Start Meinung Fröhlich am Freitag 5/2020: Richtig gut entwickelt

Fröhlich am Freitag 5/2020: Richtig gut entwickelt

Der Industrieverband Game e. V. existiert seit Januar 2018.
Der Industrieverband Game e. V. existiert seit Januar 2018.

Der Computerspiele-Lobby-Verband Game e. V. feiert 2. Geburtstag – die Liste des bislang Erreichten ist lang und kann sich mehr als sehen lassen.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

man wird bundesweit vermutlich niemanden in der Videospiele-Branche finden, der den Zusammenschluss der einst konkurrierenden Branchenverbände BIU und GAME zum „game“ in der Retrospektive als kontraproduktiv oder gar falsch bezeichnen würde.

Ziemlich genau zwei Jahre ist diese Fusion jetzt her – und was seitdem alles passiert ist, klingt ein kleines bisschen unglaublich:

  • Sofern die EU-Kommission mitspielt, subventionieren Deutschlands Steuerzahler die Entwicklung von Computerspielen mit 250 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre – ein mächtiger Lobby-Erfolg. Die weniger gute Nachricht: Die Umsetzung liegt vorerst in Händen von Andreas Scheuer (CSU).
  • Gleich mehrere Bundesländer investieren entweder erstmals/wieder (Hamburg) oder mehr Geld als bisher (NRW, Bayern) in Games-Studios.
  • Das Preisgeld beim Deutschen Computerspielpreis kommt ab 2020 zu 100 Prozent vom Bund.
  • Bei der fiskalischen und politischen Anerkennung des E-Sport gibt es zarte Fortschritte.
  • Die Gamescom bleibt bis auf Weiteres in Köln – die Marke gehört ja dem Verband, der sich mit der KoelnMesse auf eine Vertragsverlängerung verständigt hat.
  • Die bilateralen Beziehungen zu führenden Bundes- und Landespolitikern dürfen als mindestens robust, zuweilen freundschaftlich gelten – man kennt sich, man schätzt sich, vereinzelt duzt man sich.
  • Hakenkreuze und Hitler-Figuren in Games, analog zu Film und TV? Bis August 2018 theoretisch möglich, in der Praxis nicht. Mittlerweile wendet die USK die sogenannte Sozialadäquanzklausel auch auf Computerspiele an.
  • Last but not least: Der Verband wächst. Mehr als 300 Unternehmen und Institutionen haben sich mittlerweile angeschlossen.
Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Alles in Butter also?

Der Boden für ein Durchstarten deutscher Spiele-Entwickler ist jedenfalls bereitet – die praktische Umsetzung hat aber noch gar nicht richtig angefangen. Und es könnte weiß Gott besser laufen. Bis sich die Förderung in Marktanteilen und Arbeitsplätzen messbar niederschlägt, wird es ohnehin noch mindestens zwei, drei Jahre dauern, eher länger. Auf diesem Weg können sich jederzeit bewährte Mitstreiter ändern – und dazu bräuchte es nicht mal eine vorgezogene Bundestagswahl. Jüngstes Beispiel: Kaum hat sich die SPD-Familienministerin am Controller halbwegs warm gelaufen, liebäugelt Giffey mit der Nachfolge von Berlins Regierungs-Chef Michael Müller – der gerade erst sein Herz für den E-Sport entdeckt hat. Und wer weiß, ob das Bundes-Digitalministerium nicht schneller kommt, als viele glauben.

Das mühsame Steineklopfen wird also zwangsläufig weitergehen – zwei Schritte vorwärts, ein halber zurück. Man kann dem Verbands-Team unter Leitung von Felix Falk nur viel Fortune wünschen, dass die nächsten 24 Monate annähernd ähnliche Erfolge und Fortschritte zeitigen wie die ersten beiden Jahre.

Gratulation zum Geburtstag!

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen und Gastbeiträge finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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