Start Politik Games-Förderung: BMVI korrigiert „realitätsferne“ Vorgaben (Update)

Games-Förderung: BMVI korrigiert „realitätsferne“ Vorgaben (Update)

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) koordiniert die Einführung einer bundesweiten Games-Förderung (Foto: CSU / Valentin Brandes)
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) koordiniert die Einführung einer bundesweiten Games-Förderung (Foto: CSU / Valentin Brandes)

Rolle rückwärts im Ministerium von Andreas Scheuer: Nach Protesten nimmt das BMVI umstrittene Vorgaben mit Blick auf die Games-Förderung zurück.

Update vom 27. Februar 2020: Öffentlicher Druck wirkt: Das Verkehrsministerium hat die bisherige Haltung aufgegeben und will künftig nun doch branchenübliche Finanzierungsmodelle bei der Erteilung von Fördergeldern berücksichtigen. Dies betrifft insbesondere Publisher-Vorschüsse, Early-Access-Einkünfte, Vorbestellungen und Einnahmen aus Crowdfunding-Kampagnen, etwa via Kickstarter.

Drei Wochen nach dem ursprünglichen FAQ wurde das Dokument durch eine neue Fassung (Version 1.1) ersetzt, in der die strittigen Punkte explizit angesprochen und korrigiert werden.

Die Haltung des BMVI hatte zuvor erhebliche Unruhe in der Branche ausgelöst: So warnte Verbands-Chef Felix Falk vor einem Scheitern der Games-Förderung.

Update vom 19. Februar 2020: Mit dem Grünen-Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler schaltet sich der erste Bundestagsabgeordnete in die Debatte ein. Kindler fordert vom Verkehrsminister ein rasches Eingreifen, um gerade Startups nicht von der Games-Förderung auszuschließen.

Update vom 18. Februar 2020 (17 Uhr): Wir haben den Beitrag um eine wichtige Zusatz-Information mit Blick auf Crowdfunding-Einnahmen ergänzt.

Meldung vom 18. Februar 2020: Droht die Games-Förderung zu scheitern? Der Branchenverband hält eine eigenwillige Auslegung der Behörde von Verkehrsminister Scheuer für „realitätsfern“.

Computerspiele-Subventionen in einer Größenordnung von bis zu 250 Millionen Euro hat die Bundesregierung für den Zeitraum zwischen 2019 und 2023 eingeplant. Damit sollen Deutschlands Games-Entwickler die Chance bekommen, international mitzuspielen.

Eine Menge Steuergeld – mit zwei Haken: Erstens geht die Abwicklung und Auszahlung weiterhin so schleppend voran, dass bislang erst ein winziger Bruchteil bewilligt wurde. Und zweitens prüft die EU seit fast einem Jahr, ob die Bundesrepublik via Verkehrsministerium einfach so Schecks in Millionen-Höhe verteilen darf. Ein Vorgang, der aus Sicht des zuständigen Ministers Andreas Scheuer (CSU) eigentlich als Formsache galt.

Bislang liegt der Maximal-Zuschuss pro Studio bei 200.000 Euro – viel zu wenig für die Weltspitze.

Games-Förderung: BMVI lehnt Projekt-Finanzierung durch Publisher ab

Seit vergangener Woche gibt es nun neuen Ärger zwischen Ministerium und Branche, der das Projekt Games-Förderung akut gefährdet. Der Grund verbirgt sich in einem Dokument, das Anfang Februar vom Bundesverkehrsministerium (BMVI) veröffentlicht wurde.

 

Im Kern geht es um den sogenannten Eigenanteil. Die Antragsteller müssen einen Teil des Risikos tragen und deshalb mindestens die Hälfte der Entwicklungs-Kosten selbst schultern. Bei Startups und Klein-Unternehmen übernimmt der Staat bis zu 70 Prozent. Den Rest, also den Eigenanteil, müssen die Studios anderweitig auftreiben und nachweisen – und zwar cash, etwa in Form von Bankguthaben oder entsprechender Kreditlinien.

