Start Politik Computerspiele-Förderung: Diese Bundesländer investieren am meisten

Computerspiele-Förderung: Diese Bundesländer investieren am meisten

Ebbe im Norden: So unterschiedlich werden Computerspiele von den Bundesländern gefördert.

Welche Bundesländer lassen am meisten Geld für die Computerspiele-Entwickler springen? Die GamesWirtschaft-Analyse zeigt verblüffende regionale Unterschiede.

Ungeachtet jener 50 Millionen Euro, die der Bund jährlich verteilt (oder es zumindest versucht), sind die Bundesländer weiterhin wild entschlossen, ihrerseits den regionalen Anbau von Games zu unterstützen – nämlich in Form einer Games-Förderung.

Der Ablauf ist bundesweit weitgehend identisch: Zu vorgegebenen Terminen bewerben sich Studios um zinslose Kredite bei den staatlichen Film- und Games-Förderern. Referenten sichten und gewichten vorab die Anträge, Gremien entscheiden hinter verschlossenen Türen. Nur im schlechtesten aller Fälle – nämlich dann, wenn das Spiel floppt – dürfen die Entwickler das Geld behalten. Andernfalls müssen sie es anteilig erstatten. Im Behörden-Deutsch nennt sich das „bedingt rückzahlbare Darlehen“.

Subventionen im niedrigen zweistelligen Millionen-Bereich sind dadurch 2019 geflossen.

Was dieser Aufwand nach Abzug aller Kosten tatsächlich an nachhaltigen Jobs, Investitionen, Umsatz und Produktqualität nach sich zieht, bleibt für die Öffentlichkeit weiterhin eine riesige Blackbox. Auf Nachfrage ist noch nicht mal zu erfahren, welche Projekte überhaupt abgeschlossen wurden und in welchen Fällen Rückzahlungen erfolgten – Transparenz sieht anders aus.

 

Immerhin: In der Tendenz ist zu beobachten, dass die Spiele-Fördertöpfe eher wachsen als schrumpfen – was daran liegt, dass sich ambitionierte Regierungs-Chefs ungern nachsagen lassen, in anderen Bundesländern würde deutlich mehr für diesen ziemlich digitalen Wachstumsmarkt getan.

An den Fördersummen lässt sich sehr grundsätzlich ablesen, welchen Stellenwert das Thema Games für die jeweilige Landesregierung hat. Die GamesWirtschaft-Übersicht zeigt, wie gewaltig die Unterschiede zwischen den Bundesländern ausfallen – und das hat wenig mit der Größe oder der Wirtschaftskraft einer Region zu tun, sondern nahezu immer mit politischem Gestaltungswillen.

Weil Hessen oder Bayern zwangsläufig viel größere finanzielle Spielräume haben als etwa das Saarland oder Schleswig-Holstein, ist die nachfolgende Rangliste danach sortiert, welcher Cent-Betrag im Jahr 2019 rechnerisch pro Einwohner in die Games-Förderung geflossen ist. Soweit bekannt, sind die für 2020 eingeplanten Budgets aufgeführt (wird ggf. aktualisiert).

Computerspiele-Förderung 2019: Diese Bundesländer investieren am meisten in die Games-Entwicklung (Stand: 12.2.2020)
Computerspiele-Förderung 2019: Diese Bundesländer investieren am meisten in die Games-Entwicklung (Stand: 12.2.2020)

Games-Förderung der Länder: Die Förder-Bundesliga im Detail

1. Berlin / Brandenburg

Nirgendwo sonst in der Republik ist die Games-Branche so rührig und international wie in der Hauptstadt-Region. Startups und Konzerne profitieren gleichermaßen von üppigen Fördergeldern.

