Start Wirtschaft InnoGames-Mutterkonzern MTG prüft Abspaltung des Games-Geschäfts

InnoGames-Mutterkonzern MTG prüft Abspaltung des Games-Geschäfts

MTG-Vorstands-Chef Jorgen Madsen Lindemann prüft eine Abspaltung des Games-Segments (Foto: MTG / Desjardins / Image / Reed MIDEM)
MTG-Vorstands-Chef Jorgen Madsen Lindemann prüft eine Abspaltung des Games-Segments (Foto: MTG / Desjardins / Image / Reed MIDEM)

Anhaltend rote Zahlen im eSport-Geschäft veranlassen Modern Times Group (MTG) zu einer „strategischen Überprüfung“ der Games-Sparte inklusive InnoGames.

Das eSport-Business des schwedischen Medienkonzerns Modern Times Group (MTG) kommt nicht aus den roten Zahlen: Auch im dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2019 haben die Turniere und Ligen von ESL und DreamHack erneut Verluste eingefahren, diesmal in Höhe von fast 8 Millionen Euro – bei leicht gestiegenen Umsätzen durch höhere Sponsoren-Gelder. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres hat die eSport-Sparte ein Minus von umgerechnet 24 Millionen Euro angehäuft. Die ESL Gaming GmbH mit Sitz in Köln sieht sich als Weltmarktführer und veranstaltet unter anderem die ESL One Cologne und die Intel Extreme Masters.

Ebenfalls unrund läuft es offenbar bei der deutschen MTG-Tochter InnoGames, weil die Dauerbrenner „Forge of Empires“ und „Elvenar“ schwächeln und die Neuheit „Warlords of Aternum“ noch Luft nach oben hat und weiterer Optimierung bedarf. MTG hält die Mehrheit am umsatzstärksten deutschen Spiele-Entwickler, der am Standort Hamburg mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt. Zwar hat der Mobilegames-Anteil ein neues Rekord-Niveau erreicht und steuert mittlerweile mehr als die Hälfte des InnoGames-Umsatzes bei. Allerdings konnten die Zuwächse nur durch deutlich erhöhte Marketing-Aufwendungen erreicht werden, was wiederum die Marge spürbar belastet. Das EBIT der MTG-Games-Sparte (inklusive Kongregate) hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als halbiert.

Jetzt wird in der Stockholmer Konzernzentrale intensiv über eine Abspaltung des Games-Geschäfts nachgedacht, zu dem auch InnoGames gehört. Konkret prüft der Vorstand eine Auslagerung der Sparte in Form eines Joint-Ventures oder aber die Bildung einer reinen eSport-Einheit, die dann zusätzlich an den US-Börsen gelistet wird. Die Vereinigten Staaten gelten als weltgrößter eSport-Markt.

Mit Blick auf die seit Jahren anhaltend defizitären eSport-Aktivitäten bei gleichzeitig positiver Reichweiten-Entwicklung sieht sich MTG weiterhin am „Beginn einer Reise, um den eSport zu einem etablierten Sport zu entwickeln“. Von einer Kooperation mit Marktforscher Nielsen verspricht sich das Unternehmen unter anderem belastbare, objektive Daten über Anzahl und Demographie der Zuschauer – dies gilt bislang als massives Hindernis bei der Vermarktung.

Parallel zu diesen strategischen Überlegungen will MTG auch von den Kosten runter: Ein erneutes „Effizienz-Programm“ soll sicherstellen, dass das Hauptquartier die richtige Größe habe und bestmöglich organisiert sei – üblicherweise eine schlecht getarnte Chiffre für anstehende Stellenstreichungen. Bereits im November will MTG in Gespräche mit Arbeitnehmer-Vertretern eintreten.

Das sind die 10 größten Arbeitgeber der deutschen Games-Branche (Stand: Juli 2019)
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Dass MTG in Summe wächst, liegt an Zukäufen: Die Venture-Capital-Sparte hat zuletzt mehr als 10 Millionen Euro in sieben Spiele-Unternehmen investiert, darunter Beteiligungen am Hamburger Studio Sviper und am Berliner Venture-Capital-Fonds Bitkraft eSports Ventures, der von ESL-Gründer Jens Hilgers gesteuert wird.

Die heute veröffentlichten Geschäftszahlen haben die MTG-Aktie erneut auf Talfahrt geschickt: Mit 6,80 Euro markiert der Kurs den tiefsten Stand seit fünf Jahren.


Eine ausführliche Analyse der ESL-Geschäftszahlen und -Strategie sowie Hintergrundinformationen zum eSport-Markt finden Sie in diesem Beitrag.

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