Start Wirtschaft Deck 13-Übernahme: „Wir brauchen in Deutschland mehr Respekt für die Games-Branche“

Deck 13-Übernahme: „Wir brauchen in Deutschland mehr Respekt für die Games-Branche“

Bleiben als Deck-13-Geschäftsführer langfristig an Bord: Jan Klose und Mathias Reichert (Fotos: Deck 13)
Bleiben als Deck-13-Geschäftsführer langfristig an Bord: Jan Klose und Mathias Reichert (Fotos: Deck 13)

Frankreich trifft Frankfurt: Die Deck-13-Chefs Jan Klose und Mathias Reichert über den neuen Eigentümer Focus Home Interactive, Zukunftspläne und die Erwartungen an die Politik.

An rührigen Mobile- und Onlinegames-Entwicklern herrscht in Deutschland wahrlich kein Mangel – doch die Studios, die große PC- und Konsolen-Titel mit 30, 40, 50 Mitarbeitern produzieren wollen (und können), lassen sich bequem an einer Hand abzählen.

Eines von ihnen: Deck 13 Interactive aus Frankfurt am Main.

Beschauliche Point & Click-Adventures wie in den Anfangsjahren produziert Deck 13 schon lange nicht mehr: Mit kernigen Ab-18-Action-Rollenspielen der „The Surge“-Reihe und eigenentwickelter Technologie spielt Deck 13 zunehmend international mit.

Seit dem heutigen Donnerstag ist nun offiziell, dass Deck 13 ab sofort unter französischer Flagge segelt: Der langjährige Publishing-Partner Focus Home Interactive kauft das preisgekrönte Frankfurter Studio und nimmt dafür mehr als 7 Millionen Euro in die Hand.

Das Deck-13-Management bleibt an Bord: Co-Gründer Jan Klose und Mathias Reichert führen die Geschäfte auch in Zukunft.

Gegenüber GamesWirtschaft erklären die Deck-13-Kapitäne exklusiv, wie sie ihr Unternehmen durch die kommenden Jahre zu manövrieren gedenken – und was sich für das 60köpfige Team am Standort Frankfurt ändert.

Deck-13-Übernahme: „Focus Home ist extrem zuverlässig und geht total gut mit Entwicklern um.“

GamesWirtschaft: Deck 13 gehört zu den wenigen unabhängigen Groß-Studios in Deutschland. Wie leicht oder schwer ist es euch gefallen, die Kontrolle über das Unternehmen gerade jetzt – nach fast 20 Jahren – abzugeben?

Klose: Ich glaube, dass wir das nur tun konnten, weil wir das Gefühl haben, einen sehr vertrauenswürdigen Partner gefunden zu haben, der sehr ähnlich denkt und die gleichen Ziele hat wie wir.

Wir arbeiten mit den Kollegen aus Frankreich ja schon seit vielen Jahren und mittlerweile am dritten gemeinsamen Projekt zusammen und daraus hat sich im Laufe der Zeit eine sehr vertrauensvolle und erfolgreiche Partnerschaft entwickelt.

Ihr arbeitet üblicherweise mit voller Mannstärke an jeweils einem großen Spiel, zuletzt „The Surge“ und „The Surge 2“. Was bedeutet die Übernahme für das Team, den Standort Frankfurt, eure selbst entwickelte Engine und euer künftiges Portfolio?

Klose: Wir hoffen, dass uns die Übernahme hilft, das Team weiter zu entwickeln. Als Teil eines größeren Unternehmens haben wir jetzt die Möglichkeit, langfristiger und strategischer zu planen.

Frankfurt war und bleibt natürlich unsere Heimat, dazu gab es auch gar keine Diskussionen mit Focus. Unser Büro haben wir ja erst vor kurzem bezogen, hier fühlen wir uns total wohl.

Auch unsere Engine verwenden wir weiter, sie ist der Kernbestandteil des neuen Projektes, an dem wir arbeiten. In der Zukunft werden wir neue Projekte mit Sicherheit viel enger mit Focus abstimmen. Focus ist sehr erfolgreich in der Vermarktung von RPGs (Rollenspiele, Anm. d. Red.), und das ist auch unser Lieblings-Genre, in dem wir weiterhin arbeiten möchten.

Wie sieht die Zukunft für eure Indie-Publishing-Sparte aus, wo es ja mutmaßlich Überschneidungen mit den Aufgaben von Focus Home gibt?