  • Bekannteste Studios: Wooga, Ubisoft Berlin, Kolibri Games, Yager, Softgames, King
  • Förderung 2019: 2,1 Millionen Euro (ca. 32 Cent pro Einwohner)
  • Etat 2020: 2 Millionen Euro (Prognose)
  • Zuständig: Medienboard Berlin-Brandenburg

2. Bayern

Durch Sondereffekte standen der CSU-Digitalministerin Judith Gerlach im vergangenen Jahr 2,5 Mio. Euro zur Verfügung. Gerlachs Vorteil: Ihr Chef Markus Söder (CSU) will mit Games und E-Sport-Events punkten – weitere Überraschungen im Rahmen des Deutschen Computerspielpreises 2020 (27.4. in München) nicht ausgeschlossen.

  • Bekannteste Studios: Travian Games, CipSoft, Upjers, HandyGames, Mimimi Games, Chimera Entertainment, Reamforge Studios
  • Förderung 2019: 2,5 Millionen Euro (inkl. Rücklagen-Auflösung, ca. 19 Cent pro Einwohner)
  • Etat 2020: 2 Millionen Euro
  • Zuständig: FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern)
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) - hier bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2018 - will die Games-Fördergelder aufstocken (Foto: DCP / Getty Images für Quinke Networks / Hannes Magerstaedt)
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) – hier bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2018 – will die Games-Fördergelder aufstocken (Foto: DCP / Getty Images für Quinke Networks / Hannes Magerstaedt)

3. Nordrhein-Westfalen

Kein anderer Ministerpräsident formuliert die selbstgesteckten Ambitionen so unmissverständlich wie der kolportierte CDU-Kanzler-Kandidat Armin Laschet: NRW soll Games-Standort Nummer 1 werden, Ende der Durchsage. 3 Millionen Euro stehen für 2020 bereit – Rekord.

  • Bekannteste Studios: Piranha Bytes, Ubisoft Düsseldorf, Egosoft, Gaming Minds
  • Förderung 2019: 2,7 Millionen Euro (ca. 15 Cent pro Einwohner)
  • Etat 2020: 3 Millionen Euro
  • Zuständig: Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen
Games-Gipfel 2019: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet traf sich mit mehr als 30 Vertretern der Games-Branche im Cologne Game Lab (Foto: Land NRW / Andrea Bowinkelmann)
Games-Gipfel 2019: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet traf sich mit mehr als 30 Vertretern der Games-Branche im Cologne Game Lab (Foto: Land NRW / Andrea Bowinkelmann)

4. Mittel-Deutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen)

In bewegten politischen Zeiten bleibt die Games-Förderung in der Mitte und im Osten des Landes eine Konstante – und weithin unterschätzt. Läuft es nach Plan, dann könnte sich der Aufwärtstrend fortsetzen: Von 2018 auf 2019 hat sich der New-Media-Topf glatt verdoppelt.

  • Bekannteste Studios: Silver Seed Games, Rat King Entertainment
  • Förderung 2019: 950.000 Euro (ca. 11 Cent pro Einwohner)
  • Etat 2020: mindestens 950.000 Euro
  • Zuständig: Mitteldeutsche Medienförderung (MDM)

5. Saarland

Das kleinste Bundesland ist durch den Strukturwandel nicht gerade auf Rosen gebettet, investiert aber trotzdem (oder gerade deswegen) 100.000 Euro in die Games-Szene. Eines der Instrumente: der Game Award Saar, der explizit den Entwickler-Nachwuchs fördert.

  • Bekannteste Studios: DigiTales, Peachy360, Supra Games
  • Förderung 2019: 100.000 Euro (ca. 10 Cent pro Einwohner)
  • Etat 2020: 100.000 Euro
  • Zuständig: Saarland Medien

6. Baden-Württemberg

Karlsruhe gehört zu den Keimzellen der deutschen Spielebranche. In Summe verkauft sich das Ländle unter Wert – doch das könnte sich 2020 ändern: Mit Games BW bekommt Baden-Württemberg erstmals eine ‚richtige‘ Games-Förderung.

