
Nicht nur Schoko-Osterhasen werden immer teurer – auch Spielkonsolen entwickeln sich von einem Must-Have zunehmend zu einem Muss-das-sein.
Verehrter GamesWirtschaft-Leser,
verehrte GamesWirtschaft-Leserin,
zwischen Ankündigung und Umsetzung vergingen nur wenige Tage: Um Punkt 12 Uhr sind heute die Ziffern auf den Preisschildern umgesprungen. Seit Mitternacht gelten bundesweit höhere Preise für alle Baureihen der PlayStation 5 – um satte 100 € pro Stück hat Sony die Tarife erhöht.
Für jene, die den Markt schon länger verfolgen, muss sich dieser Vorgang wie ein Fehler in der Matrix anfühlen. Denn ’normalerweise‘ schmelzen die Konsolen-Preise entlang des Lebenszyklus wie Schoko-Osterhasen in der Frühlings-Sonne, weil erstens die Hardware altert und zweitens preissensible Zielgruppen freigeschaltet werden sollen. Aber was ist in diesen wilden Zeit schon ’normal‘?
Und so kommt es, dass eine PlayStation 5 Digital Edition zur Markteinführung im November 2020 für 399 € zu haben war – jetzt liegt die UVP bei 599 €. Ein ‚Wertzuwachs‘ von 50 Prozent – das ist mal eine Rendite. Wer zum PS5-Launch stattdessen Sony-Aktien für 400 € gekauft hat, liegt nur 20 Prozent im Plus.

Sony begründet die Maßnahme wolkig mit dem „anhaltenden Druck auf die globale Wirtschaftslage“. Dahinter verbirgt sich mutmaßlich ein toxischer Cocktail aus Wechselkursen, gestörten Lieferketten, KI-bedingten Ausverkäufen bei Speicherchips und höheren Kosten für Logistik, weil es tagtäglich teurer und komplizierter wird, die Konsole aus China nach Europa oder in die USA zu verschiffen.
Zeitpunkt und Preissprung hat Sony Interactive sicherlich nicht grundlos gewählt:
- Erstens: Die PlayStation 5 ist hat ihren Zenit messbar überschritten. Anstelle von Hardware-Verkäufen steht nun die ‚Optimierung‘ der Umsätze pro Kunde im Mittelpunkt, wie die saftigten Preiserhöhungen für PlayStation Plus zeigen. Sony macht da auch keinen Hehl draus.
- Zweitens: Bis zum nächsten großen PS5-Blockbuster Marvel’s Wolverine im September und erst recht bis zu Grand Theft Auto 6 im November vergehen noch viele Monate – in der Zwischenzeit ist ohnehin nicht mit großen Impulsen an der Spiele-Front zu rechnen, die größere Hardware-Stückzahlen bewegen.
- Und drittens: Der 100-€-Hammer dürfte einen gewissen Risiko-Aufschlag enthalten, um nicht bei nächster Gelegenheit in 50-€-Tippelschritten nachbessern zu müssen. Entlang der jüngsten Quartalszahlen hatte Sony noch getönt, man habe sich hinreichend mit Speicherchips für das kommende Geschäftsjahr eingedeckt. Es hat offenbar nicht gereicht, um kostendeckend zu produzieren.
Für die globale und damit auch für die deutsche Games-Branche inklusive Studios, Publisher und Handel ist der Sony-Hammer natürlich ein Desaster. Denn jede Konsole, die unverkäuflich im Regal bleibt, schlägt direkt durch auf Zubehör, Online-Services, In-Game-Käufe und den Einzelkauf von Computerspielen, der in Deutschland zuletzt um 13 Prozent eingebrochen ist.
Und: 900 € für eine PlayStation 5 Pro sind nicht mehr weit entfernt von jener Marke, über die der mittlerweile emeritierte Xbox-Boss Phil Spencer einst urteilte: Mit 1.000-$-Konsolen wird sich der Markt nicht vergrößern lassen. Die einen wollen sich das nicht leisten – die anderen können nicht. Wie wir an dieser Stelle schon mit Blick auf die Xbox-Preiserhöhungen festgestellt haben: Gaming wird vom Hobby zum Luxus.
Immerhin: Anders als bei den Spritpreisen hält sich die öffentliche Erregung in Grenzen. Ein Grund: Wer will, der hat. In den vergangenen fünfeinhalb Jahren gab es mehr als genügend Gelegenheiten, um die Sony-Konsole zu vertretbaren Preisen erwerben.
Deshalb erübrigen sich folglich auch politische Ad-hoc-Maßnahmen wie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Videospiele, ein Spielzeit-Limit auf Daten-Autobahnen oder eine Erhöhung der Zocker-Pauschale.
Ein fantastisches Osterwochenende wünscht Ihnen
Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft
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