Start Meinung Fröhlich am Freitag 26/2020: Die Rückkehr der Publisher

Fröhlich am Freitag 26/2020: Die Rückkehr der Publisher

Deck-13-Action-Spiel
Deck-13-Action-Spiel "The Surge 2": Das Frankfurter Studio ist ab sofort Teil von Publisher Focus Home Interactive (Abbildung: Deck 13)

Braucht es noch Publisher überhaupt noch? Oh ja – mehr denn je. Denn egal ob Mobilegame oder PlayStation-5-Spiel: Spiele-Entwicklung wird komplexer – und teurer.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

es ist noch nicht lange her, da galten Spiele-Publisher – also das Pendant zu Buch-, Musik- und Filmverlagen – fast schon als Geächtete. Tenor: Die Kreativen würden über den Tisch gezogen, sie müssten all ihre Rechte abgeben und würden mit Witz- und Winz-Tantiemen abgespeist. Und überhaupt: all die faulen Kompromisse und das Reingequatsche von Leuten, die kei-ne Ah-nung haben!

Der Sound der Predigten von den Konferenz-Kanzeln: Leute, nie war es so easy, Games zu bauen! Löst euch von den Fesseln der Publisher, seid euer eigener Herr, macht alles selbst! Verkauft ab Werk! Stellt eure Spiele direkt in den Appstore oder auf Steam – wenn das Spiel was taugt, kommen Spieler, Anerkennung und Kohle quasi von selbst. Zur Not halt irgendwas mit Crowdfunding.

Spoiler: Das ging schief. Zumindest oft.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Was wir stattdessen sehen: Immer mehr kleine, mittlere, große, teils über Jahrzehnte unabhängige Studios binden sich auf Dauer an finanzkräftige Publisher – wahlweise durch Beteiligung oder Übernahme. Jüngstes Beispiel vom gestrigen Donnerstag: Deck 13 aus Frankfurt.

Warum? Weil jahrelange Entwicklung plus globales Marketing, PR, Vertrieb inklusive Übersetzungen in führende Weltsprachen plus steigende Kosten durch größere Teams und Konsolen-Generationswechsel-Schmerzen ab einem bestimmten Punkt ungefähr jede mittelständische Struktur überfordern. Selbst florierende Mobilegames-Startups wie Kolibri Games tauschen Unwägbarkeit gegen Planbarkeit – indem sie unter das Dach eines Milliardenkonzerns wie Ubisoft schlüpfen.


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Wer Kunstwerke erschaffen will, muss zunächst ein guter Handwerker sein. Zusätzlich braucht es aber einen Mäzen, der an eine Idee glaubt und sie vorfinanziert – an diesem Punkt unterscheiden sich Spiele-Entwickler nicht von Michelangelo und Mozart. Eher selten reicht das Ersparte – und Bundes- und Landes-Subventionen gibt es nicht geschenkt, erst recht nicht schnell. Die gute, alte Arbeitsteilung zwischen einem Entwickler (der entwickelt) und einem Publisher (der publisht) hat also viel Schönes, weil sie die finanziellen und administrativen Zwänge der Kreativen lindert. Genauer: lindern kann.

Gleichzeitig wollen weder Sony noch Ubisoft noch Focus Home Interactive riskieren, ihre fähigsten Partner bei nächster Gelegenheit an den Mitbewerb zu verlieren. Deshalb wird weiter zugekauft.

Natürlich ist ein solventer Investor oder Mutterkonzern weder Erfolgsgarant noch alternativlos – es ist völlig legitim, es als lupenreiner Indie weiterhin auf eigene Faust zu versuchen. Nur: Wenn das erste Halbjahr 2020 ein Indiz ist, dann werden wir bis Jahresende noch mindestens zwei, drei weitere solcher Übernahmen und Beteiligungen erleben. Erinnern Sie mich gerne kurz vor Weihnachten an diese Prognose.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen und Gastbeiträge finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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