Start Sport Landessportbund Hessen: eSport ist „künstlicher Sammelbegriff“

Landessportbund Hessen: eSport ist „künstlicher Sammelbegriff“

Verbands-Vize Ralf-Rainer Klatt ist für Sportentwicklung zuständig (Foto: Landessportbund Hessen)
Verbands-Vize Ralf-Rainer Klatt ist für Sportentwicklung zuständig (Foto: Landessportbund Hessen)

Der Landessportbund Hessen folgt der Positionierung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) – und lehnt den Begriff „eSport“ ab.

Im organisierten Sport zeichnet sich ein breiter Konsens mit Blick auf den Umgang mit eSport ab. Analog zu den Landessportbünden in Berlin, Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen hat sich nun auch Hessen der Position des DOSB angeschlossen. Demnach wird zwischen simulierten Sportarten (etwa „FIFA“, „PES“, „NBA 2K“) und dem ‚Rest‘ unterschieden, der als „E-Gaming“ bezeichnet wird.

Virtuelle Sportarten sind in hessischen Sportvereinen laut Positionspapier zulässig, E-Gaming nicht.

Vokabeln wie „eSport“ oder „E-Sport“ werden vom Sportbund rundherum abgelehnt. Begründung: Es handele sich um einen „künstlichen Sammelbegriff“ – von Ego-Shootern über Strategiespiele bis hin zu Kartenspielen. Wörtlich heißt es: „Diese Breite an Erscheinungsformen geht aus unserer Sicht weit über ein Spielsportverständnis hinaus und ist daher mit dem zurzeit angewendeten Sportbegriff nicht vereinbar.“

Damit grenzt sich der Verband vom Industrieverband Game und vom eSport-Bund Deutschland (ESBD) ab, die den Begriff „eSport“ synonym für sämtliche wettbewerbsmäßig betriebenen Computerspiele verwenden.

Gleichzeitig hält der Verband viele Videospiele aus dem Bereich E-Gaming mit den Grundpositionen des Sports für unvereinbar: Dies betrifft nicht nur die Gewaltdarstellung, sondern auch Werte wie Fairplay, demokratische Verfasstheit und selbstbestimmte Regeln. Explizit erwähnt wird der Multiplayer-Klassiker „Counter-Strike“. Kritisch wird insbesondere die „Gestaltungsmacht“ von Publishern und Spiele-Entwicklern beurteilt: Sportorganisationen hätten keinen Einfluss auf Regeln.

Aus Sicht des Landessportbunds Hessen ist die Einrichtung von eigenständigen Games-Abteilungen in Sportvereinen oder gar deren Ausgründung nicht „notwendig“. Vereins-interne Initiativen werden aufgefordert, sich für Gesundheitsförderung, Jugendschutz und Suchtprävention einzusetzen und der „fortschreitenden Bewegungsarmut“ entgegen zu wirken.

Besonders im Blick hat der Sportbund auch das Thema Pay-to-Win, für das unter anderem „FIFA 20“ regelmäßig in der Kritik steht: „Spielversionen, die Leistungssteigerungen von weiteren Investitionen abhängig machen, sollten nicht zum Angebot in einem Sportverein gehören.“

In die Bredouille könnte die klare LSB-Hessen-Positionierung unter anderem Eintracht Frankfurt bringen: Im Unterschied zu Schalke 04 oder VfL Wolfsburg verfolgt der eingetragene Verein im eSport einen Breitensport-Ansatz und betreibt neben „FIFA 20“ auch das Riot-Games-Strategiespiel „League of Legends“. Eintracht Frankfurt ist Mitglied im eSport-Bund Deutschland.

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