Start Wirtschaft Nach Yager und Kolibri: Wer ist eigentlich noch „Indie“?

Nach Yager und Kolibri: Wer ist eigentlich noch „Indie“?

Auch nach dem Tencent-Einstieg eines der größten
Auch nach dem Tencent-Einstieg eines der größten "Indies" in Deutschland: das Berliner Studio Yager (Foto: PR)

Deutschlands Entwickler-Landschaft wird flurbereinigt: Immer mehr Indie-Studios schlüpfen unter das Dach internationaler Konzerne.

Die Zahl der unabhängigen Games-Entwickler in Deutschland schrumpft: Mehr als die Hälfte der 20 größten Spiele-Entwickler des Landes werden bereits von internationalen Mutterkonzernen und Mehrheits-Aktionären gesteuert – mit Sitz in Stockholm, Shanghai, Paris, Valetta oder Tel-Aviv. Blickt man auf die zehn größten Games-Arbeitgeber, so gibt es nur noch drei Firmen, bei denen alle Fäden im deutschen Hauptquartier zusammenlaufen: Gameforge, Crytek und Travian Games.

Das zeigt eine aktuelle GamesWirtschaft-Auswertung der größten Spiele-Entwickler und -Publisher in Deutschland.

Als „Indie“ gilt nach unserer Rechnung, wenn ein Unternehmen inhabergeführt ist und sich mehrheitlich in Privatbesitz befindet – wenn also nationale oder internationale Mütter oder Venture-Capital-Unternehmen allenfalls Minderheitsanteile halten. Das ist beim Hamburger Studio Daedalic Entertainment zum Beispiel nicht der Fall: Dort ist die Kölner Bastei-Lübbe AG mit 51 Prozent beteiligt, Stand heute. Das Berliner Studio Yager hingegen gehört weiterhin den Gründern, trotz Tencent-Einstieg.

Top 20 Indies 2020: Die größten Games-Entwickler in Privatbesitz (Stand: 11.2.2020)
Top 20 Indies 2020: Die größten Games-Entwickler in Privatbesitz (Stand: 11.2.2020)

Natürlich haben Unternehmen wie Gameforge, Crytek, Kalypso oder Upjers längst den Status eines klassischen Indies hinter sich gelassen. Denn nach landläufiger Definition handelt es sich bei Indies um kleine, meist junge Studios, die aus wenigen Mitarbeitern bestehen – etwa Hochschul-Ausgründungen oder Startups.

Der Übergang zum etablierten Studio mit herkömmlichen Unternehmens-Strukturen erfolgt dann meist fließend. Beispiel: Noch vor fünf Jahren schraubten fünf Studenten in ihrer Karlsruher WG an einem Mobilegame – Anfang Februar verkauften sie das mittlerweile in Berlin ansässige Studio Kolibri Games an Ubisoft. Zu diesem Zeitpunkt erwirtschafteten die 110 Mitarbeiter mit zwei Spielen sechsstellige Umsätze – pro Tag.

Gerade im Mobile- und Online-Games-Segment fungiert der Entwickler gleichzeitig auch als Publisher, weil die (Selbst-)Vermarktung oft in Eigenregie geschieht. Einen klassischen Publisher benötigen Spiele-Studios entweder zur (Vor-)Finanzierung von Games oder aber dann, wenn der Vertrieb im Einzelhandel vorgesehen ist.

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