Start Politik Was wurde eigentlich aus … dem Games-Standort Hessen?

Was wurde eigentlich aus … dem Games-Standort Hessen?

Bulle vor der Frankfurter Börse: Hessens Games-Industrie nimmt den Rest der Republik auf die Hörner (Foto: GamesWirtschaft)
Bulle vor der Frankfurter Börse: Hessens Games-Industrie nimmt den Rest der Republik auf die Hörner (Foto: GamesWirtschaft)

Der Games-Standort Hessen gleicht einer Großbaustelle – Computerspiele-Förderung? Kommt (bald)! Indie-Messe? Kommt (vielleicht)! 

Sony Interactive, Crytek, Nintendo, Bandai Namco, Deck 13, Bethesda, Cloud Imperium Games, Keen Games, Konami – nirgendwo sonst in Deutschland wird so viel Videospiel-Umsatz auf weniger Quadratkilometern erwirtschaftet wie im Großraum Frankfurt. Alleine die beiden Konsolen-Hersteller tragen fast eine Milliarde Euro zum deutschen 4,4-Milliarden-Markt bei.

Die erquickliche Lage hat überwiegend historische Gründe. Denn der Games-Standort Hessen prosperiert nicht wegen, sondern trotz der hessischen Landespolitik. Entwickler in Kassel, Marburg, Hanau, Darmstadt oder Limburg können zum Beispiel bis zum heutigen Tage keine dezidierten Games-Fördergelder abrufen, während wenige Kilometer weiter in NRW und Bayern jeweils 2 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die politischen Rahmenbedingungen für den eSport müssen als geradezu toxisch beschrieben werden.

Linderung versprach die schwarz-grüne Landesregierung bereits im April 2018, also vor fast eineinhalb Jahren: Mit immerhin 200.000 Euro sollte die Produktion von Lehr- und Lernspielen („Serious Games“) gefördert werden. Der Haken: Bislang wurde noch kein einziger Cent ausbezahlt. Die Richtlinie sei zunächst „mit Vertretern der Computerspielbranche konzipiert“ worden, wie es auf GamesWirtschaft-Anfrage aus dem Wiesbadener Wirtschaftsministerium heißt. Derzeit würden auch noch Industrie- und Handelskammern angehört – so will es das Gesetz. Konkret: das hessische Mittelstandsgesetz.

Erst wenn die Richtlinie in Kraft tritt, können Mittel abgerufen werden. Wann genau – noch offen. Sollten die Mittel nicht ausreichen, will das Ministerium eine Erhöhung des Etats vorschlagen. Genau das ist auch im Koalitionsvertrag vereinbart, der kurz vor Weihnachten 2018 unterschrieben wurde.

Zusammen mit den Ingame-Käufen sind Online- und Abo-Dienste wie Xbox Live Gold der Wachstumstreiber der deutschen Spiele-Branche (Stand: 21. Mai 2019)
Zusammen mit den Ingame-Käufen sind Online- und Abo-Dienste wie Xbox Live Gold der Wachstumstreiber der deutschen Spiele-Branche (Stand: 21. Mai 2019)

Ebenfalls im schwarz-grünen Regierungsprogramm angedacht: eine „Messe für Indie-Computergames“. Derzeit prüft Hessens Wirtschaftsministerium gemeinsam mit Branche und Veranstaltern, ob es einen konkreten Bedarf gibt und wie eine solche Messe aussehen könnte – und wie sich die Veranstaltung in den Branchenkalender einfügen würde. Überregional am bekanntesten sind die German Dev Days, die seit vier Jahren stets im Mai in Frankfurt stattfinden.


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Für die Games-Branche in Hessen formal zuständig ist das Wirtschaftsministerium unter Leitung von Minister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90 / Die Grünen). In der Staatskanzlei von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist außerdem seit Januar 2019 ein Digitalministerium angesiedelt, das von der parteilosen Professorin Kristina Sinemus geleitet wird. Anders als in Bayern liegen die Schwerpunkte ihres Ressorts im Bereich Mobilfunk und Breitbandausbau.

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