
Microsoft ist offenkundig nicht in der Lage, angemessene Preispunkte für Games-Produkte zu setzen. Jüngstes Beispiel: der Xbox Game Pass Ultimate.
Ein Kommentar von Petra Fröhlich
Zumindest in einer Disziplin ist Microsoft allen Mitbewerbern klar überlegen: Niemand sonst ist so gut darin geübt, die Gaming-Kundschaft mit überzogenen Preisvorstellungen zu konfrontieren – um dann kurze Zeit später angemessen zerknirscht zurückzurudern.
- Beweisstück 1: Anfang 2021 sollten der dereinst noch separat erhältliche Online-Multiplayer-Dienst Xbox Live Gold deutlich teurer werden – von 6,99 € auf 8,99 € pro Monat. Nicht dramatisch, möchte man meinen, doch die Reaktionen waren verheerend. Nur wenige Stunden räumte der Konzern ein: „Wir haben es verbockt – und ihr hattet völlig recht, uns das wissen zu lassen. Das Verbinden und Spielen mit Freunden ist integraler Bestandteil des Gamings und wir sind daran gescheitert, die Erwartungen der Spieler zu erfüllen, die sich darauf tagtäglich verlassen.“
- Im Juli 2025 hat Microsoft das Obsidian-Rollenspiel The Outer Worlds 2 zu einem Premium-Preis von 79,99 € ins Schaufenster gestellt – nur um kurze Zeit später den Vorbesteller-Preis auf 69,99 € zu korrigieren. Die Fans rebellierten; der Preis war nicht durchsetzbar.
- Und am gestrigen Dienstag wurde dieses ‚Geschäftsmodell‘ um eine weitere Facette erweitert: Denn die Preiserhöhung für die Spiele-Flatrate Xbox Game Pass Ultimate vom Oktober 2025 wird zumindest in Teilen zurückgenommen. Damals stieg die Monatsgebühr von 17,99 € auf 26,99 € – ab dem heutigen Mittwoch sind es 20,99 €.
Umgerechnet aufs Jahr sinkt die Rechnung damit von 323,88 € auf immer noch stolze 251,88 €. Die Differenz von 72 € entspricht roundabout dem Preis für den Einzelkauf von Call of Duty, das alljährlich im Spätherbst erscheint. Und schon wird klar, wie Microsoft die Preissenkung refinanziert: Die neueste Ausgabe des Ego-Shooters ist nämlich künftig nicht mehr im Ultimate-Preis inklusive – wodurch eines der zentralen Produktversprechen des Xbox Game Pass immer weiter ausgehöhlt wird.
Bedeutet in der Praxis: Wer Call of Duty gar nicht nutzt, der soll künftig nicht für Call of Duty mitzahlen müssen. Für Call of Duty-Ultras (die ja oft nur wenig anderes spielen) ändert sich hingegen praktisch nichts – zumindest preislich. Fürs reine Online-Zocken ‚reicht‘ theoretisch auch der Essential-Tarif für 8,99 € / Monat.
Die Blockbuster-Marke ist das Kronjuwel im Microsoft-Sortiment– und hat ihrerseits mit Problemen zu kämpfen. Die jüngste Folge Black Ops 7 legte weltweit einen dramatisch schlechten Verkaufsstart hin, von dem sich das Spiel in der Folge nicht wieder erholte. Was auch an der starken Performance der Konkurrenz lag – der Abstand zu Battlefield 6 ist ein Klassenunterschied.
Kurzum: Call of Duty war zuletzt kein Game-Pass-Verkäufer, sondern auch auf qualitativer Ebene ein Schlag ins Kontor. Das muss sich wieder ändern.
Unterdessen ist der Umbau-Prozess im Game Pass-Universum nicht abgeschlossen: Man werde aus den Rückmeldungen „lernen“ und das Angebot weiterentwickeln, schreibt Xbox Games-Chefin Asha Sharma auf X.
Ein mögliches ‚Learning‘ könnte sein, maßgeschneiderte und preislich attraktivere Pakete anzubieten, die einzelne Zielgruppen abholen – Familien, Strategiespieler, Indie-Gourmets, Sport- und Rennspiel-Fans.
Denkbar ist auch, dass weitere Nice-to-have-Komponenten herausgelöst werden, die für zu wenige Kunden einen Mehrwert darstellen – EA Play, Ubisoft+ Classics, Fortnite Crew, Rewards, all sowas. Amazon ist beim Streaming-Dienst Luna bereits diesen Schritt gegangen.
Meine Interpretation: Mit dem gestrigen Tag verabschiedet sich Microsoft von der All-inclusive-Strategie. Das Day-One-Versprechen galt schon seit Oktober nur noch für den teuersten Abo-Tarif. Jetzt rückt der Einzelkauf plötzlich wieder in den Fokus, der eigentlich schon als Auslaufmodell im Netflix- und Spotify-Zeitalter galt. Auf die ‚Ausnahme‘ Call of Duty könnten demnächst weitere Fußnoten folgen.












