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Marktanteil deutscher Spiele fällt 2017 auf Rekordtief

Szene aus Piranha-Bytes-Neuheit
Szene aus Piranha-Bytes-Neuheit "ELEX" (Publisher: THQ Nordic)

Seit Jahren dümpelt der Marktanteil deutscher Games vor sich hin: Jetzt fällt er unter 6 Prozent, während der Gesamt-Spielemarkt neue Rekorde erklimmt.

Eine Woche vor der Eröffnung der Gamescom 2018 lässt der Industrieverband Game die  Bombe platzen: Der Marktanteil deutscher Games-Produktionen am Software-Gesamtmarkt fällt auf unter 6 Prozent  – genauer: auf 5,4 Prozent.

Gegenüber dem Vorjahr haben deutsche Studios noch einmal zehn Millionen Euro Umsatz verloren – auf nunmehr 119 Millionen Euro. Und das bei einem wachsenden Software-Gesamtmarkt, der mit 2,2 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreicht hat.

Inklusive Hardware lag das Umsatz-Volumen des deutschen Markts für Computer- und Videospiele im Jahr 2017 bei 3,3 Milliarden Euro, auch das ein neuer Rekord. Deutschland ist damit der größte Spiele-Markt in Europa – allerdings handelt es sich vorwiegend um einen Absatzmarkt, nicht um einen Produktionsstandort.

Trotz ELEX und The Surge: Marktanteil deutscher Studios fällt 2017 auf Rekordtief

Die Bilanz für Deutschlands Studios fällt dabei je nach Spiele-Gattung ganz unterschiedlich aus: Im Segment der PC- und Konsolenspiele hat sich der Umsatz auf 11,5 Millionen Euro glatt verdoppelt, wozu unter anderem das Rollenspiel „ELEX“ (Piranha Bytes, Essen) und das Science-Fiction-Action-Spiel „The Surge“ (Deck 13, Frankfurt) beigetragen haben. Weniger als 1 Prozent beträgt in diesem Bereich der Beitrag deutscher Studios.

Sehr viel stärker ist die Position bei den Online- und Browsergames – die Einnahmen im Heimatmarkt betragen häufig 20, 25, 30 Prozent oder mehr des Unternehmens-Umsatzes. Relevante Anbieter wie InnoGames, Goodgame Studios, Upjers, Travian Games und viele weitere stellen gleichzeitig die meisten Jobs in der Branche. Aber: Der Marktanteil ist auch hier gefallen – von 24 Prozent (2016) auf 17 Prozent (2017).

Rückläufig ist zudem die Bedeutung deutscher Studios bei den Mobile-Games für Smartphones und Tablets. Gesamtumsatz in Deutschland: fast eine halbe Milliarde Euro. Auf nationale Entwickler entfallen gerade mal 3,7 Prozent, rund 18 Millionen Euro.

Umsatzvergleich 2017: Noch wird mit Büchern fast drei Mal so viel umgesetzt wie mit Computerspielen.
Umsatzvergleich 2017: Noch wird mit Büchern fast drei Mal so viel umgesetzt wie mit Computerspielen.

Game-Verband erneuert Forderung nach Förderung

Der Game-Verband hat natürlich eine Ursache für diese Entwicklung auserkoren – und um die zu erraten, braucht es nicht viel Fantasie. Tenor: Mit einer bundesweiten Games-Förderung wäre das nicht passiert. „Dringenden Handlungsbedarf“ gäbe es, diagnostiziert Verbands-Chef Felix Falk. Der im Koalitionsvertrag vereinbarte Games-Fonds müsse jetzt dringend umgesetzt werden, weil Deutschland hier „immense Wettbewerbsnachteile zu anderen Ländern“ habe. „Unser Vorschlag dafür liegt auf dem Tisch“, sagt Falk.

Als Beweisstücke führt der Game auch die hauseigenen Sales-Awards an, die ab 100.000 verkauften Stück vergeben werden. Awards 2017 für deutsche Teams: null – wobei zur Wahrheit gehört, dass „ELEX“ (erschienen im Herbst 2017) im April 2018 einen Award erhalten hat.

Förder-Länder wie Großbritannien und Frankreich können diesmal nicht als Kronzeugen dienen, denn sie kommen auf jeweils nur einen Award. Die meisten PC- und Konsolen-Blockbuster stammen aus den USA (7) und aus Japan (11) – hier hat Nintendo mit überaus erfolgreichen Switch-Exklusivtiteln entscheidend zum Sieg beigetragen.

Gelegenheit, die Politik auf die Misere hinzuweisen, gibt es bereits in wenigen Tagen – nämlich am 21. August 2018: Dann eröffnen NRW-Ministerpräsident und Unions-Präsidiumsmitglied Armin Laschet (CDU) sowie Dorothee Bär (CSU) – Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung – die Gamescom 2018.

Die 35 größten Games-Unternehmen in Deutschland (v1 / Stand: Juli 2018)
Die 35 größten Games-Unternehmen in Deutschland (v1 / Stand: Juli 2018)

 

 

 

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