Start Politik Hessen scheitert weiterhin an Computerspiele-Förderung

Hessen scheitert weiterhin an Computerspiele-Förderung

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) will insbesondere Entwickler von Serious Games fördern (Foto: HMWEVL)
Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) will insbesondere Entwickler von Serious Games fördern (Foto: HMWEVL)

Kultursommergärten statt Computerspiele-Förderung: Die hessische Landesregierung überlässt den Games-Standort weitgehend sich selbst.

Dem Games-Standort Hessen geht’s zu gut.

Anders lässt sich die anhaltende Bräsigkeit der schwarz-grünen Landesregierung mit Blick auf die hessische Games-Branche kaum interpretieren. Jüngstes Beispiel: Bei der Sitzung des Wiesbadener Landtags am 29. September 2020 musste sich Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) von SPD-Politiker Bijan Kaffenberger fragen lassen, was denn aus jenen 200.000 Euro geworden sei, die laut Haushaltsplan 2018 in die Förderung von Lehr- und Lernspielen („Serious Games“) fließen sollten.

Al-Wazir räumte ein, dass es bis heute keine Richtlinie gebe, auf deren Grundlage das Geld ausbezahlt werden könnte. Er hoffe aber sehr und sei zuversichtlich, dass dies bis Jahresende hinzubekommen sei – also innerhalb der kommenden acht Wochen.

Auf Nachfrage, ob er denn das vergleichsweise dünne Budget grundsätzlich für ausreichend halte, verwies der stellvertretende Ministerpräsident auf Firmen wie Crytek: „Glücklicherweise ist es in der Marktwirtschaft so, dass nicht nur das erfolgreich ist, was vom Staat gefördert wird.“ Man werde den Bereich „weiter sehr genau beobachten“ – ob zusätzliches Geld erforderlich sei, werde die Zukunft zeigen.

Und was ist nun mit dem budgetierten Geld passiert? „Wir haben in diesem Jahr aus diesem Geld anderes finanziert, zum Beispiel die Förderung der Kultursommergärten der Stadt Frankfurt, weil wir natürlich wollen, dass diese Mittel auch eingesetzt werden“, so Al-Wazir.

Während etablierte hessische Games-Mittelständler wie Deck 13, Assemble Entertainment, Keen Games, Cloud Imperium Games oder eben Crytek mutmaßlich auf die angelaufene Großprojekt-Förderung des Bundes schielen, gibt es für Startups und Indie-Teams analog zu Rheinland-Pfalz weiterhin keine dedizierte staatliche Anschubhilfe.

Zwar gehört die Rhein-Main-Region zu den wirtschaftlich potentesten Games-Regionen des Landes, was überwiegend den Konzern-Niederlassungen von Sony Interactive, Bandai Namco, Bethesda und Nintendo of Europe geschuldet ist. Für Games-Gründer und kleinere Studios ist der Standort-Nachteil allerdings frappierend, gerade im Vergleich zu Anrainern wie Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Bayern.

Immerhin: Der Zuschuss für die Preisträger beim German Dev Days Indie Award wurde aufrecht erhalten – 10.000 Euro hat das Wirtschaftsministerium zur Verfügung gestellt.

Computerspiele-Förderung 2019: Diese Bundesländer investieren am meisten in die Games-Entwicklung (Stand: 12.2.2020)
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