Start Wirtschaft „Nicht zukunftsfähig“: Bastei Lübbe korrigiert Daedalic-Beteiligung

„Nicht zukunftsfähig“: Bastei Lübbe korrigiert Daedalic-Beteiligung

Die Bastei Lübbe AG hält 51 Prozent am Hamburger Publisher Daedalic Entertainment.
Die Bastei Lübbe AG hält 51 Prozent am Hamburger Publisher Daedalic Entertainment.

Mit einer Wertminderung in zweistelliger Millionen-Höhe reagiert der Kölner Verlags-Konzern Bastei Lübbe auf rückläufige Umsätze bei der Games-Tochter Daedalic Entertainment.

„Das Geschäftsmodell unserer 51-prozentigen Finanzbeteiligung erweist sich als nicht zukunftsfähig.“

Zu diesem Befund kommt Carl Halff, Vorstands-Chef der Kölner Bastei Lübbe AG – und meint damit den Hamburger Publisher Daedalic Entertainment, an dem der börsennotierte Verlag die Mehrheit hält.

Daedalic Entertainment beschäftigt derzeit 90 Mitarbeiter an den Standorten Hamburg und München und gilt als einer der renommiertesten deutschen Spiele-Entwickler. Für Spiele wie „Edna bricht aus“, die „Deponia“-Serie, „Shadow Tactics“ oder „The Long Journey Home“ wurde der Publisher in den vergangenen zwölf Jahren mit Dutzenden Preisen ausgezeichnet.

Am späten Donnerstagabend – lange nach Börsenschluss – verschickte Bastei Lübbe deshalb eine Adhoc-Meldung: Demnach ist eine Wertberichtigung auf Daedalic und dessen Spiele-Portfolio in Höhe von 12 bis 14 Millionen Euro unumgänglich – davon entfallen 5 Millionen Euro auf den Firmenwert.

Aufgrund der „schwachen Geschäftsentwicklung im Segment Games“ ist zudem die Jahresprognose der Bastei Lübbe AG nicht mehr zu halten. Das Konzern-EBIT für das laufende Geschäftsjahr wird tiefrot ausfallen: Lübbe rechnet mit einem Minus zwischen 6,7 Mio. und 10,5 Mio. Euro. Ursprünglich hatte der Konzern mit einem Überschuss von 3,5 Mio. bis 5,3 Mio. Euro gerechnet – bei einem Umsatz jenseits von 85 Mio. Euro. Die genauen Zahlen will das Unternehmen am 13. Februar – also in einer Woche – bekannt geben.

Zur Begründung werden ein unbefriedigendes drittes Quartal (also der Zeitraum von Oktober bis Dezember 2019) und hohe Investitionen in eine Daedalic-Eigenentwicklung angegeben, die vom Markt nicht angenommen wurde. Damit ist mutmaßlich das mit großen Erwartungen gestartete Echtzeit-Strategiespiel „A Year of Rain“ gemeint: Daedalic hatte in dieser Woche angekündigt, dass das Spiel nicht weiterentwickelt werde.

Gemeinsam mit dem Minderheitsgesellschafter will der Lübbe-Vorstand nun „Optionen zur Restrukturierung und Neuausrichtung des Geschäftsmodells“ prüfen. Aufgrund der Geschäftsentwicklung sei die finanzielle Situation bei Daedalic „belastet“ – das zur Verfügung stehende Fremdkapital für weitere Investitionen ist demnach „nahezu ausgeschöpft“. Übersetzt: Daedalic braucht dringend frisches Geld.

Das Dutzend ist voll: Mit "State of Mind" baut Daedalic Entertainment die Liste der DCP-Trophäen aus (Stand: 15.4.2019)
Das Dutzend ist voll: Mit „State of Mind“ baut Daedalic Entertainment die Liste der DCP-Trophäen aus (Stand: 15.4.2019)

Dies ist insbesondere deshalb problematisch, weil Daedalic an der kapitalintensiven Umsetzung von „The Lord of the Rings: Gollum“ arbeitet, basierend auf Tolkiens Fantasy-Welterfolg. Daedalic-Chef Carsten Fichtelmann hatte die begehrte Lizenz im vergangenen Jahr erworben. Das internationale Medien-Echo hatte unter anderem dafür gesorgt, dass Bastei Lübbe die ursprünglichen Verkaufs-Pläne für Daedalic Entertainment auf Eis legte. Die Veröffentlichung des PC- und Konsolen-Titels ist für das Jahr 2021 geplant – zuvor fallen allerdings Entwicklungs- und Marketing-Kosten in Millionen-Höhe an.

Der Kölner Konzern legt Wert auf die Feststellung, dass die drastische Wertminderung keinen Effekt auf das operative Kerngeschäft und die Liquidität der Aktiengesellschaft hat. Bastei Lübbe hat selbst eine schmerzhafte Restrukturierung hinter sich und befand sich in den vergangenen Monaten auf dem Weg der Genesung, was sich auch in stramm steigenden Aktien-Kursen wiederspiegelte. Mit der Entwicklung des Kerngeschäfts – Bücher, Hörbücher, Romanhefte – ist Lübbe-Vorstand Halff weiterhin „sehr zufrieden“. Zu seinen Klienten gehören Bestseller-Autoren wie Ken Follett, Andreas Eschbach und Dan Brown.

Pikant: Erst Ende Januar musste Bastei Lübbe einräumen, dass der Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2017/18 eine Reihe von Fehlern enthält und gegen internationale Vorschriften verstößt. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) die unterstellten Prognosen und Wert-Ansätze für Daedalic bemängelt. Aus Sicht der Prüfer sei kein Nachweis für die „Werthaltigkeit des Geschäfts- oder Firmenwerts“ erbracht worden.

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