Start Politik Joachim Herrmann: „Wir respektieren die eSport-Entscheidung des DOSB.“

Joachim Herrmann: „Wir respektieren die eSport-Entscheidung des DOSB.“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), gleichzeitig Stellvertreter von Ministerpräsident Markus Söder (Foto: Bayerischer Landtag / Rolf Poss)
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), gleichzeitig Stellvertreter von Ministerpräsident Markus Söder (Foto: Bayerischer Landtag / Rolf Poss)

Warum Bayerns Sportminister Joachim Herrmann (CSU) nicht für den eSport zuständig ist – und sich trotzdem „positive Nebeneffekte“ von eSport-Events im Freistaat erhofft.

„Topspiele aus #Bayern sollen Blockbuster-Niveau haben“ frohlockte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) via Twitter nach der Kabinettssitzung am 1. Oktober. Soeben hatte sich seine Regierungsmannschaft grundsätzlich darauf verständigt, die Förderung von Games-Entwicklern im Freistaat auszubauen.

Doch das reicht Söder nicht: „Mit einem eigenen eSports-Event holen wir Profi-Gamer nach Bayern.“

Nur: Wer ist überhaupt für den weißblauen eSport zuständig? Auf Bundesebene heißt der eSport-Minister ganz offiziell Horst Seehofer (CSU) – allerdings nur, solange es um Sportsimulationen wie „FIFA 20“ oder „NBA 2K20“ geht. Wie es sich mit dem ungleich relevanteren „Rest“ der eSport-Disziplinen verhält – niemand weiß es.

Und in Bayern? Auf GamesWirtschaft-Anfrage bestätigt die Landesregierung, dass Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) neben Film und Games – auch – das Thema eSport betreut und besagtes Groß-Ereignis an Land ziehen soll. Was insofern überrascht, weil der Amateur- und Leistungs-Sport samt Sportstätten und -Events nun mal Sache des Innenministers ist, in diesem Fall also Joachim Herrmann. Erst vor wenigen Tagen sprach er beim Verbandstag des Bayerischen Fechterverbandes, sein Sport-Staatssekretär Gerhard Eck eilte nach Würzburg zur Eröffnung der Schachjugend-Meisterschaft.

 

Man kann nur erahnen, wie groß die Erleichterung beim CSU-Spitzenpolitiker ausgefallen sein muss, dass der eSport-Kelch an ihm vorübergeht. Denn Herrmann, der das Amt seit zwölf Jahren bekleidet und nicht nur im fränkischen Fasching mit seinem Image als „Schwarzer Sheriff“ kokettiert, pflegt seit jeher ein ausgesprochen ambivalentes Verhältnis zur Games-Industrie. Anlässlich des Deutschen Computerspielpreises 2009 forderte er die Spielebranche per Pressemitteilung auf, die Herstellung und den Vertrieb von ‚Killerspielen‘ zu unterlassen, da sie (mit-)ursächlich seien für Jugendgewalt sowie Amokläufe an Schulen. Wörtlich sprach Herrmann von „Tötungstrainingssoftware“.

Zehn Jahre später sieht sich der einflussreiche Law-and-Order-Sheriff und Stellvertreter Söders damit konfrontiert, dass in naher Zukunft ein Computerspiele-Großereignis in ’seinem‘ Revier stattfinden soll, bei dem – möglicherweise – auch Wettkämpfe in „Counter-Strike“, „Call of Duty“, „PlayerUnknown’s Battlegrounds“ oder „Fortnite“ praktiziert werden. Wenngleich Einiges dafür spricht, dass es die Bayern zunächst piano angehen und mit Unverfänglichem wie „FIFA 20“ oder „League of Legends“ üben. Die Gesamtverantwortung trägt ohnehin Digital-Kollegin Gerlach.

