Start Wirtschaft Corona-Serie: „März und April waren die besten Monate, die wir jemals hatten“

Corona-Serie: „März und April waren die besten Monate, die wir jemals hatten“

Die beiden Geschäftsführer von Daedalic Entertainment: COO Stephan Harms und CEO Carsten Fichtelmann (Foto: Daedalic)
Die beiden Geschäftsführer von Daedalic Entertainment: COO Stephan Harms und CEO Carsten Fichtelmann (Foto: Daedalic)

Teil 1 der großen Corona-Lockdown-Serie: Wie hat sich das Geschäft deutscher Spiele-Entwickler seit März entwickelt?

Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern gab es in Deutschland allenfalls die „Light-Version“ eines Lockdowns – dennoch bestand das Leben auch hierzulande in erster Linie aus Home-Office, Home-Schooling und Home-Shopping.

Vielfach hält dieser Zustand weiterhin an: Die wenigsten Games-Unternehmen wollen vor Jahresende zum Büro-Betrieb zurückkehren – einige Firmen haben sich fast komplett von diesem Modell verabschiedet.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und Quarantäne-Auflagen haben der Games-Industrie einen beispiellosen Boom beschert. Doch gilt das auch für deutsche Spiele-Entwickler und -Publisher? Bei GamesWirtschaft geben Studios Einblick in die Bücher.

Dieser Beitrag ist Teil einer fünfteiligen Serie:

Dieser Artikel wird laufend um weitere Einschätzungen erweitert.


Corona-Lockdown: „März und April waren die besten Monate, die wir jemals hatten“

Unsere Frage: Wie hat sich das Geschäft – Spielerzahlen, Verläufe, Umsatz – ganz grundsätzlich seit März entwickelt?

Carsten Fichtelmann, Daedalic Entertainment
Carsten Fichtelmann, Daedalic Entertainment

Carsten Fichtelmann, Geschäftsführer von Daedalic Entertainment („Lord of the Rings: Gollum“) in Hamburg

Zu Beginn des Lockdowns merklich mehr – vielleicht plus 20 Prozent im Maximum. Effekt nach zwei Wochen verpufft, dann Absinken. Aber wir hatten bei Steam im April und Juni Rekorde zu verzeichnen, weil unser Katalog durch einen Publisher Sale im April und einen Summer Sale im Juni sehr gut gelaufen ist. Auch auf anderen Plattformen wie im Nintendo eShop lief es sehr gut.

März und April sind bis dato die besten Monate, die wir dort jemals hatten, gefolgt von dem dritt- bis fünfbesten Monat zwischen Mai und Juli bei Nintendo. Das liegt aber auch vor allem daran, dass wir mit einem inzwischen großen Switch-Katalog erstmalig in größere Rabatte gegangen sind.


Jan Theysen, King Art Games
Jan Theysen, King Art Games

Jan Theysen, Geschäftsführer von King Art Games („Iron Harvest“) in Bremen

Wir haben seit Beginn des Covid-19-Lockdown noch kein Spiel veröffentlicht.

Bei „Zoo 2: Animal Park“, für das wir zusammen mit unseren Freunden von Upjers das Live-Team stellen, haben sich die Zahlen schneller positiv entwickelt als zuvor schon.


Frederik Hammes, Travian Games
Frederik Hammes, Travian Games

Frederik Hammes, Geschäftsführer von Travian Games („Arkheim – Realms at War“) in München

Die Nutzungszahlen unserer Spiele haben sich unterschiedlich entwickelt – nicht alle Zielgruppen scheinen gleich auf die Krise reagiert zu haben. In der Summe gingen die Zahlen aber seit März 2020 für fünf Monate ganz klar nach oben.

Mit dem Einsetzen des Hochsommers sehen wir in den letzten Wochen aber wieder einen leichten Rückgang.


