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Gamescom 2019 Bilanz: Was gut lief – und was 2020 besser werden muss

Gamescom 2019 Bilanz: Mit 373.000 Besuchern war die Spielemesse an allen fünf Messetagen ausverkauft (Foto: KoelnMesse / Harald Fleissner)
Gamescom 2019 Bilanz: Mit 373.000 Besuchern war die Spielemesse an allen fünf Messetagen ausverkauft (Foto: KoelnMesse / Harald Fleissner)

Die große GamesWirtschaft-Bilanz: Wo die Gamescom 2019 punkten konnte – und wie die weltgrößte Spielemesse noch besser werden kann.

Wer die vielen Kinder in Fortnite-Shirts und -Hoodies auf den Kölner Messefluren sah, bekam eine grobe Vorstellung davon, wie groß die Enttäuschung gewesen sein muss, dass Epic Games zur Gamescom 2019 auf einen „Fortnite“-Auftritt verzichtet hat. Mag sein, dass sich der ganz große Hype etwas gelegt hat, doch „Fortnite“ ist neben „FIFA“ und „Minecraft“ eben immer noch DAS Lieblingsspiel ganzer Jahrgänge.

Abgesehen von den Absagen solcher 2018-Großaussteller war die Gamescom 2019 ein bemerkenswerter Erfolg – sowohl aus Sicht der Veranstalter als auch der Aussteller. Mit 373.000 Besuchern und ausverkauftem Haus lagen die Zahlen sogar geringfügig über dem Rekord-Niveau des Vorjahres, auch die Fläche wuchs erneut – auf nunmehr 218.000 Quadratmeter.

Im Jahr 1 vor der Markteinführung der PlayStation 5 und der Xbox-One-Nachfolge-Konsole fehlten zwar die ganz großen Top-Themen. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau: Dass im elften Gamescom-Jahr Vieles so routiniert und eingespielt wirkt, ist eine Leistung für sich.

Natürlich ist nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte: Hier kommt die GamesWirtschaft-Bilanz der Gamescom 2019 – basierend auf Dutzenden Rückmeldungen von Ausstellern und Besuchern. Ein wichtiger Aspekt fehlt? Wir freuen uns über Ihre Vorschläge und Anmerkungen – entweder offiziell via Kommentar, Twitter und Facebook oder via Mail an die Redaktion (auf Wunsch auch vertraulich).

Die Infografik zeigt die Entwicklung des Gamescom-Kennzahlen seit 2011 (Stand: 24.8.2019)
Die Infografik zeigt die Entwicklung des Gamescom-Kennzahlen seit 2011 (Stand: 24.8.2019)

Gamescom 2019 Bilanz: Was lief gut?

Gelungene Premiere für Gamescom Opening Night Live

Die vom US-Produzenten Geoff Keighley moderierte, englischsprachige Eröffnungs-Show „Gamescom Opening Night Live“ hat ein kaum für möglich gehaltenes Feuerwerk an Ankündigungen abgebrannt, inklusive mehrerer Neuheiten made in Germany. Gerade zu Beginn der Zwei-Stunden-Sause gab es zwischen den Trailern kaum Gelegenheit zum Luftholen. Inhalt und Inszenierung hatten internationales Format und haben den Standard für künftige Ausgaben gesetzt.

Die Einführung des Vier-Augen-Prinzips könnte 2020 zusätzlich dafür sorgen, dass peinliche Bugs wie im Eingangs-Trailer („LIVE FROM GAMESCON“) künftig vermieden werden.

Der Auftritt von Hideo Kojima bei "Gamescom Opening Night Live" sorgte für turbulente Szenen - und Sorgenfalten bei der Security (Foto: KoelnMesse / Andreas Hagedorn)
Der Auftritt von Hideo Kojima bei „Gamescom Opening Night Live“ sorgte für turbulente Szenen – und Sorgenfalten bei der Security (Foto: KoelnMesse / Andreas Hagedorn)

Abendticket hat sich bewährt

Für 7 Euro gibt es ab 16 Uhr garantierten Zugang aufs Messegelände: Das erstmals angebotene Abendticket hat das Nachmittagsticket abgelöst und dessen Schwächen korrigiert. Denn bislang glich es einem Roulettespiel, ab wann der Besucher in die Hallen darf. Jetzt sind bis zu vier Stunden drin – super für Schüler, Familien und Fans aus dem Großraum Köln. Zur Gamescom 2020 wird das Abendticket noch eine viel größere Rolle spielen, denn dann heißt es in NRW und vielen anderen Bundesländern: Gamescom-Zeit ist Schul-Zeit.