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) warnt Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor dem Vertrauensverlust, der durch den Ausstieg aus der Computerspiele-Förderung entstehen könnte (Foto: StMD / Jörg Koch)
Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) warnt Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor dem Vertrauensverlust, der durch den Ausstieg aus der Computerspiele-Förderung entstehen könnte (Foto: StMD / Jörg Koch)

Das Leben des Sportministers nicht zwingend einfacher gemacht hat ausgerechnet Herrmanns CSU-Präsidiums-Kollegin Dorothee Bär. Gemeinsam mit CDU- und SPD-Verbündeten hatte die CSUnet-Vorsitzende einen Passus in den Grokoalitionsvertrag hineinverhandelt, der die „vollständige Anerkennung des eSport inklusive Vereins- und Verbandsrecht“ und sogar eine „olympische Perspektive“ vorsieht. Der Vorgang hatte zu erheblichen Verstimmungen beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), Deutschem Fußballbund (DFB) und nahezu allen Landessportverbänden geführt, die sich um die Unabhängigkeit und Autonomie ihres Gewerbes sorgten. Seitdem gelten die Fronten zwischen eSport-Lobby, traditionellem Sport und Landespolitikern als mindestens verhärtet, wie sich vor wenigen Tagen auch im hessischen Landtag besichtigen ließ.

Grund genug also, bei Joachim Herrmann nachzufragen: Wie hält er es als Sportminister im Jahr 2019 mit dem eSport?

Joachim Herrmann: „Klare Trennung von Sport und E-Sport“

Joachim Herrmann, CSU (Foto: CSU)
Joachim Herrmann, CSU (Foto: CSU)

GamesWirtschaft: Herr Herrmann, als für den Sport zuständiger Minister: Teilen Sie persönlich die Position von CSUnet und Groko-Koalitionsvertrag, wonach eSport dem Sport gleichzusetzen ist?

Herrmann: Ich darf auf die Position des Deutschen Olympischen Sportbundes zum Thema verweisen. Unter Beachtung des Autonomiegrundsatzes des organisierten Sports, den dieser auch für sich beansprucht, ist es am organisierten Sport darüber zu entscheiden, was als Sport(art) anerkannt werden soll. Das respektieren wir.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist die „vollständige Anerkennung mit Vereins- und Verbandsrecht“ des eSport inklusive „Schaffung einer olympischen Perspektive“ vorgesehen. Unterstützen Sie diese Position?

Gemäß Beschluss des Ministerrats wird die Anerkennung von E-Sport oder E-Gaming im Vereins- und Verbandsrecht geprüft. Es findet aber eine klare Trennung vom Sport (siehe Position des DOSB) statt, weshalb der E-Sport beim Bayerischen Staatsministerium für Digitales angesiedelt ist.

Wie bewerten Sie den Kabinetts-Beschluss, wonach sich der Freistaat Bayern um eine eSport-Großveranstaltung bewerben soll?

Ich teile die Auffassung, dass die Games-Branche für den Medien-, Digital- und Wirtschaftsstandort Bayern ein hohes Entwicklungspotenzial hat. Gaming-Wettbewerbe und entsprechende Großveranstaltungen können die Branche stärken und weiterentwickeln. Auch können sich aus solchen „Events“ positive Nebeneffekte für den digitalen Wandel in Bayern ergeben.


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Im Rahmen der „Killerspiel“-Debatte vor zehn Jahren hatten Sie Gewaltspiele als „unerträglich“ kritisiert und in Interviews in die Nähe von Kinderpornografie gerückt. Von Bayern ging zudem unter Ihrer Führung eine Bundesratsinitiative für ein „Ego-Shooter-Verbot“ aus. Halten Sie die damalige Forderung weiterhin aufrecht?

Nach wie vor lehne ich gewaltverherrlichende Inhalte bei Computer- und Videospielen ab. Das gilt vor allem für Spiele, in denen sich der Spieler in die Rolle eines Rechtsbrechers und Straftäters begibt und für das Killen möglichst vieler Menschen belohnt wird.

Bei der Unabhängigen Selbstkontrolle (USK – gemeint ist die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, Anm. d. Red.) der Computer-Spiele-Hersteller würde ich mir einen noch besseren Jugendschutz bei Computerspielen wünschen. Und ich würde es begrüßen, wenn die sonst so kreative Gaming-Branche in der Spiele-Entwicklung andere, gewaltfreie Akzente setzen würde.

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