGaming“ (DOSB) oder „E-Soccer“ (DFB) nichts mit der Realität zu tun hätten. Derartige Abgrenzungen hätten zur Spaltung der E-Sport-Szene beigetragen, so ESBD-Präsident Hans Jagnow. Der ESBD kritisiert, dass sich viele vom DOSB anerkannte Sportarten über die Präzision der Bewegung definieren, nicht über den Umfang – als Beispiele werden Sportschießen, Tischfußball oder Darts genannt.

Wenngleich der kommerzielle Part des eSport-Geschäfts nur bedingt durch das Gutachten ausgebremst werden dürfte, so ist die Analyse ein klarer Rückschlag mit Blick auf die angestrebte Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen und -Abteilungen.

„Der Sportbund muss jetzt entscheiden, ob er eSports in seiner Breite anerkennen will, so wie es viele Sportvereine längst tun, oder ob er weiter die Augen vor der Zukunft verschließt“, erklärt der Industrieverband Game. Die Politik sei da „viel weiter“: Auf der Gamescom hätten sich die Generalsekretäre der Parteien klar für die Anerkennung von eSport als Sport ausgesprochen – unter anderem warnte SPD-Politiker Lars Klingbeil den DOSB vor einer „schweren Fehlentscheidung“. Der Bund dürfe jetzt nicht weiter warten, sondern müsse die Zusagen aus dem Koalitionsvertrag einlösen und die Abgabenordnung anpassen.

Zuletzt hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) seine Auffassung mit Blick auf den eSport korrigiert. Mehrere Landessportverbände und das CSU-geführte Innenministerium hatten sich schon zuvor der Position des DOSB angeschlossen. Die Oberfinanzdirektion NRW hat bereits im Mai festgestellt, dass Sportvereine mit eSport-Teams nicht als gemeinnützig anerkannt werden können. Digitalpolitiker wie Dorothee Bär (CSU) hatten den DOSB für die ablehnende Haltung scharf kritisiert.

In der fraglichen Abgabenordnung sind neben dem Sport auch Dutzende weiterer möglicher Voraussetzungen vorgesehen, die eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit nach sich ziehen können – etwa die Förderung von Kunst und Kultur, der Tierschutz oder die Heimatpflege. Einzelne Vereine haben über den Weg der Jugendhilfe bereits das Gemeinnützigkeits-Statut erhalten. Darauf verweist zum Beispiel der CDU-Politiker Johannes Steiniger in einem Tweet – verknüpft mit der Forderung, den Ankündigungen Taten folgen zu lassen. Steiniger hatte sich im Februar für eine eSport-Anerkennung ausgesprochen, allerdings mit Ausnahme von „Gewaltspielen“.


Eine ausführliche GamesWirtschaft-Analyse zum eSport-Streit zwischen Sportverbänden, Politik und Games-Lobby lesen Sie hier.

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