Start Wirtschaft Tencent steigt bei Berliner Studio Yager ein

Tencent steigt bei Berliner Studio Yager ein

Zwei der fünf Yager-Gründer: Timo Ullmann und Philipp Schellbach (Foto: Yager)
Zwei der fünf Yager-Gründer: Timo Ullmann und Philipp Schellbach (Foto: Yager)

Der chinesische Games-Weltmarktführer Tencent beteiligt sich am Berliner Studio Yager („Spec Ops: The Line“, „The Cycle“).

Erst kurz vor Weihnachten 2019 hatte Tencent angekündigt, mehr als zehn Milliarden Dollar in Europa investieren zu wollen – auch, um deutsche Kunden für die Cloud-Infrastruktur der Chinesen zu gewinnen. Ein Fokus: Games. Schon jetzt ist Tencent durch „League of Legends“, „PUBG Mobile“, „Arena of Valor“ oder „Fortnite“ der global bedeutendste Anbieter von Online- und Mobilegames.

Am Kapital dürfte die Expansion nicht scheitern: Tencent gilt als eines der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt – neben Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet (Google). Die Tencent-Europa-Zentrale hat ihren Sitz in Frankfurt.

Heute wurde bekannt, dass Tencent eine strategische Minderheitsbeteiligung beim Berliner Games-Entwickler Yager erworben hat. Der Spiele-Hersteller existiert seit über 20 Jahren und gehört zu den wenigen inhabergeführten Groß-Studios im Land. Bekannt wurde Yager mit dem Antikriegs-Ego-Shooter „Spec Ops: The Line“ und dem Weltraum-Action-Spiel „Dreadnought“.

 

Minderheitsbeteiligung bedeutet: ein Anteil zwischen 1 und 49 Prozent. Welche Größenordnung das Tencent-Investment konkret hat, dazu wollen und dürfen die Beteiligten auch auf Nachfrage keine Angaben machen. Es spricht indes viel dafür, dass die Beteiligung deutlich oberhalb von ten cent liegt.

Das Geld soll dazu dienen, die Entwicklungs- und Publishing-Aktivitäten für das Yager-PC-Online-Spiel „The Cycle“ und künftige Projekte auszubauen. Das Free2Play-Spiel „The Cycle“ wird exklusiv über den Epic Game Store von Epic Games („Fortnite“) vertrieben – einem Unternehmen, an dem Tencent knapp die Hälfte hält. Daneben arbeitet Yager an einem noch nicht angekündigten Projekt, das erstmals auch für mobile Plattformen – also Smartphones und Tablets – erscheinen soll. Für „The Cycle“ sieht Yager großes Potenzial sowohl auf Konsolen als auch im Mobile-Bereich.

Der Yager-Shooter "The Cycle" ist der jüngste Neuzugang im Epic Games Store (Abbildung: Yager)
Der Yager-Shooter „The Cycle“ ist der jüngste Neuzugang im Epic Games Store (Abbildung: Yager)

Ungeachtet der Tencent-Beteiligung soll Yager weiterhin unabhängig wirtschaften und Spiele entwickeln. Die fünf Gesellschafter, die das Unternehmen 1999 gegründet haben, bleiben dem Studio erhalten – ebenso wie die komplette Belegschaft mit derzeit 110 Mitarbeitern.

„Tencent ist nicht nur das weltweit führende Spiele-Unternehmen, sondern auch ein Investor mit einer herausragenden Erfolgsbilanz“, kommentiert Yager-Geschäftsführer Timo Ullmann. „Wir fühlen uns geehrt, Teil des Tencent-Netzwerks zu werden, das sich wie ein Who’s Who der Spiele-Industrie liest.“

Zwei der fünf Yager-Gründer: Timo Ullmann und Philipp Schellbach (Foto: Yager)
Zwei der fünf Yager-Gründer: Timo Ullmann und Philipp Schellbach (Foto: Yager)

Der Internet-Riese Tencent ist Games-Weltmarktführer und kontrolliert unter anderem Riot Games („League of Legends“) und Supercell („Clash of Clans“). Bei Activision Blizzard („Call of Duty“), Epic Games („Fortnite“), Frontier Developments („Planet Zoo“), Paradox („Cities Skylines“) und Ubisoft („Assassin’s Creed“) sind die Chinesen Großaktionär. Ende Januar kündigte Tencent außerdem an, 150 Millionen Dollar (ca. 137 Millionen Euro) für den norwegischen Online-Games-Entwickler Funcom („Conan Exiles“) ausgeben zu wollen.


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Gegenüber GamesWirtschaft erläutert Ullmann, warum man überhaupt einen Investor an Bord holt: „Wir haben uns in unserer mittlerweile 21jährigen Geschichte immer mal wieder mit der Frage befasst, wie wir uns als unabhängiges Entwicklungsstudio besser aufstellen können“, so Ullmann. Das Management sei vor der Frage standen, wie sich kreative Freiheiten mit strategischen Zielen vereinbaren ließe. „Wir wollten in der Lage sein, unsere Spiele nicht nur zu konzipieren und entwickeln, sondern auch zu vermarkten und auszuwerten. Die Wertschöpfung sollte dabei dem Studio zugute kommen und damit die Basis schaffen für die weitere Entwicklung von Yager.“

In Berlin beschäftigt die Yager Development GmbH rund 110 Mitarbeiter (Foto: Yager)
In Berlin beschäftigt die Yager Development GmbH rund 110 Mitarbeiter (Foto: Yager)

Dass die Wahl auf Tencent gefallen, erklärt Ullmann damit, dass Yager seit einigen Jahren Spiele als Games-as-a-Service in Verbindung mit einem Free2Play-Geschäftsmodell entwickelt. Dieser Ansatz habe neue Herausforderungen mit sich gebracht: „Deshalb haben wir uns letztlich auf die Suche nach einem strategischen Investor gemacht, der unsere Vision teilt und neben finanziellen Ressourcen auch über große Erfahrung in eben diesem Bereich verfügt.“ Gerade mit Blick auf die mobilen Märkte würden sich durch Tencent neue Türen und Märkte öffnen.

Auf die Frage, ob die Gründer und Gesellschafter grundsätzlich bereit wären, mittel- und langfristig die Mehrheit an ihrem Unternehmen abzugeben, antwortet Ullmann: „Yager feierte letztes Jahr seinen 20. Geburtstag. Die Gründer sind nach wie vor an Bord – mit großem Spaß an der Sache. Wir haben uns immer wieder neue Ziele gesetzt und freuen uns auf neue Aufgaben. Gerade jetzt, da wir mit ‚The Cycle‘ das erste Mal ein eigenfinanziertes Spiel auch selbst vermarkten, ergeben sich für uns wieder ganz neue Freiheiten und Herausforderungen. Das fühlt sich großartig an und wir haben noch lange nicht genug.“


Einen Blick hinter die Kulissen von Yager vermittelt die GamesWirtschaft-Studiotour.

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