Gesteigerte Aufenthaltsqualität

Die Veranstalter haben versprochen – und geliefert. Nach der deutlichen Kritik der Vorjahre wurde das Konzept sicht- und spürbar überarbeitet. Breitere Flure, mehr Freifläche, mehr Catering-Angebote, dazu eine cleverere Besucherführung und die Auslagerung der Autogrammstunden-Areale („Signing Areas“) in eine separate Halle: All das hat gut funktioniert, in jedem Fall besser als zur phasenweise chaotischen Gamescom 2018, wo es sogar zu vorübergehenden Hallenschließungen kam.

Event Arena mit Potenzial

Die zentrale Showbühne in Halle 11.3 („Event Arena“) diente zunächst als Rahmen für die Eröffnungs-Show („Gamescom Opening Night Live“) und wurde im Anschluss zur eSport-Bühne umgebaut – eine smarte Lösung, die viel Potenzial für künftige Gamescoms bietet.

Attraktives Rahmenprogramm

Sowohl die Entwicklerkonferenz Devcom 2019 als auch der Gamescom Congress 2019 verzeichneten mit 3.000 beziehungsweise 900 Teilnehmern neue Bestmarken. Gerade der Gamescom Congress beweist ein ums andere Mal, dass der Brückenschlag der Spiele-Branche zu anderen Industrien gelingt.

Volle Hütte im Cosplay Village

Das Cosplay-Areal samt Show-Programm und „Zeichner-Allee“ entpuppte sich abermals als Publikumsmagnet – aus guten Gründen: Die Kreativität der Cosplayer auf und neben der Bühne ist außergewöhnlich. Wer wollte, konnte sich von Profis wertvolle Tipps für eigene Kreationen holen.

Treffpunkt Cosplay Village: In Halle 5.1 trafen sich die Helden aus Games, TV und Popkultur (Foto: KoelnMesse / Oliver Wachenfeld)
Treffpunkt Cosplay Village: In Halle 5.1 trafen sich die Helden aus Games, TV und Popkultur (Foto: KoelnMesse / Oliver Wachenfeld)

Originelle Standbauten

Wenn bedrucktes Sperrholz auf Hunderte Spielstationen trifft: Auch in diesem Jahr gab es betont zweckmäßige Messestände, die vor allem auf das Durchschleusen möglichst vieler Besucher ausgelegt waren. Abseits eines Mercedes-Benz-Boliden anlässlich von „Need for Speed Heat“ hatte etwa der Stand von Electronic Arts geringe Schauwerte.

Doch natürlich gab es sie trotzdem: aufwändige Stände, die vor liebevollen Details nur so strotzten. Frontier Developments hat zum Beispiel für „Planet Zoo“ einen regelrechten Tiergarten mit Gehegen aufgebaut. Und bei THQ Nordic ist für jedes Spiel eine eigene kleine Themenwelt entstanden: Die Spielstationen für das Western-Taktik-Spiel „Desperados 3“ waren in einem holzverkleideten Saloon aufgebaut, „Destroy All Humans!“ spielte in einem 50er-Jahre-Diner – großes Kino.

Viel mehr als ein „Trend“: Accessibility

Die beachtliche Zahl an Rollstuhlfahrern dokumentiert: Spielefans lassen sich durch nichts von einem Gamescom-Besuch abhalten. Immer mehr Aussteller achten auf barrierefreie Messestände (Motto: „Rampen statt Treppen“) – im Indie Arena Booth war Accessibility, also Inklusion und die Zugänglichkeit von Spielen sogar eines der zentralen Themen. Hardware-Hersteller wie Microsoft und Bcon bieten dezidierte Produkte für Spieler mit körperlichen Handicaps an.

Gamescom 2019 Bilanz: Der Indie Arena Booth widmete sich diesmal dem Thema "Accessibility" (Foto: GamesWirtschaft)
Gamescom 2019 Bilanz: Der Indie Arena Booth widmete sich diesmal dem Thema „Accessibility“ (Foto: GamesWirtschaft)

Wachsende politische Bedeutung der Gamescom

Spätestens seit Merkels Gamescom-Besuch im Jahr 2017 ist Deutschlands zweitgrößte Verbrauchermesse beim politischen Spitzenpersonal gesetzt. Bundespolitiker (Scheuer, Giffey, Bär), Ministerpräsidenten (Weil, Dreyer), EU-Parlamentarier (Voss, Woelken) sowie Führungskräfte von Regierungsparteien (Ziemiak, Klingbeil, Kühnert) und Opposition (Teuteberg, Schindler, Kellner) kamen nach Köln. Gesprächsbedarf gab es jedenfalls genug: Förderung, Jugendschutz, eSport, Regulierung – unter anderem.