Klose: Die Überschneidungen gibt es, aber eigentlich nur im positiven Sinne. Wie Focus auch in der Pressemitteilung klar gemacht hat, sind sie sehr interessiert daran, den Spotlight-Publishing-Bereich mit uns weiter auszubauen. Focus bekommt viele Projekte angeboten und einige sind für deren Maschinerie einfach zu klein.

Da könnten wir uns durchaus vorstellen, künftig das Publishing zu übernehmen und Content und Releases abzustimmen, aber das müssen wir alles demnächst noch besprechen.

Deck-13-Übernahme: “Ihr macht die Games, wir vermarkten sie.”

Ihr betont die außergewöhnlich vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Focus Home. Wie macht sich dieses wechselseitige Vertrauen in der Praxis bemerkbar?

Klose: Ganz zu Beginn unserer Gespräche, als wir Focus kennenlernten, war eines der Argumente unserer Gesprächspartner: “Ihr macht die Games, wir vermarkten sie.”

Damit war gemeint, dass sich jeder auf seine Aufgaben konzentriert. Wir haben extrem hohe kreative Freiheit, und Focus unterstützt uns mit einer sehr konstruktiven Herangehensweise dabei, die Qualität zu steigern und die Projektziele zu erreichen. Wir auf der anderen Seite können Vermarktung und Vertrieb ganz in die Hände von Focus geben.

Reichert: Focus ist extrem zuverlässig und geht total gut mit Entwicklern um. Wir haben auf Messen und Konferenzen viele Teams kennengelernt, die ebenfalls mit Focus zusammenarbeiten, und alle loben Focus in höchsten Tönen.

Auch wenn es mal etwas holprig läuft, sucht Focus stets nach Lösungen und ist flexibel. Andere Publisher stellen ja schnell mal die Zahlungen ein. Was nicht hilft, um ein Projekt fertigzustellen.

Ausgezeichnet: Für "Lords of the Fallen" gab es 2015 gleich zwei Trophäen beim Deutschen Computerspielpreis.
Ausgezeichnet: Für „Lords of the Fallen“ gab es 2015 gleich zwei Trophäen beim Deutschen Computerspielpreis.

Ihr als Management-Team habt euch verpflichtet, langfristig an Bord zu bleiben. Wie werden sich euer beiden Aufgaben in Zukunft verändern? Werdet ihr euch beispielsweise noch stärker in die Spiele-Entwicklung einklinken?

Klose: In meiner Rolle als Creative Director war ich sowieso immer recht nah an der Entwicklung und denke daher, dass sich in dieser Hinsicht nicht allzu viel ändern wird.

Ich denke trotzdem, dass uns der Zusammenschluss dabei helfen wird, auch weiter unsere Aufgabenverteilung und Prozesse im Bereich der Entwicklung zu verbessern.

Reichert: Ich bin ja für alles Organisatorische verantwortlich und meine Aufgaben werden sich schon ein wenig ändern. Statt Business Development werde ich nun mehr Reporting machen. Wir freuen uns riesig auf die engere Zusammenarbeit.

Die Chemie zwischen uns und dem Focus-Management stimmt einfach. Und es ist schon etwas Besonderes für uns, mit der deutschen Games-Industrie-Legende Jürgen Goeldner zusammen zu arbeiten, der übrigens Verhandlungsführer bei Focus bei der Übernahme war.

Deck-13-Gründer Jan Klose: „Wir brauchen in Deutschland mehr Respekt für die Games-Branche“

Ihr seid seit Jahrzehnten in der deutschen Games-Branche vernetzt und gebt euer Wissen auf Konferenzen und in Video-Podcasts weiter. Welche Art Unterstützung würdet ihr euch von Bund, Land und Stadt wünschen, damit noch mehr und bessere Spiele in Deutschland entstehen?

Klose: Da bleibe ich bei dem, was ich schon seit vielen Jahren sage: Wir brauchen in Deutschland mehr Respekt für die Games-Branche – das muss sich finanziell sowie auch kulturell zeigen.

Anfänge werden ja glücklicherweise gemacht, aber noch immer vermisse ich den starken Willen und aktive Unterstützung, um endlich mehr aus diesem innovativen Geschäftsfeld zu machen.

Die Übernahme fällt mitten in eine globale Pandemie – euer Team ist überwiegend im Home-Office. Wird es trotzdem eine amtliche Party geben?

Reichert: Wir werden ordentlich feiern, aber wir wissen noch nicht, wo, wie und wann. Focus hat ein Team gekauft und das muss entsprechend mit dem ganzen Team gefeiert werden.

Da wir nicht warten können und wollen, bis Corona verschwunden ist, werden wir uns jetzt mal eine besondere Party überlegen.

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