Nun ist es üblich, dass Publisher, also Spiele-Verlage, bei den Studios in Vorleistung gehen – analog zu einem Filmverleih, Fernsehsender oder Streaming-Dienst, der eine TV-Serie oder einen Kinofilm vorfinanziert. Bei der Filmförderung und selbst bei der Games-Förderung der Bundesländer ist diese Vorgehensweise seit Jahrzehnten geübte Praxis.

Genau dagegen sperrt sich das BMVI: Im Dokument heißt es unter Punkt 3.2.2 klipp und klar, dass solche „projektbezogenen Zuschüsse Dritter“ nicht als Eigenanteil anerkannt werden.

Um diesen Passus geht es: Das BMVI lässt bei der Games-Förderung keinen Publisher-finanzierten Eigenanteil zu (Abbildung: BMVI)
Um diesen Passus geht es: Das BMVI lässt bei der Games-Förderung keinen Publisher-finanzierten Eigenanteil zu (Abbildung: BMVI)

Denkbar wäre allenfalls, dass ein Publisher den Vor- und Zuschuss „zur freien Verfügung“ stellt. Doch solch einen Blankoscheck wird in der Praxis niemand ausstellen. Der Publisher will sich ja an der Finanzierung eines ganz bestimmten Spiels beteiligen – nicht am Studio.

Diese Haltung bringt schon jetzt Spiele-Entwickler in Nöte, die sich selbstständig gemacht und/oder im Lichte der Förderung entsprechende Vereinbarungen mit Publishern getroffen haben. Zumal sich die im April 2019 veröffentlichte Förderrichtlinie des BMVI zu solchen Details des Eigenanteils ausschweigt. In der Branche wird der Fall als neuerlicher Beleg für die unterentwickelte Erfahrung von Scheuers Behörde mit der Förderung von Projekten abseits von Autobahnabschnitten, Sendemasten und ICE-Trassen gesehen.

Game-Verband: „Games-Förderung könnte an diesem wichtigen Punkt scheitern“

Kai Bodensiek ist Rechtsanwalt bei der Berliner Kanzlei Brehm v. Moers.
Kai Bodensiek ist Rechtsanwalt bei der Berliner Kanzlei Brehm v. Moers.

„Sollte sich diese Ansicht durchsetzen und es keine einfachen Umgehungen geben, dann werden eine erhebliche Anzahl an Anträgen, bei denen Publisher in die Finanzierungen eingebunden sind, abgewiesen werden“, prophezeit Anwalt Kai Bodensiek von der Berliner Kanzlei Brehm v. Moers.

„Ich wage zu behaupten, dass das die Mehrzahl der Projekte sein werden.“ Zu Bodensieks Mandanten gehören unter anderem Publisher, Studios und YouTuber.

Auch beim Berliner Industrieverband Game ist man alarmiert: „Die Finanzierung durch einen Publisher ist in der Spiele-Entwicklung in vielen Bereichen der Regelfall. Diese finanziellen Mittel nicht als Eigenanteil zu berücksichtigen, wäre realitätsfern und wird deshalb auch in anderen Fördermodellen nicht so gehandhabt“, argumentiert Game-Geschäftsführer Felix Falk gegenüber GamesWirtschaft.

Felix Falk, Geschäftsführer Game e. V.
Felix Falk, Geschäftsführer Game e. V.

Man sei in Gesprächen mit dem Bundesverkehrsministerium, damit in diesem Punkt eine Lösung gefunden wird, die einerseits Haushaltsrecht und andererseits die Realität der Games-Entwicklung berücksichtigt.

Falk macht aber auch keinen Hehl aus dem Ernst der Lage. Sollten Scheuers Beamte auf dieser Auslegung beharren, dann „droht die Games-Förderung an diesem wichtigen Punkt zu scheitern.“

Die Folgen wären in der Tat verheerend: Unter den derzeitigen Voraussetzungen könnten gerade frisch gegründete Studios die Förderung überhaupt nicht in Anspruch nehmen – spätestens mit dem Anlaufen der Großprojektförderung droht ein Flächenbrand.

