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Westlotto lobbyiert gegen Lootboxen (Update)

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EA Sports FC 24: Die Wahrscheinlichkeit, Weltstars wie Haaland oder Kane per Lootbox zu 'ziehen', ist homöopathisch (Abbildung: EA)
EA Sports FC 24: Die Wahrscheinlichkeit, Weltstars wie Haaland oder Kane per Lootbox zu 'ziehen', ist homöopathisch (Abbildung: EA)

Mit einer Expertenanhörung zum Thema Lootboxen in der Berliner NRW-Landesvertretung erhöht Westlotto den Druck auf die Games-Branche.

Update vom 13. Februar 2024 (13 Uhr): Deutliche Kritik an der Westlotto-Lobbyarbeit kommt vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Wirtschafts- und Medienrecht der Universität Rostock: Professor Dr. Jörn Lüdemann hält die rechtspolitischen Aktivitäten gar für „rechtswidrig“ – zumal das staatliche Lotterie-Unternehmen einen küchenfertigen Gesetzentwurf zur Regulierung von Lootboxen vorgelegt habe.

Nach der Auffassung des Rechtswissenschaftlers erschöpfe sich die Zuständigkeit von Westlotto mit dem eigenen Spielangebot und dem Schutz der Spielerinnen und Spieler vor Risiken und Nebenwirkungen des Glücksspiels.

Lüdemann: „Es ist unzulässig, dass ein staatliches Unternehmen sich eigene politische Ziele setzt und eigenmächtig öffentliche Gelder einsetzt, um eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes zu beauftragen. Dass ein staatliches Unternehmen eine strengere Regulierung privater Unternehmen in einem Nachbarmarkt fordert, macht die Sache noch fragwürdiger.“


Westlotto lobbyiert gegen Lootboxen

Meldung vom 13. Februar 2024: Mit gelebter „unternehmerischer Verantwortung“ und der Sorge um den Jugendschutz begründet die Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG (kurz: Westlotto) mit Sitz in Münster, warum das Unternehmen zunehmend ein Feld beackert, das außerhalb der eigenen Geschäftstätigkeit (Lotto, Toto, Keno, Rubbel-Lose) liegt: Computerspiele mit verbauten Lootboxen.

Besagte ‚Beuteboxen‘ sind bei Verbraucher- und Jugendschützern umstritten, für die Hersteller indes höchst lukrativ und bei der Kundschaft populär. Durch den Erwerb solcher Digital-Pakete lassen sich Zufallsinhalte freischalten. Bekanntester Vertreter ist das Fußballspiel EA Sports FC 24 (zuvor: FIFA) von Electronic Arts: Je höher der Geld-Einsatz, desto größer die Chance auf Weltklasse-Spieler, die den eigenen Kader und damit die Chance in Online-Turnieren verbessern. Der daraus resultierende „Handlungsdruck“ ist ein Grund, warum das Spiel in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben ist.

Österreichische Gerichte verorten Lootboxen mittlerweile als illegales Glücksspiel und haben die Anbieter zur Erstattung der Einsätze verurteilt. Auch in deutschen Bundesländern regt sich parteiübergreifender Widerstand: Schleswig-Holstein hat im Koalitionsvertrag eine stärkere Regulierung auf Bundesebene verabredet. Erst im Januar hat die Bremer Bürgerschaft mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken einen Antrag verabschiedet, der ein bundesweites Verbot von Lootboxen vorsieht.

Bereits im Herbst 2023 hatte Westlotto ein eigenes Positionspapier mit mehreren Vorschlägen vorgelegt, wie sich Lootboxen regulieren ließen – inklusive Spieler-Registrierung, Werbe-Einschränkungen und einer auffälligeren Kennzeichnung von Games mit Lootboxen. Der Branchenverband Game nahm den Vorstoß „irritiert“ zur Kenntnis – und bezichtigt die Glücksspiel-Lobby, von einer „sachfremden Vermischung von Games und Glücksspielen profitieren zu wollen“.

Jetzt geht Westlotto den nächsten Schritt: Am 22. Februar 2024 organisiert der staatliche Glücksspiel-Anbieter eine Expertenanhörung in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen in Berlin. Thema: „Jugendschutz in digitalen Spielen“. Schirmherrschaft: NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU).

Die Vorträge und Experten-Runden sind hochkarätig besetzt: Geladen sind der Drogenbeauftragte Burkhard Blienert (SPD), die Bundestagsabgeordneten Anna Kassautzki (SPD) und Fabian Gramling (CDU) sowie die Forscher Prof. Dr. Gerhard Bühringer (TU Dresden) und Max Tretter (Friedrich Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg). Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendschutz (BzKJ) schickt mit Thomas Salzmann ihren stellvertretenden Direktor.

Bemerkenswert: Das Programm der Expertenanhörung sieht keine Vertreter der Games-Industrie vor – weder Branchenverband noch Spiele-Hersteller sitzen auf dem Podium. Die „Bewertung der aktuellen Rechtslage und Perspektive“ übernimmt Lorenzo von Petersdorff, stellvertretender Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK).

Die Veranstaltung wird auch per Livestream übertragen – Anmeldungen sind bis zum 15. Februar 2024 möglich.

2 Kommentare

  1. Ich teile Prof. Lüdemanns Einschätzung.
    Am Ende will Westlobby nur an dem riesengroßen Markt von Lootboxen mitverdienen. Dabei wird das Glücksspielelemwnt vollkommen überbewertet. Der Wert der Karten im Außenbereich steht nicht im Vordergrund, sondern der Wert der Karten/Gegenstände im Spiel. Die wenigsten verkaufen ihre Karten/Gegenstände, auch weil sie das bei den meisten Spielen gar nicht können oder dürfen.
    Am Ende müsste man so jedes Kartenstapel wie Pokemon, Yu Gi Oh und MTG als Glücksspiel einstufen. Das läger fern jeder lebensrealität.

  2. Ist man hier tatsächlich um den Jugendschutz besorgt oder will man zukünftig mit Lizenzen bzw. einem eigenen Shopsystem welchem sich die Games-hersteller zukünftig unterwerfen müssen einfach nur kräfitg mitverdienen?

    Das riecht ziemlich nach Monopolisierung

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