Start Meinung Fröhlich am Freitag 25/2020: Die E-Sport-Zerstörung der CDU

Fröhlich am Freitag 25/2020: Die E-Sport-Zerstörung der CDU

Ralph Brinkhaus ist Vorsitzender der CDU-/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag (Foto / Copyright: Tobias Koch)
Ralph Brinkhaus ist Vorsitzender der CDU-/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag (Foto / Copyright: Tobias Koch)

Mit ihrem „Ehrenamtsgesetz 2021“ bringen CDU und CSU den deutschen E-Sport-Betrieb in die Bredouille: Minimal-Konsens mittragen oder nicht?

Verehrte Leserinnen und Leser,

man muss es so deutlich sagen: Das, was die CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten in dieser Woche mit ihrem „Ehrenamtsgesetz 2021“ vorgelegt haben, ist dazu geeignet, das zarte Pflänzlein des organisierten E-Sport in Deutschland zu zerstören. Zumindest jenen E-Sport außerhalb der Vollzeit-Profis von SK Gaming, MouseSports, Wolfsburg & Co.

Warum? Weil (Sport-)Vereine den existenziell wichtigen Status der Gemeinnützigkeit laut dem CDU-/CSU-Papier nur dann behalten dürfen, wenn sie das E-Sport-Angebot auf „elektronische Sportsimulationen“ beschränken.

Also ungefähr 1 Prozent aller Spiele(r), die den E-Sport ausmachen.

Alles, was ehrenamtliche Trainer ihren „League of Legends“-Schützlingen beibringen, all die privat organisierten „Fortnite“- und „Overwatch“-Turniere, kurzum: der ‚Breitensport‘ – all das soll nach Vorstellungen der Union bestenfalls eigen-, aber bitte nicht gemeinnützig sein.

Gemeinnützig heißt: Spendenquittungen, Pauschalen, Fördertöpfe, Zuschüsse, Steuerbefreiung.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Diese Zuspitzung auf Sportsimulationen war zu erwarten: Die Politik folgt damit 1:1 der Position des mächtigen Olympischen Sportbunds (DOSB) und der Landessportverbände. Dass sie die DOSB-Sicht grundsätzlich für das zumutbare Maximum halten, daran haben die für den Sport zuständigen Innenminister Seehofer (Bund), Beuth (Hessen) oder Herrmann (Bayern) ohnehin nie Zweifel gelassen. Deren Hauptinteresse: um Himmelswillen kein staatlich legitimiertes „Counter-Strike“, „Call of Duty“ oder „Valorant“ unter dem Deckmantel des Sports.

Runtergebrochen auf die Marktanteile bei „elektronischen Sportsimulationen“ macht sich die CDU/CSU von einem einzigen Spiel (nämlich „FIFA“) und damit einem einzigen Hersteller (nämlich Electronic Arts) abhängig. Und damit von einem US-Konzern, der zuletzt 1,5 Milliarden Dollar mit dem Verkauf digitaler Sammelkarten-Packs erwirtschaftete, mit denen sich Superstars wie Salah, Hazard, Messi & Co. per Zufallsprinzip freischalten lassen, um im Online-Modus FIFA Ultimate Team (FUT) halbwegs konkurrenzfähig zu werden oder zu bleiben. Ein Geschäftsmodell, was nach Auskunft des Herstellers kei-nes-falls als Pay2Win zu werten ist.


Immer freitags, immer kostenlos: Jetzt GamesWirtschaft-Newsletter abonnieren!


Dabei tut EA selbst alles, um die Entwicklung von „FIFA“ im Profi-Bereich zu verhindern. Die Preisgelder in der Virtuellen Bundesliga und bei der WM sind weiterhin beschämend niedrig. Vom geplanten eDFB-Pokal hat man nie wieder was gehört. Die eNationalmannschaft spielt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Erste Bundesligisten müssen ihre „FIFA“-Abteilungen aufgeben. Und als Blaupause für Ersatz-Sport in Corona-Zeiten taugt „FIFA“ erst recht nicht: eNations Cup und FIFA eWorld Cup wurden abgesagt.

Die Groko steht seit zweieinhalb Jahren im Wort, während der laufenden Legislatur für die Gemeinnützigkeit des E-Sport sorgen zu wollen. Der deutsche E-Sport wird sich nun selbstkritisch prüfen müssen, ob man diesen schalen Besser-als-nix-Minimal-Konsens zähneknirschend mitträgt, für den es – so realistisch muss man sein – auch große Sympathien bei der mitregierenden SPD gibt.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen und Gastbeiträge finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here