Start Politik Computerspiele-Förderung: Gerlach warnt Scheuer vor „politischem Desaster“

Computerspiele-Förderung: Gerlach warnt Scheuer vor „politischem Desaster“

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) warnt Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor dem Vertrauensverlust, der durch den Ausstieg aus der Computerspiele-Förderung entstehen könnte (Foto: StMD / Jörg Koch)
Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) warnt Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor dem Vertrauensverlust, der durch den Ausstieg aus der Computerspiele-Förderung entstehen könnte (Foto: StMD / Jörg Koch)

Digitalministerin Judith Gerlach erwartet von Verkehrsminister Andreas Scheuer, dass er sich „mit allen verfügbaren Mitteln“ für den Erhalt der Computerspiele-Förderung einsetzt.

Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) hat in einem Brandbrief an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf die drohenden Kollateralschäden hingewiesen, sollte die Computerspiele-Förderung auf Bundesebene nach nur einem Jahr wieder gestrichen werden. Ein gleichlautendes Schreiben hat Gerlach an CSU-Fraktions-Chef Alexander Dobrindt und an Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU-/CSU-Fraktion im Bundestag, geschickt.

Hintergrund: Nachdem für 2019 erstmals 50 Millionen Euro im Etat des Verkehrsministeriums (BMVI) eingeplant wurden, sieht der vom Kabinett abgesegnete Haushaltsplan für 2020 keine Mittel für die Games-Förderung vor. Die Meldung hatte in der deutschen Entwickler-Landschaft für erhebliche Verunsicherung gesorgt – Gerlach spricht wörtlich davon, dass die Nachricht die Unternehmen „wie ein Schock“ getroffen habe. Gerade bei bayerischen Studios seien bereits zahlreiche Projekte in Vorbereitung, die zur Förderung eingereicht werden sollen. Seit zehn Jahren fördert der Freistaat Bayern die Startups und Mittelständler via FilmFernsehFonds Bayern – dank EU-Notifizierung sind mittlerweile auch Darlehen von bis zu 500.000 Euro möglich.

In dem Schreiben, das GamesWirtschaft exklusiv vorliegt, bezeichnet Gerlach die Games-Branche als eine der „digitalen Vorzeigebranchen“, die Treiber für neue Geschäftsmodelle sei und auf andere Industrien abstrahle, etwa die Automobilbranche. Die CSU-Ministerin verweist unter anderem darauf, dass Unreal-Engine-Entwickler Epic Games vor wenigen Tagen ein Trainings-Center in München eröffnet habe, das mit den lokalen Industrie-Unternehmen zusammenarbeiten will.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) koordiniert die Einführung einer bundesweiten Games-Förderung (Foto: CSU / Valentin Brandes)
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) koordiniert die Einführung einer bundesweiten Games-Förderung (Foto: CSU / Valentin Brandes)

Die 2018 angekündigte und mit jährlich 50 Millionen Euro ausgestattete Bundesförderung war aus Gerlachs Sicht daher ein „notwendiger und überfälliger Schritt“, um Deutschland als Standort der Gamesindustrie im internationalen Wettbewerb wettbewerbsfähiger zu machen. „Wir wissen, dass Deutschland im internationalen Standortwettbewerb, der durch ein hohes Subventionsniveau geprägt ist, sonst nicht mithalten kann und der größte Teil der Umsätze der Games-Branche in Deutschland an ausländische Unternehmen fließt.“ Die Förderung sei aus guten Gründen als „notwendiger erster Schritt in die richtige Richtung“ angesehen worden.

„Es wäre ein politisches Desaster, die durch die Ankündigung der Bundesförderung entstandene Aufbruchstimmung in der Gamesbranche durch eine kurzfristige Einstellung der Förderung in 2020 zu zerstören“, so Gerlach. „Hier würde enormes Vertrauen in die Politik, nicht nur in Deutschland, sondern auch international, verspielt. Auch für den Digitalstandort Deutschland wäre dies ein sehr schlechtes Signal.“

Gerlach fordert Scheuer auf, „sich mit allen verfügbaren Mitteln dafür einzusetzen, dass die Förderung verstetigt und im besten Falle sogar ausgebaut, aber in keinem Fall ersatzlos gestrichen wird.“

Am Wochenende war bekannt geworden, dass sich auch Gerlachs Parteikollegin Dorothee Bär (CSU) für die Rettung der Förder-Millionen einsetzen will. Vor ihrem Amtsantritt als Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt war Bär als Parlamentarische Staatssekretärin im Ressort von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) für die Games-Branche zuständig.

Der Etat des Verkehrsministeriums wird nach der Sommerpause ab dem 12. September im Bundestag beraten. Die Computerspiele-Branche hofft darauf, dass die Subvention trotz Sparvorgaben des Finanzministers und Einnahme-Ausfällen infolge der gescheiterten PKW-Maut in mindestens gleicher Höhe erhalten bleibt. Als alles entscheidende Hürde gelten die Sitzungen des Haushaltsausschusses im November 2019.

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