Johannes Roth, Mimimi Games
Johannes Roth, Mimimi Games

Johannes Roth, Geschäftsführer von Mimimi Games („Desperados 3“) in München

Durch den Release von „Desperados 3“ hat sich unser Umsatz natürlich deutlich erhöht. Außerdem verkauft sich auch „Shadow Tactics“ weiterhin sehr gut und beweist, wie stark sich Qualität auch nach Jahren des Releases durchsetzt.

Im Juni hat das Spiel all unsere eigenen Rekorde gebrochen: Wir hatten den stärksten Tag, sowohl nach Einheiten als auch nach Umsatz gemessen. Einen speziellen Einfluss durch Corona haben wir nicht wahrgenommen.


Klaus Schmitt, Upjers
Klaus Schmitt, Upjers

Klaus Schmitt, Geschäftsführer von Upjers („Zoo 2: Animal Park“) in Bamberg

Im April hatten wir ca. 30 Prozent mehr Spieler und Umsatz.

Die Steigerung ist seitdem aber rückläufig, im Juli waren es noch ca. 15 Prozent.

 


Anika Thun, Kalypso Media
Anika Thun, Kalypso Media

Anika Thun, International Marketing Director bei Kalypso Media („Railway Empire“) in Worms

Im Allgemeinen hat sich unser Geschäft definitiv nicht verschlechtert. Vor allem die globalen digitalen Verkäufe sowohl auf PC als auch auf Konsole sind im März und April deutlich gestiegen, während natürlich die Retail-Verkäufe durch die Corona-Schließungen massiv eingebrochen sind.

Da wir bei Kalypso in diesem Zeitraum keinen größeren neuen Release hatten, können wir nur bedingt bestätigen, dass die Corona-Epidemie einen nur positiven Einfluss auf die Absatzzahlen gehabt hätte.


Konstantin Kronfelder, Boxelware
Konstantin Kronfelder, Boxelware

Konstantin Kronfelder, Gründer von Boxelware („Avorion“) in Erlangen

Das Geschäft hat sich positiv entwickelt, aber das liegt definitiv auch am 1.0-Release.

Wir vermuten aber, dass die Corontäne letztlich doch geholfen hat, da mehr Menschen zuhause waren und Spiele gekauft und gespielt haben.


Maike Steinweller, Wooga
Maike Steinweller, Wooga

Maike Steinweller, Head of Communications bei Wooga („June’s Journey“) in Berlin

Konkrete Geschäftszahlen können wir nicht teilen, doch die Tatsache, dass vor allem während der Lockdown-Phase viele Menschen Mobilegames für sich entdeckt haben, hat der Branche und auch uns bei Wooga großes Wachstum beschert.

Wir als Firma konnten außerdem unsere Produktionsabläufe zügig darauf einstellen, dass alle Mitarbeiter von zu Hause arbeiten.


Gameforge, Karlsruhe
Gameforge, Karlsruhe

Tomislav Perkovic, Chief Product Officer bei Gameforge („Kingdom Under Fire 2“) in Karlsruhe

Wie bei den meisten Anbietern von lang laufenden Online-Spielen hat sich unser Geschäft seit März positiv entwickelt – das gilt sowohl für den Umsatz als auch für die Spielerzahlen.

Wir profitieren hier von einem allgemeinen Trend, sehen das aber auch als Bestätigung unserer langfristigen Produktstrategie – es war und ist immer unser Ziel, Spieler langfristig zu binden und immer wieder neu zu begeistern.


Benjamin Zuckerer, CipSoft
Benjamin Zuckerer, CipSoft

Benjamin Zuckerer, Geschäftsführer von CipSoft („Tibia“) in Regensburg

Mit den ersten Lockdowns haben sich die Spielerzahlen in den entsprechenden Ländern deutlich erhöht. Hierbei sind insbesondere viele alte Spieler zu „Tibia“ zurückgekehrt.

Auch die Spielaktivität hat deutlich zugenommen, so dass auch die Umsätze entsprechend gestiegen sind.


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