Start Meinung Fröhlich am Freitag 31/2019: GamescomAxel

Fröhlich am Freitag 31/2019: GamescomAxel

Der EU-Abgeordnete Axel Voss (CDU) nimmt zum zweiten Mal am Gamescom Congress teil (Foto: Axel Voss MdEP / Presse)
Der EU-Abgeordnete Axel Voss (CDU) nimmt zum zweiten Mal am Gamescom Congress teil (Foto: Axel Voss MdEP / Presse)

Zwölf Monate und eine EU-Urheberrechtsreform später reist Axel Voss erneut zur Gamescom – diesmal unter dem Hashtag #GamescomAxel.

„Axel Voss kommt zur Gamescom. Wenn er merkt, wie die Besucher auf ihn reagieren, wird es wohl ein Speedrun.“

Fast 12.000 Mal wurde dieser Tweet der „ZDF heute-show“ geliket – er war einer der erfolgreichsten von insgesamt sieben (!), die das öffentlich-rechtliche Satire-Format am Dienstag rausgefeuert hat. Der Postillion legte mit der Meldung nach, Voss wolle sich mit „Space Invaders“ auf die Gamescom vorbereiten.

Social-Media-Deutschland hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst auf den Hashtag #GamescomAxel geeinigt, der stundenlang auf Platz 1 der Twitter-Trends thronte.

Kaum war die Meldung auf dem Markt, dass der umstrittene EU-Parlamentarier auch in diesem Jahr am Gamescom Congress (21.8.) teilnimmt, ergoss sich allerdings nicht nur Spott und Häme – auch der Was-hat-der-auf-UNSERER-Messe-zu-suchen-Furor tobte durchs Netz, durchsetzt mit Gewaltandrohungen und -fantasien. Zur harmlosesten Variante zählte da noch die geheuchelte Sorge, Voss möge da „heil wieder rauskommen“.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Dazu muss man wissen: Axel Voss ist das personifizierte Feindbild der deutschen YouTuber-Landschaft. Als zuständiger Berichterstatter setzte sich der CDU-Politiker in Brüssel und Straßburg federführend dafür ein, dass Internet-Plattformen für Urheberrechtsverletzungen haften müssen (Artikel 13 / 17) und Verlage an der Google-Auswertung von Auszügen journalistischer Inhalte beteiligt werden (Leistungsschutzrecht).

Mit seinem unermüdlichen Werben für die EU-Urheberrechtsreform holte sich Voss den Beifall von GEMA, Kulturverbänden und Komponisten ab, zog aber gleichzeitig den Zorn von Bürgerinitiativen, Netz-Experten, Internet-Lobby, Digitalpolitikern und ungefähr aller YouTube-Promis wie ein Magnet an.

Beinahe im Minutentakt feuerte die ZDF Heute-Show einen GamescomAxel-Tweet nach dem anderen ab.
Beinahe im Minutentakt feuerte die ZDF Heute-Show einen GamescomAxel-Tweet nach dem anderen ab.

Deren Sorge: Allein aufgrund der schieren Masse müssten YouTube, Instagram, Facebook & Co. die hochgeladenen Inhalte der User automatisiert filtern – und daher zwangsläufig die gefürchteten Upload-Filter einführen. Bislang unkritische Inhalte könnten in diesem Filter hängenbleiben. Allein im März waren Hunderttausende aus Protest deutschlandweit auf die Straße gegangen. Marktführende YouTuber haben parallel den Hashtag #NieMehrCDU und #NieMehrSPD über Monate hinweg im Bewusstsein ihrer Zielgruppe verankert.

Jedoch: Im Ergebnis wurde die Urheberrechtsreform nach jahrelangem Streit am 26. März vom EU-Parlament abgenickt – fraglos ein Triumph für Voss. Wie die Richtlinie in die Praxis (sprich: nationales Recht) umgesetzt werden soll, darüber streiten seitdem die Gelehrten.


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Sicher war es auch die Hoffnung auf konkrete Antworten zur Umsetzung, die die Gamescom-Veranstalter dazu bewogen hat, Voss erneut nach Köln einzuladen. Thema des Panels: „Netzpolitik und politische Kommunikation im Zeitalter von YouTube & Co.“. Dass er zugesagt hat, zeugt nicht nur davon, dass er seinen EU-Wahlkreis kennt (inkludiert den Gamescom-Standort Köln) – sondern auch, dass er die Auseinandersetzung nicht scheut. Das verdient in jedem Fall Respekt.

Wer in dieser Runde die Aufgabe der Gegenrede übernimmt, ist noch offen – ich würde mir ja einen YouTuber wünschen, dessen Haarfarbe mit der blauen Bühnenkulisse korrespondiert. Fest steht aber schon eines: Auch wenn Sie kein Gamescom-Congress-Ticket haben, können Sie den Auftritt von GamescomAxel live und in Farbe verfolgen – das Panel wird am 21. August ab 15 Uhr im Netz übertragen. Vorausgesetzt natürlich, der Upload-Filter hat nichts dagegen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle bisherigen Folgen unserer Kolumnen-Reihe finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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