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Deutscher Computerspielpreis 2020: Wie geht es weiter?

Die Bildundtonfabrik und Headup Games gewinnen mit
Die Bildundtonfabrik und Headup Games gewinnen mit "Trüberbrook" den Deutschen Computerspielpreis 2019 für das "Beste Deutsche Spiel" (Foto: Isa Foltin / Getty Images for Quinke Networks)

Der Deutsche Computerspielpreis 2020 bekommt ein Update: Verkehrsministerium und Verband verhandeln um die künftige Ausrichtung.

Durch die Debatten um die existenzgefährdete Computerspiele-Förderung des Bundes wird überlagert, dass das federführende Verkehrsministerium auch noch eine zweite Games-Baustelle betreibt: den Deutschen Computerspielpreis (DCP).

Das Haltbarkeitsdatum der vor zwei Jahren geschossenen Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Spiele-Industrie endet am 31. Oktober 2019 – also in zwei Wochen. Damit der Deutsche Computerspielpreis 2020 im April kommenden Jahres ordnungsgemäß verliehen werden kann, muss möglichst bald eine neue Vereinbarung her.

Bislang steht nur zweierlei fest: zum einen, dass die nächste DCP-Gala turnusgemäß in München stattfindet – und dass Entertainerin Ina Müller kein zweites Mal als Moderatorin gebucht wird (aus Gründen). Gastgeber sind Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), seine Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) und der zu diesem Zeitpunkt amtierende Verkehrsminister, derzeit Andreas Scheuer (CSU).

 

Auf GamesWirtschaft-Anfrage bestätigt das Bundesverkehrsministerium (BMVI), dass das künftige Konzept für die Preisverleihung und die zugrundeliegende Vereinbarung zur Stunde gemeinsam mit dem Industrie-Verband Game überarbeitet werden. Bei der letzten Revision im September 2017 hatten sich beide Parteien auf eine lange Liste an Korrekturen und Verbesserungen verständigt, die auf kolportierte Verfahrensfehler im Zusammenhang mit der Verleihung des DCP 2017 zurückzuführen waren.

Die neue Vereinbarung soll laut BMVI rechtzeitig zum Start der Einreichungsphase vorliegen, die üblicherweise Mitte Dezember beginnt. Das Zeitfenster ist nicht zufällig gewählt: Denn in der DCP-Vereinbarung ist auch das künftige Budget festgeschrieben, das zuvor vom Bundestag im Rahmen der Haushaltsberatungen freigegeben werden muss.

Ein Streitpunkt zwischen Politik und Verband: Bislang beteiligen sich Steuerzahler und Spiele-Industrie jeweils zur Hälfte an den Preisgeldern. Zuletzt wurden Schecks in Höhe von 590.000 Euro an die DCP-Gewinner verteilt, darunter 110.000 Euro für das „Beste Deutsche Spiel“.

Der Industrieverband Game pocht seit Jahren darauf, dass das komplette Preisgeld vom Bund kommt, wie es bei anderen staatlichen Auszeichnungen der Fall ist. Das BMVI verteidigt die bestehende Regelung und begründet dies damit, dass bei der Beurteilung das jeweilige „Gesamtpaket“ zu berücksichtigen sei. Beispiel: Beim Deutschen Filmpreis („Lola“) stammt zwar das Preisgeld in Höhe von knapp 3 Millionen Euro komplett vom Staat, doch die Bundesregierung beteiligt sich – anders als beim DCP – nicht an den Kosten für die Preisverleihung.

Das Dutzend ist voll: Mit "State of Mind" baut Daedalic Entertainment die Liste der DCP-Trophäen aus (Stand: 15.4.2019)
Das Dutzend ist voll: Mit „State of Mind“ baut Daedalic Entertainment die Liste der DCP-Trophäen aus (Stand: 15.4.2019)

Doch an der bestehenden Aufgaben- und Kostenteilung wird sich voraussichtlich nichts ändern. Darauf lässt der aktuelle Haushalts-Entwurf (Stand: 15.10.2019) schließen, der vorsieht, dass sich „die Wirtschaft mindestens zur Hälfte an der Finanzierung des Preises“ beteiligen soll.

Das Budget des DCP 2020 wird sich daher – Stand heute – folgendermaßen zusammensetzen:

  • Preisgeld: jeweils 50 Prozent von Bundesverkehrsministerium + Game-Verband
  • Gala: BMVI + Bayerische Staatsregierung (Digitalministerium) + Sponsoren

Auf Anfrage der FDP-Fraktion hat das BMVI bereits im Sommer offengelegt, dass der Bund für Preisgeld und Gala des DCP 2019 in Summe 400.000 Euro ausgegeben hat. Hinzu kommen Zuschüsse für die Arbeit der Stiftung Digitale Spielekultur, wo unter anderem Einreichungen und Jury-Treffen organisiert werden. Der Deutsche Bundestag hatte hierfür außerplanmäßig die Mittel aufgestockt, wie das BMVI mitteilt.

Ob sich das Parlament erneut dazu hinreißen lässt, ist offen. Denn sollte die Computerspiele-Förderung des Bundes doch noch lastminute Eingang in den Haushalt finden, ist auch eine andere Gewichtung denkbar, die zum Beispiel die Förderung des Entwickler-Nachwuchses in den Mittelpunkt stellt.

Das letzte Wort hat nun der Haushaltsausschuss: Spätestens bei dessen abschließender „Bereinigungssitzung“ am 14. November wird Klarheit herrschen – über Förderung und Computerspielpreis.


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