Start Politik Grünes Licht für Games-Förderung auf Bundesebene

Grünes Licht für Games-Förderung auf Bundesebene

Im Etat des Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) sind Games-Fördermittel in Höhe von 50 Millionen Euro vorgesehen (Foto: GamesWirtschaft)
Im Etat des Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) sind Games-Fördermittel in Höhe von 50 Millionen Euro vorgesehen (Foto: GamesWirtschaft)

Buchstäblich in letzter Sekunde hat der Haushaltsausschuss den Weg frei gemacht für eine Games-Förderung auf Bundesebene. Volumen: 50 Millionen Euro.

SPD-Digitalpolitiker Jens Zimmermann verbreitete die frohe Botschaft kurz nach 17 Uhr als erster: In seinem Tweet sprach er von einem „Meilenstein“. Gemeint ist die Games-Förderung auf Bundesebene, die vom CSU-geführten Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) organisiert wird.

Das Volumen wird mit 50 Millionen Euro für die Saison 2019 beziffert – just der Betrag, den der Branchenverband Game e. V. bei der Vorstellung des Fonds-Modells im Frühjahr 2018 veranschlagt hatte.

Beim heutigen, letztmöglichen Termin für den Haushalt 2019 wurden die Mittel freigegeben: Im Rahmen der berüchtigten „Bereinigungssitzung“ nimmt sich der Haushaltsausschuss jedes einzelne Ministeriums-Budget vor. Bei diesem Prozess werden häufig noch Posten und Personalien gestrichen und modifiziert – oder, wie in diesem Fall, ergänzt. Die letzte Hürde sind die Lesungen im Deutschen Bundestag, die für die zweite November-Hälfte geplant sind – danach gilt der Haushalt als beschlossen.

Games-Förderung auf Bundesebene: Haushaltsausschuss bewilligt 50 Millionen Euro

Ob und in welchem Umfang die Games-Förderung überhaupt zustande kommt, stand bis zuletzt auf der Kippe. Denn im ursprünglichen Etat des Verkehrsministeriums war der Posten nicht vorgesehen, was unter anderem die FDP dazu veranlasste, eine offizielle Anfrage bei der Bundesregierung zu lancieren, wie es denn um die Zusagen aus dem Koalitionsvertrag stünde.

Bislang hatte sich das BMVI noch nicht dazu geäußert, wie die Förderung genau ausgestaltet sein soll – das Papier sei „in Arbeit“, zumal alle Planungen ohnehin vom Votum des Haushaltsausschusses abhängig waren. Im Anschluss müssen die EU-Wettbewerbshüter das finale Konzept noch bewerten und freigeben, erst danach können die Förderbescheide ausgestellt werden.

Der Industrieverband Game präferiert eine Fonds-Lösung, die ähnlich funktioniert wie die Filmförderung: Spiele-Projekte, die die formalen Voraussetzungen erfüllen, werden automatisiert bezuschusst. Anders im Falle der regionalen Förderprogramme gäbe es hier also keine Gremien oder Jurys, die den Daumen heben oder senken. Von den Subventionen verspricht sich die Branche Hebeleffekte mit Blick auf Investitionen, Jobs und zusätzliche Steuereinnahmen.

Übergeordnetes Ziel ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Studios und die Erhöhung des nationalen und internationalen Marktanteils von Games made in Germany. Nirgends in Europa wird mehr Umsatz mit Computer- und Videospielen erzielt als hierzulande – als Produktionsstandort hat Deutschland zuletzt Jahr für Jahr an Bedeutung verloren.

Die 35 größten Games-Unternehmen in Deutschland (v1 / Stand: Juli 2018)
Die 35 größten Games-Unternehmen in Deutschland (v1 / Stand: Juli 2018)

50 Millionen Euro Games-Förderung im Bundeshaushalt 2019: Reaktionen aus Branche und Politik

In einer ersten Reaktion spricht Branchenverbandsgeschäftsführer Felix Falk von einem „historischen Schritt für den Games-Standort Deutschland“: Aktuell seien die  Rahmenbedingungen für die Spiele-Entwicklung in Deutschland international kaum konkurrenzfähig. „Jetzt muss es darum gehen, das konkrete Förderprogramm schnellstmöglich zu entwickeln und von der EU notifizieren zu lassen. Nur wenn der Games-Fonds kommt, haben wir die Chance, zu den internationalen Hotspots der Spiele-Entwicklung aufzuschließen“, so Falk.

Zufrieden äußert sich auch der CDU-Abgeordnete Rüdiger Kruse, Berichterstatter seiner Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss: „Gaming und Politik haben in der Vergangenheit leider ein wenig gefremdelt. Inzwischen ist aber doch wohl jedem klar, dass diese Branche einen Motor für die Kreativindustrie – wirtschaftlich wie künstlerisch – darstellt. Ich habe gern dafür gesorgt, dass der Deutsche Games-Fonds seinen Weg in den Bundeshaushalt 2019 findet und den Entwicklerstandort Deutschland stärkt.“

Der digitalpolitische Sprecher der Unions-Fraktion Tankred Schipanski prophezeit, dass vom Innovationsschub der Games-Industrie auch andere Branchen in Deutschland profitieren würden. Deshalb sei es „das richtige Signal“, wenn das Parlament die Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag nun mit konkreten Mitteln hinterlege. „Klar ist aber auch: Wenn wir den Entwicklerstandort Deutschland langfristig stärken wollen, dann muss sich dieses Bekenntnis auch in konkreten Zahlen in den kommenden Haushalten niederschlagen“, so Schipanski.

Teil des BMVI-Budgets sind auch die Zuschüsse für den Deutschen Computerspielpreis 2019. Sobald weitere Informationen vorliegen, wird dieser Beitrag ergänzt.

Eine Einordnung der Entscheidung lesen Sie in dieser GamesWirtschaft-Kolumne. Wie das Modell des „Deutschen Games-Fonds“ in der Praxis funktionieren soll, erfahren Sie hier.

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