Start Wirtschaft MTG-Zahlen 2019: Mehr E-Sport-Umsatz, mehr Verlust

MTG-Zahlen 2019: Mehr E-Sport-Umsatz, mehr Verlust

MTG-Zahlen 2019: Steigende E-Sport-Umsätze bei wachsendem Verlust (Foto: ESL / Helena Kristiansson)
MTG-Zahlen 2019: Steigende E-Sport-Umsätze bei wachsendem Verlust (Foto: ESL / Helena Kristiansson)

Die 2019-Umsätze der InnoGames- und ESL-Mutter Modern Times Group zeigen: Das E-Sport-Geschäft ist weiterhin defizitär.

Für die deutsche Games-Industrie ist der Stockholmer Medienkonzern Modern Times Group (MTG) von großer Bedeutung: Bei den beiden Töchtern InnoGames (Hamburg) und ESL Gaming (Köln) arbeiten 650 Beschäftigte – MTG ist somit der drittgrößte Games-Arbeitgeber des Landes.

Heute hat die Aktiengesellschaft die Geschäftszahlen für 2019 bekannt gegeben: Im abgelaufenen Jahr hat das Unternehmen rund 400 Millionen Euro umgesetzt – 60 Prozent kommen von den Games-Töchtern InnoGames und Kongregate, die restlichen 40 Prozent von den E-Sport-Sparten ESL und DreamHack.

Die gute Nachricht: Der E-Sport-Umsatz ist gegenüber 2018 um 15 Prozent gestiegen – auf 162 Millionen Euro. Dazu beigetragen hat die Ausrichtung eines zusätzlichen Turniers und damit einhergehende Sponsorengelder. Gleichzeitig schreibt das Segment weiterhin riesige Verluste: Das EBIT für das Gesamtjahr lag bei minus 40 Millionen Euro – eine Verfünffachung gegenüber 2018.

Ein Grund: Abschreibungen infolge eingestellter Projekte und der Rückzieher des chinesischen Streaming-Anbieters Huya. Die Tencent-Tochter wollte sich ursprünglich mit einem mittleren zweistelligen Millionen-Betrag bei der ESL einkaufen. MTG will den XXL-Markt China allerdings nicht aufgeben und fahndet weiterhin nach Kooperations-Partnern.

Die größten Games-Arbeitgeber in Deutschland (Stand: 3.2.2020)
Die größten Games-Arbeitgeber in Deutschland (Stand: 3.2.2020)

Der Ausblick für 2020 ist optimistisch: Mit der ESL Pro Tour hat das Unternehmen ein neues Wettbewerbs-Format aufgelegt, das sich allerdings erst noch in der Praxis bewähren muss. Unter anderem stemmt die ESL ab sofort Teile des E-Sport-Geschäfts von Blizzard Entertainment („WarCraft 3: Reforged“, „StarCraft 2“). Gemeinsam mit Daten-Dienstleister Nielsen will man außerdem seriösere Zuschauerzahlen ermitteln.

Das Schicksal des Hamburger Spiele-Entwicklers InnoGames ist weiterhin offen: Seit Herbst 2019 sucht MTG wahlweise einen Joint-Venture-Partner oder einen Käufer für die Mobile- und Online-Games-Töchter. Bislang sind die Schweden nicht fündig geworden. Nur wenige Interessenten dürften in der Lage sein, das Investment zu stemmen: Allein für die 51-Prozent-Mehrheit an InnoGames hat MTG mehr als 130 Millionen Euro bezahlt.

Das Jahr 2019 lief etwas besser als zuletzt befürchtet: Zwar blieben zwei InnoGames-Neuheiten deutlich hinter den Erwartungen zurück – MTG spricht wörtlich von „einigen Enttäuschungen“. Dauerbrenner wie „Forge of Empires“ und „Elvenar“ liefern dennoch weiterhin solide Einkünfte. Allein der InnoGames-Umsatz lag bei 190 Millionen Euro – mehr schafft kein anderer deutscher Spiele-Entwickler.

Mehr als die Hälfte der Einnahmen des MTG-Gaming-Segments entfällt auf Mobile-Games, also In-App-Käufe und In-Game-Werbung.  Bei höherem Umsatz ist das EBIT von 30 Millionen Euro (2018) auf 25 Millionen Euro (2019) gesunken.

In den Finanzdaten finden sich auch Hinweise, dass InnoGames mit vier Spielen für 2020 plant, darunter ein Nachfolger von „Forge of Empires“. Das Aufbauspiel ist seit über sechs Jahren in Betrieb und hat über eine halbe Milliarde Euro eingespielt – InnoGames weiß also, an welchen Stellschrauben mit Blick auf Spielmechanik und Monetarisierung gedreht werden muss. Der Fokus des Entwickler-Teams gilt insbesondere dem Multiplayer-Modus.

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