Start Politik Glücksspiel-Werbung: Schleswig-Holstein beharrt auf Sonderweg (Update)

Glücksspiel-Werbung: Schleswig-Holstein beharrt auf Sonderweg (Update)

Schleswig-Holstein (Abbildung ähnlich) hält am Sonderweg mit Blick auf die Glücksspiel-Regulierung fest (Foto: GamesWirtschaft)
Schleswig-Holstein (Abbildung ähnlich) hält am Sonderweg mit Blick auf die Glücksspiel-Regulierung fest (Foto: GamesWirtschaft)

Die „wunderbare Casino-Welt“ von Anbietern wie Wunderino oder DrückGlück richtet sich nur an Glücksspieler in Schleswig-Holstein – soweit die Theorie.

Update vom 19. September 2019: Laut dpa-Meldung hat sich Schleswig-Holsteins Landesregierung aus CDU, Grünen und FDP zusammen mit der Opposition der SSW auf eine einheitliche Position zum Thema Glücksspiel verständigt. Demnach will sich das Bundesland für eine staatliche Regulierung und Überwachung des Online-Glücksspiel-Markts einsetzen – auch, um Betrug und Geldwäsche zu unterbinden. Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) wird mit den Worten zitiert, es sei Pflicht der Politik, den legalen entgeltlichen Spielkonsum „auf einen angemessenen Umfang zu beschränken“.

Meldung vom 16. September 2019: Wer es versäumt, rechtzeitig aus TV-Werbepausen herauszuzappen, entkommt ihnen nur schwerlich: Spots, die für Online-Casinos wie „Wunderino“ oder „DrückGlück“ werben. Der Deal: 10 Euro einzahlen – mit 50 Euros spielen. Off-Sprecher und Text weisen pflichtschuldig darauf hin, dass sich das Angebot nur an die etwas mehr als 2 Millionen volljährigen Spieler in Schleswig-Holstein richtet – nicht aber an den Rest der Republik.

Der Grund für diese außergewöhnliche Klausel: Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, das bis auf Weiteres Online-Glücksspiel-Genehmigungen erteilt. Zwölf Lizenznehmer listet die Website der Landesregierung derzeit, darunter bekannte Marken wie Pokerstars, Merkur, Löwen Play und Tipico (respektive deren Auslands-Töchter).

Die deutsche Rechtslage ist eindeutig: Ein Staatsvertrag (GlüStV) verbietet das „Veranstalten und Vermitteln öffentlicher Glücksspiele im Internet“. Die sechzehn Bundesländer streiten seit Jahren um eine grundlegende Glücksspiel-Reform, explizit mit Blick auf Online-Angebote und Apps. Die schwarz-gelb-grüne Landesregierung von Schleswig-Holstein hat mit den Stimmen von FDP, AfD und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) die Ausnahmeregelung bis zum Ende der Laufzeit des derzeitig gültigen Staatsvertrag im Juni 2021 verlängert.

Das Problem: Offiziell gilt die Zulassung nur für die im TV beworbenen Angebote wie Drückglück.de und Wunderino.de. Wer diese Websites ansteuert, erfährt zum Beispiel: „Diese Spieleplattform ist nur für Bewohner von Schleswig-Holstein.“ Wer aber nach „Drück Glück“ oder „Wunderino“ googelt, landet auf einer deutschsprachigen Unter-Seite der .com-Domain – außerhalb des Zugriffsbereichs der hiesigen Behörden. Dort können auch Nutzer außerhalb Schleswig-Holsteins zocken, und zwar mit Echtgeld. Geschäftspartner in beiden Fällen ist die Muttergesellschaft mit Sitz auf Malta. Die Mittelmeer-Insel ist für die großzügige Regulierung des Glücksspiel-Wesens bekannt.

Der Vorgang stößt auf zunehmende Kritik befreundeter Behörden: Laut Norddeutschem Rundfunk (NDR) hat die Hamburger Glücksspiel-Aufsicht die Kollegen in Kiel in forschen Worten aufgefordert, die bundesweite TV-Werbung zu unterbinden. Das Land Schleswig-Holstein verteidigt das Vorgehen und will daran festhalten – mit Verweis auf Jugendschutz und Suchtprävention. Nur mit legalen Angeboten könne man den prosperierenden Online-Glücksspiel-Grau- und Schwarzmarkt in den Griff bekommen – und natürlich an Steuereinnahmen partizipieren.

Kommt es zu einer Liberalisierung des Online-Glücksspielmarkts, hätte dies auch Auswirkungen auf die deutsche Computerspiele-Industrie. Bislang müht sich die Entwickler-Landschaft um eine scharfe Abgrenzung zum Glücksspiel-Wesen, nicht nur mit Blick auf die umstrittenen Lootboxen. So hat der Branchenverband BIU (inzwischen: Game) die Mitgliedschaft einer Tochter-GmbH des Automaten-Riesen Gauselmann rückabgewickelt.

Gleichwohl gibt es eine Reihe von Unternehmen, die schon jetzt im schmalen Fenster zwischen Gaming und Gambing aktiv sind, etwa der Hamburger Spielehersteller Whow Games: Statt Geldpreisen werden Ingame-Chips und geldwerte Sachpreise (Spielkonsolen, Notebooks, Tablets) ausgelobt. Im Dezember 2018 wurde außerdem das Berliner Mobilegames-Studios Wooga vom israelischen Anbieter Playtika („Caesars Casino Online“, „Slotomania“, „Poker Heat“) übernommen.

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