Start Meinung Microsofts Bethesda-Deal: Die Abo-Kalypse des Vollpreis-Spiels (Kommentar)

Microsofts Bethesda-Deal: Die Abo-Kalypse des Vollpreis-Spiels (Kommentar)

Phil Spencer, Chef der Xbox-Sparte bei Microsoft
Phil Spencer, Chef der Xbox-Sparte bei Microsoft

Für einen Milliarden-Betrag kauft Microsoft den Spiele-Hersteller Zenimax Media inklusive Bethesda. Was bedeutet das für Branche und Verbraucher? Petra Fröhlich kommentiert.

Sind Doom, Fallout und The Elder Scrolls fast genauso viel wert wie Darth Vader plus Spider-Man samt der Avengers?

Microsoft hat diese Frage offenkundig mit „Ja“ beantwortet. Denn der Kaufpreis von 7,5 Milliarden Dollar für Bethesda entspricht annähernd jenem Betrag, den Disney in Summe für Marvel und Star Wars ausgegeben hat.

Gerechnet hat damit ungefähr niemand, das zeigen die Reaktionen auf den Deal. Microsoft ist damit ein echter Coup gelungen und hat es obendrein geschafft, die Meldung ungespoilert und passgenau am Tag vor dem Vorverkaufsstart der Xbox Series X zu platzieren.

Bethesda-Übernahme: Microsoft braucht Stoff für Xbox Game Pass

Das XXL-Investment ist naheliegend und ergibt in jeder Hinsicht Sinn: Denn ähnlich wie Netflix, Amazon Prime Video, HBO und eben auch Disney braucht Microsoft dringend konstanten Premium-Nachschub für die eigenen Abo-Kanäle, in diesem Fall für den Xbox Game Pass.

Mit acht zusätzlichen Studios ist genau das gewährleistet. Da wird nicht jeden Monat ein neues Fallout und erst recht kein The Elder Scrolls herausspringen, aber die Botschaft ist klar: ‚Werde / bleibe Xbox-Kunde, dann bist du auf der sicheren Seite‘.

Der Xbox Game Pass Ultimate wird damit noch ultimativer, als er ohnehin schon war und ist. Denn die Greatest Hits von Electronic Arts sind demnächst ja auch noch serienmäßig. Logische Folge: Seit dem Frühjahr ist die Zahl der Game-Pass-Abonnenten um 50 Prozent gestiegen – von 10 auf 15 Millionen.

Zusammen mit der laufwerklosen Xbox Series S sind das gleich zwei schlechte Nachrichten für den ohnehin angeknockten Videospiele-Einzelhandel: Die Abo-Kalypse des Vollpreis-Spiels naht.

Dies wird mittelfristig auch Steam zu spüren bekommen: Dort galt Bethesda auch 2019 als einer der umsatzstärksten Publisher.

Nach Xbox-Deal: Kommen Bethesda-Spiele auch für PlayStation?

Die Frage, die seit gestern viele umtreibt: Erscheinen die großen Bethesda-Spiele künftig überhaupt noch für PlayStation 4 und 5? Und wenn ja – zeitgleich?

Prognose: Sehr wahrscheinlich.

Aber im Grunde ist das auch schon fast egal. Denn selbst bei einer Multiplattform-Veröffentlichung auf Xbox, PC und PlayStation 4/5 ist es immer noch so, dass der PlayStation-5-Kunde 70 bis 80 Euro zu investieren hat (die in weiten Teilen an Microsoft gehen), während der Xbox-Kunde für monatlich 13 Euro dieses und Hunderte weiterer Spiele unverbindlich anspielen kann.

Mit Ghostwire: Tokyo und Deathloop gibt es zwei Bethesda-Projekte, die exklusiv für die konkurrierende PlayStation 5 entwickelt werden. Diese Vereinbarungen werden noch seriös abgewickelt, daran hat Xbox-Chef Phil Spencer keinen Zweifel gelassen. Alle weiteren Bethesda-Spiele sind dann zwangsläufig immer und grundsätzlich für Xbox und PC erhältlich – und im Einzelfall auch „für andere Konsolen“.

Schlägt Microsoft doch noch bei Warner zu?

Klar ist auch: Bethesda wird nicht der letzte Microsoft-Zukauf gewesen sein. Dass der Software-Riese unter den Interessenten für Warner Bros. Games (Hogwarts Legacy, Batman: Arkham Knight) war, galt als offenes Geheimnis. Und wer weiß, ob es mittelfristig nicht doch noch dazu kommen wird. Bei kolportierten 4 Milliarden Dollar lagen zuletzt die Preisvorstellungen.

Allzu viele andere Studios aus dem obersten Regal gibt es nicht mehr auf dem freien Markt. Neben Warner gehört dazu CD Projekt Red (Cyberpunk 2077, The Witcher 3), möglicherweise auch das eine oder andere japanische Unternehmen.

Wenn es Microsoft darauf anlegt, wären aber selbst Take Two Interactive inklusive Rockstar Games (Red Dead Redemption, GTA) oder ein Ubisoft (Far Cry, Assassin’s Creed) stemmbar – am Kleingeld wird es nicht scheitern.

Xbox-Strategie: Das richtige Paket zum richtigen Zeitpunkt

Für die anstehende Auseinandersetzung mit Sonys PlayStation 5 ist Microsoft jedenfalls optimal aufgestellt – mit einer klaren Strategie, einem Rudel anerkannt fähiger Studios, Weltklasse-Marken, einem florierenden Abo-Modell, einer marktführenden Cloud-Infrastruktur, einer zukunftssicheren Spielkonsole und einem 299-Euro-Einsteigermodell, das sich zumindest auf dem US-Markt für 25 Dollar pro Monat abstottern lässt. Der Xbox Game Pass Ultimate und damit alle (!) Bethesda-Spiele sind bereits inklusive.

Gerade dann, wenn man den pandemie-bedingten Wirtschaftseinbruch und den damit einhergehenden Kaufkraft-Verlust einkalkuliert, ist dies das richtige Paket zum richtigen Zeitpunkt – zumal der Mitbewerb mindestens 400 Dollar/Euro plus 80-Dollar-/Euro-Spiel aufruft.

Bis vor ein paar Jahren lief mächtig viel schief im Xbox-Universum – derzeit macht Microsoft Vieles richtig.


Die Xbox Series S beziehungsweise Xbox Series X ist seit heute (22.9., 9 Uhr) vorbestellbar.

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