Start Politik eSport-Politik: ESBD beklagt „Stillstand“

eSport-Politik: ESBD beklagt „Stillstand“

German eSport Summit 2019 während der Games Week Berlin: Die Opposition fordert von der Koalition konkrete Maßnahmen zur Förderung der eSport-Landschaft (Foto: ESBD / Grzegorz Karkoszka)
German eSport Summit 2019 während der Games Week Berlin: Die Opposition fordert von der Koalition konkrete Maßnahmen zur Förderung der eSport-Landschaft (Foto: ESBD / Grzegorz Karkoszka)

Über ein Jahr nach Inkrafttreten des Koalitionsvertrag tritt die eSport-Politik auf der Stelle – beim eSport-Bund ESBD vermisst man klare Ansprechpartner und einen klaren Kurs.

176 eng beschriebene Seiten umfasst der aktuelle Sportbericht der Bundesregierung – inklusive spannender Themen wie „Sport und Lärmschutz“, der „Sportplakette des Bundespräsidenten“ oder dem „Wirtschaftsfaktor Sportwetten“.

Dem Thema „E-Sport“ – das ausdrücklich in Anführungszeichen gesetzt ist – sind hingegen nur acht dürre Zeilen gewidmet. Die Bundesregierung werde die Entwicklung dieser „stark boomenden Sparte“ begleiten und strebe die Schaffung von „Rahmenbedingungen“ an. Wie diese aussehen könnten, bleibt offen.

Damit ist auch über ein Jahr nach Inkrafttreten des Koalitionsvertrags und der damit einhergehenden Ankündigungen unklar, welches Ressort federführend für den eSport  zuständig ist und welche konkreten Maßnahmen anstehen.

  • Offizieller „eSport-Minister“ ist Innen-, Bau- und Heimatminister Horst Seehofer (CSU). Dessen Staatssekretär Stephan Mayer will die Fragen mit Blick auf eine Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen allerdings eher im Finanzministerium verortet wissen, also bei Olaf Scholz (SPD).
  • Gleichzeitig fühlt sich das Innenministerium – analog zur Haltung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) – nur für Sportsimulationen wie „FIFA 19“ oder „NBA 2K19“ verantwortlich, nicht aber für „League of Legends“ oder „Fortnite“.
  • Für die Visa der internationalen eSportler ist wiederum das Ressort von Außenminister Heiko Maas (SPD) zuständig – seit 2018 gibt es Einreise-Erleichterungen.
  • Weil einige der populärsten eSport-Spiele erst ab 16 oder 18 Jahren freigegeben sind, spielt auch das Thema Jugendschutz eine wichtige Rolle. Dafür auf Bundesebene zuständig: Familienministerin Franziska Giffey (SPD).
  • Eine koordinierende Rolle kommt zudem Merkels Digitalisierungs-Beauftragter Dorothee Bär (CSU) zu, die die eSport-Passagen des Koalitionsvertrags mitverhandelt hat.

Dass der Abstimmungsprozess innerhalb der Regierung weiterhin nicht abgeschlossen ist, zeigt eine Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion von Mitte April. Das Dokument bleibt über weite Strecken im Unklaren und geht auf viele der 31 Fragen gar nicht erst ein. In den vergangenen Monaten traten die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Fraktionen von Union und SPD offen zutage.

Aus Sicht von eSport-Bund-Präsident Hans Jagnow müsse daher spätestens jetzt „mehr Bewegung“ in die Bundesregierung kommen: „Wir brauchen einen einheitlichen Kurs, einen zentralen Ansprechpartner und ganz dringend konkrete Maßnahmen, um die Anerkennung von eSport als Sportart auch gesetzlich zu verankern“, so Jagnow.

Jagnows Vize Niklas Timmermann verweist auf die Entwicklung bei den europäischen Nachbarn: In Dänemark oder Polen sei der eSport Chefsache, basierend auf einer klaren nationalen Strategie. Timmermann sorgt sich um den Anschluss der deutschen Szene an die Weltspitze, weil Nachwuchsstrukturen nicht gefördert würden.

Der ESBD fordert daher die Einrichtung eines „Arbeitsgremiums“ über Ressort-Grenzen hinweg. „Die Einrichtung eines eSport-Ausschusses kann uns in Deutschland helfen, die bestehenden Blockaden zu lösen und ein einheitliches Vorgehen zur Förderung und Stärkung der Sportart eSport zu ermöglichen“, erklärt eSport-Funktionär Jagnow. „Gemeinsam muss eine bundesweite Strategie entwickelt werden, statt sich im Kompetenzstreit zu verlieren.“

Immerhin: Seit Mitte März existiert im Deutschen Bundestag ein „Parlamentskreis eSport und Gaming“, dem sich Abgeordnete aller Fraktionen – mit Ausnahme der AfD – angeschlossen haben. Derartige Parlamentskreise fungieren allerdings eher als Fanklub und haben keine offizielle parlamentarische Funktion.

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