
Kanzler Merz ist seit einem Jahr im Amt – und mit ihm das ‚Games-Ministerium‘ unter Dorothee Bär. Was seitdem passiert ist – und was noch auf der Agenda steht.
Seit dem 6. Mai 2025 ist das Kabinett Merz I im Amt. Und es könnte besser laufen. Zum einjährigen ‚Jubiläum‘ räumt Kanzleramts-Chef Thorsten Frei ein: „Wenn ich mir die Umfrageergebnisse anschaue, haben wir in der Tat ein Problem.“
Für den wachsenden Unmut gibt es Gründe: Der offen ausgetragene Streit in der schwarz-roten Koalition bremst überfällige Reformen aus. Der Kanzler und seine Minister vermitteln den Eindruck, dass auf immer neue Konflikte nicht oder zumindest: nicht entschlossen genug reagiert wird – und dass die „Verantwortung für Deutschland“, wie der Koalitionsvertrag überschrieben ist, nicht hinreichend wahrgenommen wird.
Die Folge: desaströse Umfrage-Werte. Energie, Arbeitsmarkt, Rente, Pflege, Gesundheit, Bildung, Wohnungsmarkt – überall brennt der Baum.
Ein Jahr ‚Games-Ministerium‘: Hat Bär geliefert?
Verblüffend wenig Grund zum Klagen hat indes die Videospiele-Industrie. Schon nach den ersten sechs Monaten haben die befragten Mitglieder des Branchenverbands Game ein anerkennendes Zwischenzeugnis ausgestellt: 7 von 10 Spiele-Unternehmen bewerteten die Arbeit der Bundesregierung als positiv oder sehr positiv – ein Top-Wert. Das war schon mal anders.
Selbst Skeptiker müssen einräumen: CSU-Politikerin Dorothee Bär hat geliefert. Die für die Branche zuständige „Bundesgamesministerin“ (wie es auf den Social-Media-Kanälen des Forschungsministeriums heißt) konnte im Eiltempo mehrere Aufgaben aus dem Koalitionsvertrag abschichten.
- Seit dem 1. Januar 2026 profitieren E-Sport-Vereine von den Vorteilen der amtlichen Gemeinnützigkeit. Der mehrjährige Anlauf inklusive frustrierender Rückschläge hat sich ausgezahlt.
- Pünktlich zur Gamescom 2025 wurden die Subventions-Schleusen geöffnet: Der Antrags-Stopp infolge der „vorläufigen Haushaltsplanung“ wurde aufgehoben – Spiele-Entwickler sich können wieder um Zuschüsse bewerben.
- Für Planbarkeit sorgt ein üppiges Haushalts-Budget: Allein im Jahr 2026 sind üppige 120 Mio. € für die Computerspiele-Förderung eingeplant. Auch Standort-Marketing und Computerspielpreis werden weiter finanziert.
- Wichtiges Signal nach innen wie nach außen: Im Forschungsministerium gibt es wieder ein dediziertes Games-Referat, das sich exklusiv um die Branche kümmert. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen im Mai 2025 hat Bär die Entscheidung von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) einkassiert.
In weniger als einem Viertel der Legislaturperiode wurden also schon sehr wesentliche Aufgaben abgehakt. Sofern die Koalition über die komplette Distanz durchhält – woran sich selbst innerhalb der Fraktionen Zweifel mehren – verbleiben somit noch drei Jahre, um das dickste aller Bretter zu bohren.
Im Koalitionsvertrag heißt es nämlich auf Seite 122: „… daher wollen wir den Gamestandort durch steuerliche Anreize und verlässliche Programme fördern.“ Politik-Gourmets wissen: ‚wollen‘ ist wie ‚werden‘, nur weniger krass, weil stets der unausgesprochene Zusatz „… wenn nix dazwischen kommt“ mitgedacht werden muss. Der Verband drängt auf Tempo und lässt keine Gelegenheit ungenutzt, um an diese gefühlte Zusage zu erinnern.
Die Idee: Steuergutschriften sollen Gründungen und Investitionen in der deutschen Games-Branche anschieben – ein Modell, das bereits in anderen Ländern und Branchen praktiziert wird. Für den Staat bedeutet das zwangsläufig Steuer-Mindereinnahmen – die sich aber durch kolportierte Hebeleffekte mehr als rechnen sollen. Der Haken: Für die Umsetzung braucht es zwingend den politischen Willen von Bund und Ländern; hier ist noch viel Überzeugungsarbeit vonnöten, zumal die Weltlage derzeit andere Prioritäten setzt.
Fazit: Nach drei verlorenen Ampel-Jahren ist die Games-Politik messbar wieder auf Kurs – und dieser Befund ist eng mit der Personalie Dorothee Bär verbunden. In der Branche wird man drei Kreuze machen, dass ein ‚Weiter so‘ im Wirtschaftsministerium und ein ‚Weimer so‘ via Kultur-Ressort verhindert wurde.