Gamescom 2019 Bilanz: Das muss besser werden

Indie Village aus einem Guss

Eigentlich war es so gedacht: Das neue Indie Village als Dachmarke beherbergt auch den traditionellen Indie Arena Booth, auf dem über 100 Entwickler ihre Neuheiten präsentieren. In der Praxis hat der Schwanz mit dem Hund gewedelt. Derweil die Indie Arena Booth erneut wie aus einem Guss wirkte, war weder für Besucher noch Aussteller ersichtlich, worin genau der Mehrwert des angedockten und deutlich kleineren Indie Village besteht. Für die Gamescom 2020 besteht hier noch Optimierungsbedarf.

Polit-Prominenz auf der Gamescom 2019: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) lässt sich am Kalypso-Stand die Neuheit "Spacebase Startopia" erklären (Foto: KoelnMesse / Hanne Engwald)
Polit-Prominenz auf der Gamescom 2019: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) lässt sich am Kalypso-Stand die Neuheit „Spacebase Startopia“ erklären (Foto: KoelnMesse / Hanne Engwald)

Fast-Pass-System standardisieren

Die Idee ist gut: Uhrzeit vorab reservieren – und ohne lästige Wartezeiten direkt losspielen. Das Fast-Pass-Konzept hat sich zum Beispiel in Freizeitparks bewährt. Auf der Gamescom galt hingegen „Paragraph Eins: Jeder macht seins“. Ubisoft, Sony, Nintendo, Capcom, Electronic Arts – jeder kochte sein eigenes Süppchen und zwar in Form von Apps, Verlosungen und anderen Kundenbindungs-Programmen.

Microsoft verkaufte sogar im Vorfeld eine Xbox-Jacke in limitierter Auflage für 99 Euro, inklusive VIP-Pass. Selbst für einen Platz in der Autogrammstunden-Warteschlange von Gronkh konnte man sich qualifizieren. Nur Koch Media / Deep Silver, Nintendo, Bethesda und Bandai Namco haben sich dem offiziellen Fast-Pass-System des KoelnMesse-Dienstleisters Linistry angeschlossen.

So nachvollziehbar es ist, wenn Aussteller ihre treuesten Kunden bevorzugen: Aus Besucher-Sicht brächte ein zentrales „Buchungs-System“ mehr Fairness, mehr Transparenz und kürzere Wartezeiten.

Im Indie Arena Booth standen die Entwickler - hier: das Berliner Studio Paintbucket Games ("Through the Darkest of Times") - persönlich für Fragen und Feedback zur Verfügung (Foto: GamesWirtschaft)
Im Indie Arena Booth standen die Entwickler – hier: das Berliner Studio Paintbucket Games („Through the Darkest of Times“) – persönlich für Fragen und Feedback zur Verfügung (Foto: GamesWirtschaft)

Fanartikel-Shops an die Messestände andocken

Abseits der Merchandise Area (Halle 5.1 / 5.2) ist der Verkauf von Fanartikeln nicht gestattet – mit Ausnahme der offiziellen Gamescom-Klamotten, versteht sich. Die Regelung mag gute Gründe gehabt haben, inzwischen ist sie überholt: Sowohl für große Publisher als auch kleine Studios ist das Merchandise-Geschäft eine unverzichtbare Komponente. Es wäre buchstäblich ein Gewinn für alle, wenn Baseball-Caps, Shirts und Sammelfiguren direkt am dazugehörigen Stand angeboten werden dürften.

Beschilderung optimieren

Trotz digitaler Wegweiser: Die vielen umherirrenden Besucher zeigten, dass insbesondere die Beschilderung rund um die Hallen 10 und 11 (Signing Area / Event Arena) ausbaufähig ist. Gleiches gilt für die Business Area: Fachbesucher, die sich an den Schildern orientierten, standen plötzlich vor verschlossenen Rolltoren.

Nicht alle Gamescom-2019-Messestände waren so aufwändig gestaltet wie jener von THQ Nordic (Foto: GamesWirtschaft)
Nicht alle Gamescom-2019-Messestände waren so aufwändig gestaltet wie jener von THQ Nordic (Foto: GamesWirtschaft)

Blizzard zurückholen

Ein Jahrzehnt lang hat Blizzard den Industriestandard auf dem Kölner Messegelände gesetzt: Kein Gamescom-Stand war pompöser, spektakulärer, größer – und vor allem teurer. Die deutlich siebenstelligen Kosten sind ein Grund, warum der US-Spiele-Riese („Overwatch“, „World of Warcraft“, „HearthStone“) mindestens für die Gamescom 2019 aussetzte. Am Blizzard-Stammplatz in Halle 7 wurden in diesem Jahr Fritten fritiert. Immerhin: Im Gegenzug haben zum Beispiel Square Enix und Sony PlayStation ihre Auftritte deutlich vergrößert, 2K und Capcom kehrten als Aussteller auf das Gelände zurück.

