Start Wirtschaft Marktanteil deutscher Spiele im Inland fällt auf 4,3 Prozent

Marktanteil deutscher Spiele im Inland fällt auf 4,3 Prozent

Das 2017 erschienene Piranha-Bytes-Rollenspiel
Das 2017 erschienene Piranha-Bytes-Rollenspiel "ELEX" war das einzige deutsche PC- und Konsolenspiel, das 2018 im Inland mehr als 100.000 Stück abgesetzt hat (Abbildung: Piranha Bytes)

Nur 4,30 Euro von 100 Euro Spiele-Umsatz in Deutschland entfallen auf deutsche Games. Der Branchenverband ist alarmiert – und fordert staatliche Interventionen.

Für Helene Fischers CD- und Ticketverkäufe oder einen Kinofilm wie „Der Junge muss an die frische Luft“ hat der deutschsprachige Raum natürlich überragende Bedeutung – doch bei PC- und Konsolenspielen oder Spiele-Apps made in Germany sieht die Lage völlig anders aus.

Denn im Unterschied zu Film und Musik sagt hier der innerdeutsche Umsatz wenig bis nichts über den tatsächlichen kommerziellen Erfolg eines Titels oder eines Unternehmens aus. Schließlich werden Games weltweit vertrieben und oft in über ein Dutzend Sprachen übersetzt – mancher Berliner oder Hamburger Spiele-Mittelständler erzielt in Lateinamerika oder in den USA viel höhere Einnahmen als in Europa.

Nichtsdestoweniger sind die neuesten Marktdaten beunruhigend, die der Industrieverband Game im Vorfeld der Gamescom 2019 auf Basis von GfK-Daten und -Hochrechnungen veröffentlicht. Demnach ist der Marktanteil deutscher Spiele-Hersteller im Inland erneut gesunken, und zwar von 5 Prozent (2017) auf 4,3 Prozent (2018). Dieser Trend hält bereits seit mehreren Jahren an.

3,1 Milliarden Euro wurden 2018 mit Games in Deutschland umgesetzt (ohne Online-Dienste und Hardware) - der Marktanteil von Spielen made in Germany liegt bei 4,3 Prozent (Stand: August 2019)
3,1 Milliarden Euro wurden 2018 mit Games in Deutschland umgesetzt (ohne Online-Dienste und Hardware) – der Marktanteil von Spielen made in Germany liegt bei 4,3 Prozent (Stand: August 2019)

Game-Geschäftsführer Felix Falk macht folgende Rechnung auf: „Von 100 Euro, die für Games ausgegeben werden, bleiben gerade noch 4,30 Euro bei Unternehmen in Deutschland. Das ist ein deutliches Alarmsignal.“ Während der Markt wächst, spielen Entwicklungen deutscher Unternehmen daher – O-Ton – „kaum eine Rolle“.

Anders formuliert: Fast 96 von 100 Euro Spiele-Umsatz werden importiert.

Ursächlich für die Misere seien die schlechten Rahmenbedingungen für deutsche Spiele-Entwickler. Dadurch werde verhindert, dass international konkurrenzfähige Spiele entstehen könnten. Falk fordert abermals Planungssicherheit mit Blick auf Subventionen der Bundesregierung: Nur via staatlicher Computerspiele-Förderung sei es möglich, zu führenden Games-Ländern aufzuschließen. Für 2019 waren zu diesem Zweck 50 Millionen Euro eingeplant – für 2020 ist das Schicksal der Förderung völlig offen.

Dass in Deutschland zu wenige Computerspiele auf Weltklasse-Niveau entstehen, schlägt mittlerweile auch auf den Arbeitsmarkt durch: Die Beschäftigtenzahlen in der Games-Industrie sind rückläufig.

Besonders prekär ist die Lage weiterhin im Bereich der PC- und Konsolenspiele: Software im Wert von weit über einer Milliarde Euro wurde 2018 in Deutschland im Einzelhandel und via Download verkauft – gerade einmal 11,6 Millionen Euro entfallen davon auf deutsche Spiele. Das entspricht einem Anteil von 1,1 Prozent. Der „Rest“ geht buchstäblich auf das Konto von Spider-Man, Super Mario und anderen Videospiel-Helden aus Japan, den USA oder Kanada.

Games-Umsatz 2018 in Deutschland - im Vergleich zu Musik und Film (Stand: April 2019)
Games-Umsatz 2018 in Deutschland – im Vergleich zu Musik und Film (Stand: April 2019)

Auf den ersten Blick erfreulicher sah es 2018 bei den Online- und Browsergames aus, wo der deutsche Marktanteil bei immerhin 13 Prozent liegt – im Vorjahr waren es allerdings noch 17 Prozent. In diesem Bereich haben deutsche Studios seit Anfang der 2000er-Jahre eine gute Marktposition und erreichen so weiterhin ein großes Publikum, auch im Inland. Anbieter wie Gameforge, InnoGames und Goodgame Studios erwirtschaften zwischen 20 und 30 Prozent ihrer Einnahmen in Deutschland, beim Bamberger Spiele-Entwickler Upjers sind es sogar mehr als 60 Prozent.

InnoGames ist das einzige heimische Studio, das es mit einer Spiele-App („Forge of Empires“) in die Top 20 der umsatzstärksten Mobilegames in Deutschland 2018 geschafft hat.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Das Spielejahr 2018 ist aus vielen Gründen ein Sonderfall, wie auch die gesunkenen Einreichungen und das Qualitäts-Niveau beim Deutschen Computerspielpreis 2019 dokumentieren. Schon jetzt ist absehbar: Die 2019-Bilanz wird spektakulär besser ausfallen. Das lässt sich zum Beispiel an guten Zahlen von „ANNO 1800“ und „Tropico 6“ festmachen (beide mit Serien-Bestwerten gestartet), aber auch an noch ausstehenden Veröffentlichungen wie „The Surge 2“, „Desperados 3“ und vielen weiteren Neuheiten. Bei Verkaufszahlen jenseits von 200.000 Stück und einem Durchschnittspreis von 50 Euro wird alleine schon „ANNO 1800“ dafür sorgen, dass der 2018-Wert deutlich übertroffen wird.

Deutsche Games-Marktanteile 2018 im Überblick (Stand: 12.8.2019)

Gesamtmarkt: 135 Mio. Euro von 3,1 Mrd. Euro = 4,3 %

  • davon PC- und Konsolenspiele: 11,6 Mio. Euro von 1,1 Mrd. Euro = 1,1 %
  • davon Online- und Browsergames: 74,4 Mio. Euro von 575 Mio. Euro = 13 %
  • davon Mobilegames: 48,6 Mio. Euro von 1,5 Mrd. Euro = 3,2 %

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