Start Allgemein Computerspielpreis 2020: Verkehrsministerium bleibt federführend

Computerspielpreis 2020: Verkehrsministerium bleibt federführend

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, rechts) bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreis 2019 mit Ina Müller und Preisträger Philipp Stollenmeyer (Foto: Isa Foltin / Getty Images for Quinke Networks)Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, rechts) bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreis 2019 mit Ina Müller und Preisträger Philipp Stollenmeyer (Foto: Isa Foltin / Getty Images for Quinke Networks)
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, rechts) bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreis 2019 mit Ina Müller und Preisträger Philipp Stollenmeyer (Foto: Isa Foltin / Getty Images for Quinke Networks)

Die Zuständigkeit für den Deutschen Computerspielpreis 2020 liegt weiterhin bei Verkehrsminister Andreas Scheuer. Das hat die Bundesregierung bestätigt.

Wieviel Geld lässt sich die Bundesregierung den Deutschen Computerspielpreis (DCP) kosten? Warum pendelt die Preisverleihung ausgerechnet zwischen Berlin und München? Warum ist die Zahl der Einreichungen drastisch zurückgegangen? Warum sitzen in der Jury eigentlich nur Abgeordnete der Regierungskoalition, aber niemand von der Opposition? Und vor allem: Welches Ministerium ist künftig für die Organisation und Abwicklung zuständig?

Diese und viele weitere Fragen finden sich in einer Anfrage an die Bundesregierung (Drucksache 19/11741), die im Juli von der FDP-Bundestagsfraktion eingebracht wurde. Mittlerweile liegen die Antworten vor – und die fallen überwiegend ausweichend und/oder erwartbar aus. So habe sich der jährliche Standortwechsel der Gala „bewährt“ – nachdem sich 2008 drei Städte um die Ausrichtung beworben hatten, seien Berlin und München nun mal als – so wörtlich – „Kompromiss“ übriggeblieben.

Ebenfalls bereits bekannt: Das Preisgeld von 590.000 Euro stammt jeweils zur Hälfte vom Bund und aus der Wirtschaft, sprich: von den Mitgliedern des Branchenverbands Game. An der Finanzierung der rumpeligen 2019-Gala hat sich das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Spiele-Industrie beteiligt. In Summe hat die Bundesregierung zuletzt Steuergelder in Höhe von 400.000 Euro für den Deutschen Computerspielpreis 2019 eingesetzt.

Eine Überraschung ist in der Antwort auf die FDP-Anfrage allerdings enthalten: Denn ursprünglich war vorgesehen, dass im kommenden Jahr das Presse- und Informationsamt unter Leitung von Regierungssprecher Steffen Seibert die Ausrichtung der Gala übernimmt. Nun wurde entschieden, dass die Organisation und Verleihung weiterhin vom Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) gestemmt wird. Begründet wird diese Entscheidung mit der „Sachnähe und der inhaltlichen Verbindung zur Computerspieleförderung“. Um just jene Förderung war zuletzt ein Disput ausgebrochen, denn der zuständige Minister Andreas Scheuer (CSU) hatte darauf verzichtet, die 2019 erstmals vorgesehenen Förder-Millionen auch im Bundeshaushalt 2020 einzuplanen.

Heiter weiter: Auch der Computerspielpreis 2020 wird vom Verkehrsministerium organisiert (Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage)
Heiter weiter: Auch der Computerspielpreis 2020 wird vom Verkehrsministerium organisiert (Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage)

Sowohl innerhalb der Branche als auch im politischen Berlin hatte der Vorgang für erhebliche Verärgerung und Verunsicherung gesorgt. Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) sah sich veranlasst, ihrem Parteikollegen einen wütenden Brief zukommen zu lassen, inklusive Durchschlag an die Fraktions-Chefs von CDU (Brinkhaus) und CSU (Dobrindt). Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) will die Hoffnung auf eine Last-Minute-Rettung im Zuge der Haushaltsberatungen noch nicht begraben.

Das BMVI als Heimat des Computerspielpreises gilt als umstritten: Die Oppositionsparteien im Bundestag und der Deutsche Kulturrat hatten sich zuletzt mit Nachdruck dafür ausgesprochen, dass auch der DCP von Kultur-Staatsministerin Monika Grütters (CDU) verliehen wird. Eifrigster Befürworter für einen Ressort-Wechsel ist Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann, der auf Bitten der Ausrichter zum zweiten Mal den DCP-Jury-Vorsitz übernommen hat – sein Wort hat also Gewicht. Zimmermann hatte schon im Vorfeld auf das „Image- und Reichweitenproblem“ des DCP hingewiesen und im Nachgang insbesondere die Moderation von Gastgeberin Ina Müller scharf kritisiert, ebenso wie andere Beobachter.

Derzeit laufen Verhandlungen mit Blick auf eine Vertragsverlängerung, mögliche Änderungen am Konzept und die künftige finanzielle Ausstattung des Preises. Hohe Priorität hat für den Branchenverband, dass der Staat künftig komplett für die Preisgelder aufkommt – so, wie es bei allen anderen Kulturpreisen der Regierung der Fall ist, angefangen vom Deutschen Filmpreis über den Theaterpreis bis hin zum Kinoprogrammpreis.

Die Zeit drängt, denn die aktuelle DCP-Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Industrieverband Game endet bereits am 31. Oktober 2019, also in wenigen Wochen. Parallel müssen die logistischen Vorbereitungen für den Deutschen Computerspielpreis 2020 starten. Die Verleihung ist für April 2020 geplant, dann wieder in München.

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