Start Politik Games-Förderung: Abnehmer für 80 Millionen Euro dringend gesucht

Games-Förderung: Abnehmer für 80 Millionen Euro dringend gesucht

0
Zum Stichtag 22.6.2026 weist das 'Fördermittel-Radar' noch Spielräume über 80 Mio. € (rot markiert) aus. Von links: Game-Geschäftsführer Felix Falk, Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Parl. Staatssekretär Matthias Hauer (CDU).
Zum Stichtag 22.6.2026 weist das 'Fördermittel-Radar' noch Spielräume über 80 Mio. € (rot markiert) aus. Von links: Game-Geschäftsführer Felix Falk, Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Parl. Staatssekretär Matthias Hauer (CDU).

Zur Halbzeit ist erst ein Drittel der Mittel verplant, die der Staat für die Games-Förderung 2026 vorgesehen hat. Der Branchen-Verband Game mahnt zu Geduld.

Fast ein Jahr ist es her, dass das Forschungsministerium den „Förderaufruf zur Games-Förderung“ veröffentlicht hat verbunden mit der Hoffnung und Erwartung der zuständigen Bundesministerin Dorothee Bär (CSU), den Standort Deutschland „durch verlässliche Förderung international wettbewerbsfähig“ zu machen.

Der ‚Deal‘ lautet weiterhin: Der Staat übernimmt mindestens 25 Prozent der Entwicklungskosten eines Computerspiels – bei Startups sind es 50 Prozent.

Mit der Aufhebung des Antrags-Stopps gingen gleich mehrere Neuerungen einher: So hat sich der maximale Zuschuss auf 8 Mio. € vervierfacht. Der für 2031 geplante Everspace 2-Nachfolger vom Hamburger Studio Rockfish Games ist das erste Spiel, das in diese Galaxie vorgestoßen ist – Bär sprach im März von einem „Meilenstein“.

An Mitteln mangelt es nicht: Der Bundestag hat im November 2025 rund 125 Mio. € für die Förderung der Computerspiele-Branche eingeplant. Was mit dem Geld konkret passiert, ist für den Laien nicht ersichtlich: Die Projekte werden mit zeitlicher Verzögerung in der amtlichen Subventions-Datenbank hinterlegt (laufend aktualisierte GamesWirtschaft-Auswertung).

Öffentlich einsehbar ist hingegen das Fördermittel-Radar: Zur Halbzeit des Jahres 2026 wurden demzufolge Spiele-Projekte mit einem Volumen von fast 40 Mio. € beantragt – bereits zugeteilt sind rund 35 Mio. €. Bedeutet: Bis Jahresende stehen noch mehr als 80 Mio. € zur Verfügung – also der ‚Gegenwert‘ von mehreren hundert Millionen Euro an Entwicklungs-Budgets.

Auch in den Folgejahren ist entsprechend viel Luft nach oben: Denn die Auszahlung verteilt sich über die komplette Entwicklungs-Laufzeit hinweg, die vielfach bei zwei, drei oder noch mehr Jahren liegt.

Games-Förderung: „Der Motor springt wieder an.“

Der Games-Etat von 125 Mio. € im Haushalt 2026 entspricht auf den Cent genau den Forderungen des Branchenverbands Game. Wie blickt der Verband auf die riesige Lücke zwischen Ist und Soll?

Gegenüber GamesWirtschaft verweist Game-Geschäftsführer Felix Falk auf die Nebenwirkungen von anderthalb Jahren Förderantrags-Stopp: Die positive wirtschaftliche Dynamik der Vorjahre sei dadurch komplett eingebrochen – das Vertrauen von Studios und Publisher habe zunächst Schritt für Schritt wieder wachsen müssen.

„Insbesondere internationale Partner müssen erst die Erfahrung machen, dass Deutschland ein verlässlicher Investitionsstandort mit einer planbaren Förderung ist“, betont Falk – verbunden mit dem Appell an die Politik, die im Koalitionsvertrag angerissene steuerliche Förderung umzusetzen. Denn dieses Instrument sei deutlich verlässlicher, weil immer nur so viele Fördermittel fließen, wie tatsächlich benötigt würden.

Bis dieses Modell aber greift, komme es darauf an, das Budget der bestehenden Förderung höher anzusetzen, als es der unmittelbare Bedarf erwarten lässt, heißt es vom Game: „Ein erneuter Förder-Stopp würde das gerade erst wieder entstehende Vertrauen sofort zerstören.“

Übersetzt: Der Sicherheitspuffer soll verhindern, dass das Fördermittelradar mit Ansage wieder in den roten Bereich dreht, wie es im Februar 2025 der Fall war.

Auch wenn seit Wiederanlauf der Förderung erst ein knappes Jahr vergangen sei, sehe man schon eine zunehmende Zahl an neuen Projekten. Falk ist überzeugt: Der Motor springt wieder an und das Potenzial des Games-Standorts Deutschland ist weiterhin riesig. Um es wirklich zu nutzen, müssen jetzt verlässliche Rahmenbedingungen kommen, mit dem kombinierten Modell aus der aktuellen und der steuerlichen Förderung.“

Mit Blick auf den Haushalt 2027 wird es für Deutschlands Games-Industrie nun darum gehen, einerseits für hinreichend Förder-Spielraum in der kommenden Saison zu sorgen – und zum anderen mehr Tempo beim Thema Steuergutschrift (‚Tax Credit‘) einzufordern.

Da trifft es sich gut, dass zur Gamescom 2026 im August sowohl ‚Games-Ministerin‘ Dorothee Bär als auch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zugesagt haben.


Games-Förderung: Die zehn größten Projekte seit 1. August 2025

Überwiegend handelt es sich um Arbeitstitel und Code-Namen. Angegeben sind die zuständigen Studios samt Standort sowie das Laufzeit-Ende.

  1. Multispace (Rockfish Games / Hamburg) – 8.000.000 € (2/31)
  2. Warhammer: Dawn of War 4 / ‚Tischplatte‘ (King Art / Bremen) – 6.536.820 € (5/26 + 4/28) *
  3. Tropico 7 (Gaming Minds / Gütersloh) – 3.234.370 € (3/26 + 10/28) **
  4. Whisper 3 (Aesir Interactive / München) – 3.098.212 € (12/27)
  5. New Tomorrow (Claymore Game Studios GmbH / Darmstadt) – 2.475.429 € (6/29)
  6. Coven (Realmforge Studios / München) – 2.335.187 € (12/27) + 375.406 € (1/26)
  7. Project 3 (Tobspr Games / München) – 2.295.101 € (9/29)
  8. Kinstrife (Finitude / Berlin) – 1.976.995 € (2/28)
  9. Projekt Genesis (Gaming Minds Studios Paderborn / NRW) –  1.735.433 € (12/27)
  10. Tropico 7 Season Pass (Gaming Minds Studios GmbH / Gütersloh / NRW) – 1.262.544 € (10/28)

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein