Start Politik Computerspielpreis 2020: Die 10 wichtigsten Neuerungen

Computerspielpreis 2020: Die 10 wichtigsten Neuerungen

Game-Geschäftsführer Felix Falk, Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Unterzeichnung der neuen Computerspielpreis-Vereinbarung (Foto: Bundesregierung / Lene Münch)
Game-Geschäftsführer Felix Falk, Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Unterzeichnung der neuen Computerspielpreis-Vereinbarung (Foto: Bundesregierung / Lene Münch)

Der Deutsche Computerspielpreis wird reformiert – schon wieder: Viele Neuerungen sollen die Akzeptanz und Relevanz der Auszeichnung erhöhen.

Der Industrieverband Game, das Bundeskanzleramt und das Verkehrsministerium haben sich auf eine neue Vereinbarung zum Deutschen Computerspielpreis 2020 verständigt. Das Dokument wurde am gestrigen Mittwoch von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Game-Geschäftsführer Felix Falk unterzeichnet.

Mit der Auszeichnung sollen herausragende Games made in Germany gewürdigt werden – als Ergänzung zur jüngst beschlossenen Computerspiele-Förderung von 50 Millionen Euro pro Jahr. Dafür steht ein Preisgeld von mindestens 590.000 Euro zur Verfügung.

Als „guten Tag für unser Land als Innovationsnation“ bezeichnet Staatsministerin Dorothee Bär das neue Vertragswerk. „Ich bin sehr froh, dass es mit der tatkräftigen Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen des Deutschen Bundestages gelungen ist, den Games-Standort Deutschland zu stärken.“

Game-Geschäftsführer Falk feiert die neue Vereinbarung als „großen Sprung nach vorne“. Mit den Neuerungen werde die Vielfalt und Qualität von Games aus Deutschland noch besser abgebildet. „Auch bei der Verleihung haben wir uns gemeinsam klare Ziele gesetzt, damit beim Deutschen Computerspielpreis die Entwicklerinnen und Entwickler zusammen mit ihren Spielen im besten Licht glänzen können“, so Falk.

Wie gehabt wird die Preisverleihung abwechselnd in München und Berlin stattfinden – am 27. April 2020 ist die bayerische Landeshauptstadt an der Reihe. Die Einreichungsphase soll noch vor Weihnachten 2019 starten – die Jurys tagen traditionell im Februar und März.

Das Dutzend ist voll: Mit "State of Mind" baut Daedalic Entertainment die Liste der DCP-Trophäen aus (Stand: 15.4.2019)
Das Dutzend ist voll: Mit „State of Mind“ baut Daedalic Entertainment die Liste der DCP-Trophäen aus (Stand: 15.4.2019)

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Am grundlegenden Prozedere des Computerspielpreises wird nicht gerüttelt. Wie bisher ist das Verfahren zweigeteilt: Vierköpfige Fach-Jurys bestimmen zunächst die Nominierten in der jeweiligen Kategorie – die Hauptjury wählt dann aus den Nominierten die finalen Preisträger. Nach dem Mimimi-Eklat 2017 wurde diese Geschäftsordnung komplett überarbeitet und präziser geregelt, so dass an dieser Stelle der geringste Korrekturbedarf bestand.

Stattdessen gibt es weitreichende Änderungen in anderen Vertragsteilen:

1. Bund zahlt komplettes Preisgeld

Seit Anbeginn des Deutschen Computerspielpreises war die Spiele-Industrie verpflichtet, die Hälfte des Preisgelds beizusteuern. Das ändert sich zur Saison 2020: „Durch die verfügbare Summe von 1,4 Millionen Euro können wir die Preisgelder ab 2020 vollständig übernehmen“, erklärt Verkehrsminister Scheuer. Mit „wir“ ist in diesem Fall der Steuerzahler gemeint, der ab sofort zu 100 Prozent für die Finanzierung von Organisation, Gala und Sieger-Schecks aufkommt. Mindestens 590.000 Euro pro Jahr entfallen auf das Preisgeld.

2. Reform der Kategorien

Die Veranstalter haben die 15 Kategorien einmal durchgekärchert. Disziplinen, die sich bewährt haben, bleiben erhalten – darunter das „Beste deutsche Spiel“, das weiterhin mit dem höchsten Preisgeld ausgestattet ist (zuletzt 110.000 Euro).

Kategorien mit Preisgeld:

  • Bestes Deutsches Spiel
  • Bestes Familienspiel (maximal USK 12) – NEU
  • Beste Innovation und Technologie (bislang: Beste Innovation)
  • Beste Spielewelt und Ästhetik (bislang: Beste Inszenierung)
  • Bestes Gamedesign
  • Bestes Serious Game
  • Bestes Mobiles Spiel
  • Bestes Expertenspiel – NEU
  • Bestes Studio – NEU
  • Nachwuchspreise (Bestes Debüt / Bester Prototyp)

Undotierte Kategorien:

  • Bestes Internationales Spiel
  • Bestes Internationales Multiplayer-Spiel
  • Spielerin / Spieler des Jahres – NEU
  • Sonderpreis der Jury
  • Publikumspreis

Folgende Kategorien entfallen:

  • Bestes Kinderspiel
  • Bestes Jugendspiel
  • Beste internationale Spielewelt
  • Nachwuchspreis Konzept

3. Neue Kategorie: Bestes Expertenspiel

Mit der erklärungsbedürftigen Vokabel „Expertenspiel“ sind Spiele für spezielle Zielgruppen und Interessensgebiete gemeint, etwa Simulationen oder komplexe Strategiespiele – gemeinhin eine deutsche Spezialität.

4. Neue Kategorie: Spielerin / Spieler des Jahres

Geld gibt es in dieser Rubrik nicht, wohl aber Ruhm: Ausgezeichnet werden zum Beispiel Letsplayer, eSportler oder ‚gewöhnliche‘ Spieler, die besondere Leistungen errungen haben, indem sie sich für das Medium Games oder ihre Community engagieren.

5. Neue Kategorie: Bestes Studio

Die neue Disziplin ehrt die Leistungen der Kreativen – Anlass kann ein aktuelles Spiel sein, optional aber auch das Lebens- oder Gesamtwerk.

6. Reform beim Nachwuchspreis

Beim Nachwuchspreis wird künftig zwischen zwei Disziplinen unterschieden:

  • Mit dem „Besten Debüt“ wird das beste kommerzielle Erstlingswerk eines Entwicklers oder Studios prämiert.
  • Für den „Besten Prototyp“ können sich auch Schüler und Studenten bewerben.

Für den „Besten Prototypen“ gibt es künftig gleich fünf statt bisher drei Preisträger: jeweils einen Sieger und vier Nominierte mit „Nominierungsgeld“

7. Bestes Deutsches Spiel: Bargeld für Platz 2 und 3

Bislang erhielt nur der Sieger in dieser Hauptkategorie einen Scheck. Das ändert sich ab 2020: Die beiden Mit-Nominierten bekommen ein „Nominierungsgeld“.

8. Einreicher müssen Begründung mitliefern

Jedes Studio darf grundsätzlich selbst entscheiden, in welchen Kategorien ein Spiel eingereicht wird – das kann auch in mehreren Disziplinen geschehen. Künftig muss allerdings eine konkrete Begründung mitgeliefert werden, worin genau zum Beispiel die Innovation besteht oder warum das Gamedesign auszeichnungswürdig ist. Dadurch soll ein „nachvollziehbarer Auswahlprozess“ erleichtert werden.

9. Spiel muss vor DCP-Verleihung erscheinen

Bislang war es okay, wenn prämierte Spiele erst in den Wochen und Monaten nach der Preisverleihung auf den Markt kommen – spätestens bis zum 30. Juni des jeweiligen Kalenderjahres. Das klappt künftig nicht mehr: Das ausgezeichnete Spiel muss am Tag der Preisverleihung auf dem Markt sein – in diesem Fall also am 27. April 2020 (Ausnahme: Nachwuchspreis). Andernfalls wird die Auszeichnung aberkannt.

10. Überarbeitung der Preis-Gala

Die Anforderungen an die Preisverleihung sind viel detaillierter festgelegt als bisher. Besonders wichtig ist den Veranstaltern, dass die „Glaubwürdigkeit bei Gamern und Games-Branche“ gewährleistet wird – eine unmittelbare Konsequenz aus der heftig kritisierten Show des Jahres 2019.

Von der Gala versprechen sich die Ausrichter ein modernes Format, das „abwechslungsreich, unterhaltsam, divers und dynamisch dem Medium Games entspricht“. Games-Kompetenz und Games-Affinität müssen bei allen Protagonisten auf der Bühne gewährleistet sein. Hintergrund: Die Laudatoren der DCP-Verleihung 2019 waren zwar überwiegend prominent, aber überwiegend ohne jede erkennbare Games-Ahnung.

Eigens für „Gamer und Teile der interessierten Öffentlichkeit“ soll es außerdem eine „unterhaltsam und glaubwürdig kommentiere Übertragung“ via Live-Stream geben. Hier spricht viel dafür, dass Letsplayer diese Aufgabe übernehmen.

Die Preisverleihung startet weiterhin mit Grußworten hochrangiger politischer Vertreter: Landes- und Bundesminister, Staatsminister, Ministerpräsident beziehungsweise Regierender Bürgermeister. Wie schon 2017 wird es sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) also nicht nehmen lassen, die Gala in München zu eröffnen.

Ausrichter, Laudatoren und Sieger des Deutschen Computerspielpreises 2019 (Foto: Franziska Krug / Getty Images for Quinke Networks)
Ausrichter, Laudatoren und Sieger des Deutschen Computerspielpreises 2019 (Foto: Franziska Krug / Getty Images for Quinke Networks)

GamesWirtschaft-Blitzanalyse: Auf dem richtigen Weg

Mit Ausnahme einer Publikumspreis-Reform werden in der neuen Vereinbarung viele Kritikpunkte beseitigt und zentrale Forderungen und Anregungen berücksichtigt. Ob das neue Regelwerk wirklich der angekündigte große Wurf ist, wird sich allerdings erst am 27. April weisen. Soll der DCP an Relevanz und Akzeptanz zulegen, müssen die Veranstalter an diesem Abend liefern. Dabei muss der Spagat gelingen, sowohl die Branche als auch die breite Öffentlichkeit plus „Gamer“ mitzunehmen – das ist in der kurzen Historie des Preises nicht allzu oft geglückt. Irgendwas war immer.

In jedem Fall wäre den Ausrichten der Mut zu wünschen, die Nachwuchs-Kategorien mit signifikant höheren Preisgeldern auszustatten: Hier haben 5.000 Euro mehr oder weniger einen viel größeren Hebel als bei etablierten Studios, explizit vor dem Hintergrund der künftigen Computerspiele-Förderung.

Weitere Hintergrund-Informationen, Analysen und Einschätzungen rund um den Deutschen Computerspielpreis 2019:


Disclaimer: GamesWirtschaft-Chefredakteurin Petra Fröhlich war Teil von Fach- und Hauptjury des Deutschen Computerspielpreises 2019.

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