Nicht betroffen sind indes die deutschen Töchter internationaler Konzerne, die üblicherweise keine Schwierigkeiten haben werden, den geforderten Eigenanteil nachzuweisen. Sollten die Förder-Millionen tatsächlich nur über den Umweg von Beteiligungen erreicht werden können, dürfte sich die Branchen-Konsolidierung abermals beschleunigen.

Games-Förderung des Bundes: Kickstarter-Gelder werden nicht anerkannt (Update)

Update vom 18.2.2020 (17 Uhr): Die BMVI-Regelung gilt offenkundig auch für Gelder, die über Crowdfunding-Portale wie Kickstarter eingeworben werden. Das hat der deutsche Kickstarter-Ansprechpartner und Games-Week-Berlin-Veranstalter Michael Liebe auf GamesWirtschaft-Anfrage bestätigt: „Dadurch fällt Kickstarter für die BMVI geförderten Projekte flach.“

Grund: Diese Einnahmen sind aus BMVI-Sicht projektbezogen und zählen daher nicht zum Eigenanteil.

Liebe spricht von einer „vergebenen Chance“, zumal Landesförderer wie das Medienboard Berlin-Brandenburg das Kickstarter-Kapital sehr wohl akzeptieren, weil es ein Qualitätssiegel darstellt. „Dadurch steigen die Chancen für eine erfolgreiche Vermarktung nach Fertigstellung“, so Liebe.

Der Experte führt den Sonderweg des Verkehrsministeriums darauf zurück, dass die BMVI-Förderung nicht auf der Kultur- und Kreativwirtschafts-Projektförderung basiert, sondern auf Infrastruktur-Großprojekten. Für Liebe ist es unverständlich, warum dieser potenzielle Konflikt nicht schon deutlich früher aufgefallen sei.

Nach wie vor ist Kickstarter für deutsche Entwickler ein wichtiges Instrument mit Blick auf die Vorfinanzierung von Computer- und Videospielen. Prominente Beispiele sind King Art Games („Iron Harvest“), Mooneye Studios („Lost Ember“), Bildundtonfabrik („Trüberbrook“) und Megagon Industries („Lonely Mountains: Downhill“). Zuletzt hat das Hamburger Studio Rockfish Games mehr als eine halbe Million Euro für das Weltraum-Action-Spiel „Everspace 2“ eingesammelt.


GamesWirtschaft hat das BMVI um eine Stellungnahme gebeten.

1 Kommentar

  1. Die sollten auch mal an der realitaetsfernen Bearbeitungsdauer arbeiten! Ein Foerderbescheid in anderen Ministerien dauert maximal vier bis sechs Wochen! Hier dauert sie ein Jahr!!! Ich kann dem Interview mit dem Unternehmer aus dem anderen Artikel „Deutsche Games-Förderung: “Für uns ist das eine echte Katastrophe““ vollkommen beipflichten, haette glatt von mir stammen koennen. Es ist nicht Foerderlich, es ist SCHAEDLICH! WIR VERBRENNEN GELD FUER NICHTS UND WIEDER NICHTS!!!! Am Ende wird die Skizze abgelehnt, und wir warten seit Juli 2o19 auf eine Bewertung!!!! Das muss man sich mal vor Augen halten, was das an Geldern verbrennt! Nicht bei der BMVI, Eigenlob OHNE ENDE! Oh wir Armen sind ja sooo ueberfordert, aber bitte bitte wie geil sind wir, die Foerderung gilt auch fuer 2020. WAS NUTZT MIR DIE WENN MAN DEN GANZEN TAG NUR RUMSITZT UND NICHT BEGINNEN DARF!!!!!!! Vorzeitiger Massnamehmenbeginn IMMERNOCH NICHT GENEHMIGT!!!

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