Start Politik Die neuen USK-Kennzeichen ab 2023

Die neuen USK-Kennzeichen ab 2023

Diese erweiterten USK-Kennzeichen sind ab Januar 2023 auf den Packungsrücksieten von Computer- und Videospielen zu finden (Abbildung: USK / Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle)
Diese erweiterten USK-Kennzeichen sind ab Januar 2023 auf den Packungsrücksieten von Computer- und Videospielen zu finden (Abbildung: USK / Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle)

Ingame-Käufe, Chats, Lootboxen: Mit erweiterten Kennzeichen will die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) für „mehr Orientierung und Transparenz“ sorgen.

Von der größten Reform seit 2003 – sprich: seit Einführung verpflichtender Altersfreigaben für Games im Nachgang zum Amoklauf in Erfurt – spricht USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker: Denn zum 1. Januar 2023 treten erweiterte Prüfkriterien in Kraft – die USK-Quadrate in Weiß, Gelb, Grün, Blau und Rot werden außerdem um zusätzliche Hinweise ergänzt.

Damit reagiert die USK auf das neue und nicht völlig unumstrittene Jugendschutzgesetz, das bereits seit Mai 2021 gilt. Dass seitdem eineinhalb Jahre ins Land gegangen sind, begründet Secker unter anderem mit dem Abstimmungsbedarf mit 16 Bundesländern. Auch Eltern, Organisationen und Experten seien konsultiert worden.

Was ändert sich nun konkret? Bislang ergibt sich die USK-Alterseinstufung im Wesentlichen aus den Spielelementen und -inhalten – Gewalt, Drogen, Horror, Krieg, Schimpfwörter, Alkohol, Glücksspiel oder die „Darstellung oder Andeutung von expliziten sexuellen Handlungen“.

Künftig können auch sogenannte Online-Risiken Berücksichtigung finden – etwa Chats, die Anzeige des Standorts (Stichwort: Pokémon Go) und vor allem Ingame-Käufe. Gerade diese kostenpflichtigen Zusatz-Inhalte machen inzwischen den Löwenanteil des Games-Umsatzes aus: Im Jahr 2021 haben die Deutschen mehr als 4,2 Milliarden Euro für Spielbeschleuniger, Deko-Elemente, Extra-Leben, Saisonpässe und Lootboxen ausgegeben.

Im Einzelfall können solche Online-Risiken auch zu einer höheren Alterseinstufung führen – etwa dann, wenn der Hersteller keine systemseitigen Vorkehrungen durch Block- und Meldefunktionen oder Euro-Obergrenzen trifft. Derweil der Anteil der USK-16- und USK-18-Games kaum steigen wird, kann sich USK-Geschäftsführerin Secker vorstellen, dass bisherige USK-0- oder USK-6-Spiele höher eingestuft werden. Genaueres werde allerdings erst die Praxis zeigen.

Bemerkenswert: Anstelle des negativ beleumundeten Begriffs ‚Lootbox‘ hat sich die USK für die ungleich sperrigere, aber freundlich wirkendere Formulierung „In-Game-Käufe + zufällige Objekte“ entschieden. Auf Nachfrage erklärt Secker diese Wahl damit, dass die Vokabel Lootbox zwar in der ‚Gamer-Bubble‘ gängig sei. Bei Umfragen hätten gerade Eltern aber wenig bis nichts mit diesem Begriff anfangen können, der unter anderem Zufallsinhalte in Spielen wie FIFA 23 beschreibt.

Eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Status Quo: Der Spielekäufer bekommt erstmals Informationen, welche Faktoren zur Altersfreigabe geführt haben – denn dies war nämlich in den vergangenen beiden Jahrzehnten nicht der Fall. Wer zum Beispiel wissen wollte, warum Cyberpunk 2077 nur für Erwachsene freigegeben ist, wurde weder auf der Packung noch auf der USK-Website fündig. Konkrete Auskünfte gab es bestenfalls auf individuelle Anfrage.

Das wird sich nun ändern: Bei allen Prüfbescheiden, die ab 1. Januar 2023 erfolgen, wird man diese Angaben auch online in der USK-Titeldatenbank finden.

Und: Während auf der Packungs-Vorderseite weiterhin die USK-Siegel in gewohnter Größe zum Einsatz kommen, ist auf der Rückseite ein neues, größeres Element zu besichtigen. Dort erfahren Eltern und Erziehungsberechtigte dann zum Beispiel, ob der minderjährige Nutzer lediglich angedeuteter Gewalt, „Comic-Gewalt“, „Fantasy-Gewalt“ oder gar „drastischer Gewalt“ oder „sexualisierter Gewalt“ ausgesetzt wird.

Auf Online-Plattformen – etwa bei Steam, im PlayStation Store oder im Nintendo eShop – entscheidet hingegen der Plattformbetreiber, wie die konkrete optische Ausgestaltung aussieht.

USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker: „Die Anpassungen sind ein wichtiger Pfeiler für einen ganzheitlichen und in die Zukunft gerichteten Kinder- und Jugendmedienschutz. Gemeinsam mit den Obersten Landesjugendbehörden, vielen Akteuren und Akteurinnen des Kinder- und Jugendmedienschutzes sowie den Spieleanbietern ist es gelungen, den Grundstein zu legen, das neue Jugendschutzgesetz in eine gute Praxis zu überführen. Besonders hilfreich im Entstehungsprozess war die Beteiligung der Zielgruppen von Kindern und Jugendlichen, Eltern sowie pädagogischen Fachkräften, deren Erkenntnisse in die konkrete Ausgestaltung der Zusatzhinweise eingeflossen sind.“

Bei der USK gibt man sich natürlich keinen Illusionen hin: Dreh- und Angelpunkt bleibt auch künftig die Sach- und Medienkompetenz der Eltern – also deren „Befähigung“, wie es im Fachjargon heißt. Deshalb will die USK mit Videos und Website-Informationen für mehr Knowhow sorgen, welche Games für Kinder und Jugendliche geeignet sind – und welche nicht.