Vier Jahre nach dem Abbruch des ersten Anlaufs schließen sich die beiden Branchenverbände der Gamesbranche zusammen: Aus BIU und GAME wird zum 29. Januar 2018 der „Game – Verband der deutschen Games-Branche“. Die Verantwortlichen sprechen von einem „historischen Tag“.

Nach rekordverdächtig kurzer Verhandlungszeit von nur wenigen Monaten kommt es nun doch zu einer großen Koalition zwischen dem Bundesverband Interaktiver Unterhaltungssoftware e. V. (BIU) und dem GAME Bundesverband e. V.

Künftig wird die hiesige Branche von einem gemeinsamen Verband vertreten. Name der neuen Verbindung: „Game – Verband der deutschen Games-Branche“. Wie frisch die Liaison ist, zeigen die Domains www.game.de und www.game-verband.de, die erst vor wenigen Tagen dem neuen Verband überschrieben wurden.

Der alte und neue Geschäftsführer heißt Felix Falk, der die Aufgabe im Januar 2017 von Vorgänger Maximilian Schenk übernommen hat. In dessen Amtszeit fiel der erste Anlauf für eine Fusion.

Aus Sicht von Falk ist der 29. Januar 2018 daher nicht weniger als ein „historischer Tag für die gesamte deutsche Games-Branche“. Für den Abend hat der Verband alle Mitglieder und Freunde der Branche zu einer großen Party nach Berlin eingeladen. Vielsagendes Motto der Sause: „Game-Changer“.

Game-Verband: BIU und GAME fusionieren zu einem gemeinsamen Lobby-Verband

Den BIU und den GAME gibt es ab dem heutigen Tage in der bisherigen Form also nicht mehr. Nach Abschluss der nacheinander abgehaltenen Mitgliederversammlungen und der notariellen Formalitäten übernimmt der neue Game-Verband alle Rechte und Pflichten. Er vertritt sowohl die Niederlassungen internationaler Publisher wie Activision Blizzard, Electronic Arts, Nintendo und Ubisoft als auch kleine und große deutsche Studios, Mittelständler und Dienstleister.

Bislang zählte der BIU 29 Vollmitglieder plus mehr als 120 Unternehmen und Einzelpersonen in den Netzwerken BIU.Dev und BIU.Net. Dem 2004 gegründeten GAME Bundesverband gehörten zuletzt über 100 Mitglieder an.

Der „neue“ Game-Verband ist gleichzeitig Gesellschafter der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), der Stiftung Digitale Spielekultur und Ausrichter des Deutschen Computerspielpreises. Als Träger der Kölner Gamescom veranstaltet der Game die drittgrößte jährlich ausgerichtete Publikumsmesse in Deutschland.

Der Game-Vorstand besteht künftig aus folgenden fünf Personen – bislang waren es drei:

  • Lars Janssen, CEO Travian Games
  • Jens Kosche, Geschäftsführer Electronic Arts Deutschland
  • Linda Kruse, Gründerin von The Good Evil (Stellvertretender Vorstands-Vorsitz)
  • Stefan Marcinek, Geschäftsführer Assemble Entertainment
  • Ralf Wirsing, Managing Director Ubisoft Deutschland (Vorstands-Vorsitz)
Der frisch gewählte Vorstand des Game-Verband (von links): Stefan Marcinek, Ralf Wirsing, Linda Kruse, Jens Kosche, Lars Janssen, Geschäftsführer Felix Falk (Foto: Game / Jakob Nawka)
Der frisch gewählte Vorstand des Game-Verband (von links):
Stefan Marcinek, Ralf Wirsing, Linda Kruse, Jens Kosche, Lars Janssen, Geschäftsführer Felix Falk (Foto: Game / Jakob Nawka)

Fusion der deutschen Games-Verbände: Erfolg im zweiten Anlauf

2012 hatten die Unterhändler von GAME und BIU erstmals sondiert und verhandelt. Die damaligen Argumente ähneln jenen des Jahres 2017/18 fast aufs Wort: Man strebe einen Zusammenschluss auf Augenhöhe an, hieß es im Vorfeld. Die Fusion beider Branchenverbände ergäbe viel Sinn, schließlich würden die einstigen Unterschiede zwischen Entwicklern (GAME) und Publishern (BIU) immer mehr verschwimmen. Ein einheitlicher Verband könne mit einer Stimme sprechen und habe eine viel größere Schlagkraft, um den Games-Standort Deutschland und die ansässige Industrie zu stärken – zumal beide Verbände in der operativen Verbandsarbeit ohnehin längst gemeinsame Interessen und Positionen vertreten, etwa beim Computerspielpreis oder bei der USK.

Eineinhalb Jahre später, im Februar 2014, wurde die Fusion endgültig abgeblasen. Jeder der beiden Verbände legte damals großen Wert auf die Feststellung, dass er es gewesen sei, der zuerst gelindnert hätte – also die Verhandlungen proaktiv abgebrochen habe. Einer der Knackpunkte: eine Rücktrittsklausel. Der GAME Verband traute dem Braten nicht: Wäre der eingeleitete Fusionsprozess unterwegs doch noch gescheitert, hätte es kein Backup gegeben.

Fast auf den Tag genau vier Jahre später darf sich Deutschlands Spiele-Branche fühlen, als spränge der Radiowecker auf 6 Uhr und spielt „I got you babe“. Mit einem Unterschied: Die Geschichte geht diesmal gut aus, zumindest aus Sicht der Verbände und der meisten Mitglieder.

Weitere Informationen, Stellungnahmen und Analysen rund um die Verbandsfusion veröffentlichen wir im Lauf dieser Woche.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here