Start Politik Jugendhilfe statt Sport: Hamburg billigt eSport-Kompromiss

Jugendhilfe statt Sport: Hamburg billigt eSport-Kompromiss

Die Hamburger Sportjugend will mit einem Kompromiss-Konzept die Gemeinnützigkeit für eSport-Klubs in der Hansestadt erreichen (Foto: GamesWirtschaft)
Die Hamburger Sportjugend will mit einem Kompromiss-Konzept die Gemeinnützigkeit für eSport-Klubs in der Hansestadt erreichen (Foto: GamesWirtschaft)

Etappensieg im lokalen Netzwerk: Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel signalisiert grünes Licht für ein eSport-Konzept der Hamburger Sportjugend.

Die bundesweite Anerkennung der Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen gehört zu den wichtigsten politischen Zielen der deutschen Computerspiel-Lobby. Analog zu Sportvereinen wären eSport-Klubs dann von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit, dürften Spendenquittungen ausstellen und Übungsleiter-Pauschalen auszahlen.

Bislang vertreten die Finanzbehörden überwiegend die Auffassung, dass der eSport nicht dem Sport gleichzustellen ist und daher nicht förderfähig ist. Diese Position wird von Landesverbänden, Staatskanzleien, Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB), Fachpolitikern, Ministerien, Sportpolitikern und hochrangigen Sportfunktionären geteilt. Die Bundesregierung ist in dieser Frage auch 15 Monate nach Inkrafttreten des Koalitionsvertrags noch unentschlossen, wie sie damit umgehen soll.

Einen Kompromiss hat nun die Hamburger Sportjugend auf den Weg gebracht – und zwar über den „Umweg“ der Förderung der Jugend- und Altenhilfe. Denn auch dies ist ein Vereinszweck, der gemeinnützig im Sinne der Abgabenordnung sein kann. Im Konzeptpapier ist aufgeschlüsselt, welche Kompetenzen die Kinder und Jugendlichen beim gemeinsamen Gamepad-Training erlernen sollen – etwa Team-Fähigkeit, Inklusion oder ein souveräner Umgang mit Sieg und Niederlage. Mit einer ähnlichen Argumentation hat bereits Leipzig eSports e. V. den Gemeinnützigkeits-Status erwirkt.

Im Rahmen des Delegiertentags der Hamburger Sportjugend hat Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) nun signalisiert, dass damit Voraussetzungen für einen positiven Bescheid gegeben wären.

Der Haken: Hamburgs eSport-Jugend muss sich – zumindest vorerst – mit Sport- und Strategiespielen bis zu einer USK-Freigabe von maximal 12 Jahren begnügen, also „League of Legends“, „Rocket League“ oder „FIFA 19“. Unberücksichtigt bleiben populäre Action-Titel wie „Counter-Strike: Global Offensive“, „Call of Duty: Black Ops 4“ oder „Fortnite“.

Das Hamburger Modell ermöglicht den gemeinnützigen eSport also in vergleichsweise engen Grenzen, beschränkt a) auf die Hansestadt und b) auf einzelne Spiele – was nicht den Branchen-Forderungen nach Anerkennung aller eSport-Disziplinen als „vollwertiger Sportart“ entspricht, wie es im Koalitionsvertrag vorgesehen ist.

Beim eSport-Bund Deutschland (ESBD) sieht man die Entwicklung dennoch positiv – der Vorstoß weise in die richtige Richtung, meint Verbands-Vize Martin Müller: „Er schafft mehr Freiräume und Flexibilität für die Vereine vor Ort, die im eSport aktiv werden wollen. Das stärkt den eSport im Norden deutlich und reizt die Handlungsspielräume auf Landesebene aus.“ Hamburg könne dadurch eine Vorbild-Funktion für andere Bundesländer einnehmen.


Lesen Sie dazu auch die Kolumne „Unfähig zum Kompromiss“ vom Februar 2019, in der wir die Debatten im Umfeld der dazugehörigen eSport-Bundestags-Anhörung einordnen.

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