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E-Soccer statt eSport: DFB definiert Games-Leitlinien

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) spricht künftig von
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) spricht künftig von "E-Soccer" - und meint damit eSport.

Das totgeglaubte „Killerspiel“ ist wieder da – frisch aufgetaut in einer Pressemitteilung des Deutschen Fußballbundes: Darin positioniert sich der DFB zum Thema eSport und stellt klar, dass sich Verband und Verein ausschließlich Videospielen mit Fußballbezug widmen – dem „E-Soccer“.

Nach heftigen Verbal-Attacken auf Computerspiele im Allgemeinen und eSport im Besonderen hat sich der Deutsche Fußballbund (DFB) in Abstimmung mit den Regional- und Landesverbänden auf eine einheitliche Linie im Umgang mit der Konsolen-Konkurrenz verständigt.

Demnach besteht in den DFB-Gremien der Konsens, dass unter dem Überbegriff „eSport“ auch Spiele subsumiert werden, die nicht die „satzungsgemäßen Werte“ des Sportverbands wiederspiegeln, gerade mit Blick auf Kinder und Jugendliche. Wörtlich spricht der DFB davon, dass im eSport „Gewalt-, Kriegs- und Killerspiele“ praktiziert würden.

In klarer Abgrenzung zu den marktüblichen Begrifflichkeiten will der DFB daher künftig die neue Formulierung „E-Soccer“ verwenden und das komplette Engagement auf „fußballbezogene Spiele und Formate“ beschränken.

In der Praxis läuft dies auf die marktführende Fußball-Serie „FIFA“ des US-Spieleherstellers Electronic Arts hinaus, der gemeinsam mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bereits die Virtuelle Bundesliga ausrichtet. „FIFA 18“ und demnächst „FIFA 19“ (erscheint im September) sind die einzigen Match-Simulationen auf dem Markt, deren Daten auf den Spielern und Vereinen der 1., 2. und 3. Bundesliga basieren. Auch der DFB-Pokal und die Nationalmannschaften sind enthalten – demnächst könnte die UEFA Champions League hinzukommen.

E-Soccer: DFB will ausschließlich „fußballbezogene“ Computerspiele unterstützen

Damit eSport-Vereine grundsätzlich die Mitgliedschaft im DFB beantragen können, muss zunächst die Anerkennung durch die zuständigen Landessportbünde und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erfolgen.

Darüber hinaus will der DFB nur solche Vereine aufnehmen, die sich „mit fußballbezogenen Spielen und Wettbewerben“ (sprich: „FIFA 18“) befassen. Das konkrete Engagement auf diesem Feld überlässt der DFB den Regional- und Landesverbänden.

Darüber hinaus will der Verband verbindliche Statuten aufstellen, die den „verantwortungsvollen Umgang mit Computerspielen“ sowie die Prävention mit Blick auf Suchtgefahren berücksichtigen. E-Soccer soll eine Ergänzung des klassischen Vereinslebens darstellen und im besten Fall dazu führen, dass Kinder und Jugendliche ihrerseits aktiv Fußball spielen – und zwar auf dem Rasen, nicht auf der Konsole.

Nach einer exklusiven GamesWirtschaft-Auswertung leidet der deutsche Fußball unter der seit Jahren rückläufigen Zahl der Junioren-Mannschaften.

Die weiterhin rückläufige Zahl an Junioren-Mannschaften bereitet dem DFB Kopfzerbrechen.
Die weiterhin rückläufige Zahl an Junioren-Mannschaften bereitet dem DFB Kopfzerbrechen.

DFB-Vize Rainer Koch: Verband lehnt „gewaltverherrlichende Spiele“ ab

DFB-Präsident Reinhard Grindel, der in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Gelegenheiten mit scharfer Kritik in Richtung der Games-Branche aufgefallen war, relativiert seine zuletzt pauschalen Angriffe. Demnach sei es ihm vor allem um die Klarstellung gegangen, dass der Verband die im E-Sport zusammengefassten „Gewaltspiele“ ablehnt.

„Wir wollen keine Spiele fördern, in denen Kinder auf andere schießen und das Ganze auch noch als Sport bezeichnet wird“, so Grindel. Fußballbezogene Spiele seien hingegen unterstützenswert, sofern sie dazu beitragen können, den Vereins-Nachwuchs zu befördern.

Nach Darstellung von DFB-Vizepräsident Rainer Koch – dort zuständig für den Amateur-Bereich – stehen die Landesverbände den digitalen Fußballformaten offen gegenüber, lehnen andererseits – Zitat – „gewaltverherrlichende Spiele“ ab. Als promoviertem Juristen dürfte es Koch freuen, dass derartige Produkte in Deutschland mit Blick auf § 131 StGB ohnehin verboten sind.

Reaktionen von eSport-Bund Deutschland und Game-Verband

Der eSport-Bund Deutschland begrüßt die heutige Entscheidung des DFB: ESBD-Präsident Hans Jagnow erhofft sich von der Klarstellung „mehr Verbindlichkeit und mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die am eSport interessierten Fußballvereine“.

Gleichzeitig kritisiert Jagnow die vom DFB betriebene Abgrenzung gegenüber eSport in Form des neuen Terminus „E-Soccer“: Diese Spaltung sei nicht der richtige Weg, zumal der „längst vergessene Begriff der Killerspiele aus der Mottenkiste der Geschichte geholt“ werde. Sachlich nachvollziehbar und naheliegend sei hingegen, dass der DFB als Fußballverband die Fußball-Simulationen bevorzugt.

Auch Game-Geschäftsführer Felix Falk freut sich darüber, dass sich der DFB dem Thema eSport öffnet. Der heute verkündete Schritt sei ein guter Anfang für eine Annäherung – „auch wenn einige Verantwortliche ihre Vorurteile anscheinend noch überwinden müssen“, so Falk wörtlich.

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