  • Bekannteste Studios: Gameforge, Promotion Software, Black Forest Games, Studio Fizbin
  • Förderung 2019: 813.000 Euro (ca. 7 Cent pro Einwohner)
  • Etat 2020: 600.000 Euro
  • Zuständig: MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

7. Niedersachsen / Bremen

Der Hannoveraner Landtag unter Führung von SPD-Mann Stephan Weil legt weitere 300.000 Euro für das Jahr 2020 drauf. Aus gutem Grund: Im bundesweiten Vergleich hat die niedersächsische Spiele-Branche ganz erheblichen Nachholbedarf. Einschränkung: Bremer Studios profitieren nur dann von Nordmedia-Geldern, wenn sie (auch) in Niedersachsen entwickeln.

  • Bekannteste Studios: Nukklear, Quantum Frog, King Art Games (Bremen)
  • Förderung 2019: 550.000 Euro (ca. 6 Cent pro Einwohner)
  • Etat 2020: 700.000 Euro
  • Zuständig: Nordmedia

8. Hessen

Die schwarz-grüne Landesregierung scheitert seit 2018 zuverlässig daran, eine Serious-Games-Förderung im Pipifax-Volumen von 200.000 Euro auf die Beine zu stellen. Starttermin: weiterhin offen. Frankfurt bleibt trotzdem umsatzstärkster Games-Standort des Landes.

  • Bekannteste Studios: Crytek, Keen Games, Cloud Imperium Games, Deck 13, Limbic Entertainment
  • Förderung 2019: null Euro
  • Etat 2020: 200.000 Euro (geplant)
  • Zuständig: Hessisches Wirtschaftsministerium

9. Hamburg

Nach zehnjähriger Pause (und im Lichte der Bürgerschaftswahl) fallen der regierenden SPD völlig überraschend die Vorzüge der Prototypen-Förderung wieder ein. Pro Jahr soll ab 2020 eine halbe Million Euro fließen.

  • Bekannteste Studios: Goodgame Studios, InnoGames, Xyrality, Daedalic Entertainment, Rockfish Games, Bigpoint
  • Förderung 2019: null Euro
  • Etat 2020: 500.000 Euro
  • Zuständig: Gamecity Hamburg
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) beim Roundtable mit der Hamburger Spielebranche (Foto: Julita Rogalitzki)
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) beim Roundtable mit der Hamburger Spielebranche (Foto: Julita Rogalitzki)

10. Schleswig-Holstein

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) will sein Bundesland zum E-Sport-Mekka ausbauen. Davon profitieren Dachgeschoss-Ausbauten von Vereinsheimen, nicht aber Spiele-Entwickler.

  • Bekannteste Studios: Seal Media
  • Förderung 2019: null Euro
  • Etat 2020: null Euro
  • Zuständig: Innenministerium Schleswig-Holstein

11. Rheinland-Pfalz

Gamescom-Besuche und Experten-Runden haben bislang nicht dazu geführt, Regierungs-Chefin Malu Dreyer (SPD) von der Notwendigkeit einer Spiele-Förderung zu überzeugen. Dabei böte gerade die Hochschul-Landschaft Potenzial.

  • Bekannteste Studios: Ubisoft Mainz, Envision Entertainment, Grimbart Tales
  • Förderung 2019: null Euro
  • Etat 2020: null Euro
  • Zuständig: Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau
Polit-Prominenz auf der Gamescom 2019: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) lässt sich am Kalypso-Stand die Neuheit "Starbase Startopia" erklären (Foto: KoelnMesse / Hanne Engwald)
Polit-Prominenz auf der Gamescom 2019: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) lässt sich am Kalypso-Stand die Neuheit „Starbase Startopia“ erklären (Foto: KoelnMesse / Hanne Engwald)

12. Mecklenburg-Vorpommern

Zwischen Schwerin und Rostock gibt es nur eine Handvoll kleinerer Studios – die mangels regionaler Unterstützung zwangsläufig auf die Bundesförderung setzen müssen.

  • Bekannteste Studios: UnikatMedia
  • Förderung 2019: null Euro
  • Etat 2020: null Euro

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