Family & Friends überarbeiten

Der Bereich in Halle 10.2 ist seit jeher eine Baustelle, weil es offenbar keine kluge Idee gibt, was man mit der jungen Zielgruppe (Kinder zwischen 4 und 12 Jahren) anstellen soll. Die wenigen Stände und Stationen wirken lieblos und auf der riesigen Fläche verloren, der Zuspruch scheint sich in engen Grenzen zu halten. Auf der selben Ebene gibt es mit der Retro Area und dem Indie Arena Booth ungleich spannendere Angebote, vom Remmidemmi-Untergeschoss 10.1 ganz zu schweigen.

Vor dem "Cyberpunk 2077"-Stand von CD Projekt Red bildeten sich schon nach wenigen Minuten lange Warteschlangen (Foto: GamesWirtschaft)
Vor dem „Cyberpunk 2077“-Stand von CD Projekt Red bildeten sich schon nach wenigen Minuten lange Warteschlangen (Foto: GamesWirtschaft)

Gamescom Award aufwerten

Immerhin 360 Euro netto werden fällig, wenn ein Aussteller ein Spiel für den Gamescom Award einreicht. Die Preisträger in den 28 Kategorien wählt dann überwiegend eine 30köpfige Jury aus. Der erste Schwung an Preisträgern wurde bereits im Rahmen der Eröffnungs-Show bekannt gegeben. Allerdings hat Moderator Keighley die Liste der Sieger nur im Schnelldurchlauf verlesen, die Nominierten wurden zudem noch nicht einmal zur Verleihung eingeladen – ein unwürdiger Vorgang.

In Kategorien wie dem „besten Messestand“ durfte im Nachgang das Publikum abstimmen. Dazu wurde in diesem Jahr erstmals ein WhatsApp-Chatbot genutzt, dessen Existenz und Funktionsweise aber kaum kommuniziert oder erklärt wurde. Kurzum: Der Gamescom Award wurde unter Wert verkauft – das geht besser.

Nahm sich viel Zeit für die Fans: Letsplayer Gronkh beim Meet & Greet am Gamescom-Freitag (Foto: GamesWirtschaft)
Nahm sich viel Zeit für die Fans: Letsplayer Gronkh beim Meet & Greet am Gamescom-Freitag (Foto: GamesWirtschaft)

Gamescom-App resetten

Die offizielle Gamescom-App könnte ein mächtiges Tool sein, um Privat- und Fachbesuchern den Weg zu Ausstellern, Spielen und Veranstaltungen auf dem Gelände zu weisen. Tatsächlich ist die App vor allem eines, und zwar seit Jahren: unübersichtlich, unvollständig, umständlich. Eine Messe vom Stellenwert einer Gamescom hat eine zeitgemäße, wirklich nützliche App verdient.


Der Termin für die Gamescom 2020 steht bereits: 25. August (Dienstag) bis 29. August (Samstag). Alle Informationen zu Tickets, Vorverkauf, Öffnungszeiten, Ferienterminen und Unterkunft finden Sie in diesem Beitrag.

3 Kommentare

  1. Also was auf jedenfall wirklich besser werden sollte sind die preise für die Verpflegung. Es ist nicht mehr menschlich was für überzogene Preise es dort gibt. (ja man kann was mit ehm aber bitte wer schleppt gern 1 1/2 liter flaschen rumm.

    Bessere ausgangsregelungen und beschilderung wo man raus darf und wo nicht.

  2. Accessibility – das bedeutet nicht nur Zugänglichkeit zu den Messeständen. Hier entsteht der Eindruck, das die area in der Indie Arena Booth darauf ausgelegt sei. Es bedeutet die Zugänglichkeit zu spielen generell. Spielhilfen für körperlich eingeschränkte Gamer oder Spieloptionen die erlauben bestimmte Knöpfe manuell zuzuweisen. Dieser Trend sollte richtig belabelt werden, da er durchaus seine Daseinsberechtigung hat (siehe Vorträge Melanie Eilert im Congress zu dem Thema)

    Viele Grüße!

    • In diesem Sinne war es auch tatsächlich gemeint – da geht es natürlich nicht nur um barrierefreie Messestände, sondern eben auch um Zusatz-Hardware wie den Microsoft-Controller. Wir präzisieren das – danke für den Hinweis.

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