Start Politik Drogenbeauftragte Ludwig: „Parkt eure Kids nicht vorm Tablet!“

Drogenbeauftragte Ludwig: „Parkt eure Kids nicht vorm Tablet!“

Seit September 2019 neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung: CSU-Politikerin Daniela Ludwig (Foto: M. König)
Seit September 2019 neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung: CSU-Politikerin Daniela Ludwig (Foto: M. König)

Die frisch gekürte Drogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) bietet der Computerspiele-Industrie einen „offenen Dialog“ an.

Seit dem Wechsel von Marlene Mortler ins EU-Parlament war Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf der Suche nach einer neuen Bundesdrogenbeauftragten mit CSU-Parteibuch. Gefunden hat er sie in Daniela Ludwig, die seit 2002 ihren Wahlkreis Rosenheim im Bundestag vertritt und bislang verkehrspolitische Sprecherin der CDU-/CSU-Fraktion war.

Am 18. September wurde Daniela Ludwig durch Merkels Kabinett offiziell inthronisiert.

Tabak, Alkohol, Cannabis, Glücksspiel: Ganze Industriezweige setzen auf den von Ludwig angekündigten „Neuanfang“ in der Drogen- und Suchtpolitik. Inwieweit das auch für Computerspiele gilt, um deren Risiken und Nebenwirkungen sich unter anderem die Weltgesundheitsorganisation sorgt, wird sich noch in diesem Herbst besichtigen lassen, wenn die neue Bundesbeauftragte den Drogenbericht 2019 vorstellt.

 

Das Verhältnis zwischen Ludwigs Vorgängerin und der Games-Industrie ist mit „angespannt“ nur unzureichend beschrieben. Tatsächlich lieferten sich Mortler und der Branchenverband regelmäßig Fernduelle, etwa mit Blick auf Altersfreigaben von Computerspielen. Zuletzt hatte sich YouTuber Rezo an der umstrittenen CSU-Politikerin abgearbeitet.

Zum Start in ihr neues Amt hat Daniela Ludwig die Fragen von GamesWirtschaft beantwortet.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit der neuen Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig (CSU) - Foto: BMG / M. Schinkel
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit der neuen Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig (CSU) – Foto: BMG / M. Schinkel

Drogenbeauftragte Daniela Ludwig: „Es ist sicherlich auch im Sinne der Games-Industrie, die ’schwarzen Schafe‘ auszusortieren.“

GamesWirtschaft: Frau Ludwig, zwischen Ihrer Vorgängerin Mortler und der deutschen Computerspiele-Industrie kam es in den vergangenen Jahren regelmäßig zum Disput, etwa in der Bewertung der Suchtrisiken von Games bei Kindern und Jugendlichen. Werden diese Risiken denn aus Ihrer Sicht vonseiten der Branche hinreichend wahr- und ernstgenommen?

Ludwig: Nicht jedes Computerspiel macht automatisch süchtig. Hier bin ich für eine ganz klare Differenzierung, denn es gibt von Spiel zu Spiel große Unterschiede.

Was bei diesem Thema zählt, ist der objektive Blick. Es ist sicherlich auch im Sinne der Games-Industrie, die „schwarzen Schafe“ auszusortieren. Ich biete hier sehr gerne einen offenen Dialog an, denn ich bin sicher, es lässt sich für alle Beteiligten ein guter Weg finden.

Sie sind selbst Mutter zweier Kinder im Grundschulalter – und haben dadurch mutmaßlich ganz praktische Erfahrungen. Welchen Stellenwert hat das Thema Computer- und Videospiele im Hause Ludwig?

Ich bin ehrlicherweise ziemlich konsequent bei meiner Tochter und meinem Sohn. Sie haben mit ihren acht Jahren noch kein Tablet, kein Smartphone, nichts. Natürlich sind sie neugierig und wollen wissen, was ich da am Handy so mache. Dann erkläre ich es kurz und das reicht ihnen dann.

Ich finde es wichtig, dass Kinder erst verstehen, was digitale Medien eigentlich sind, bevor die Eltern sie damit allein herumspielen lassen. Früher galt: „Parkt eure Kids nicht vor dem Fernseher“, heute gilt: „Parkt eure Kids nicht vorm Tablet“. Was zählt, ist Medienkompetenz – wissen, wie ich mit welchem Medium wie umgehe, das ist wichtig!

Welche Schwerpunkte wollen Sie mit Blick auf die Spielebranche in Ihrer künftigen Arbeit setzen? Werden Sie beispielsweise die Linie Ihrer Vorgängerin fortsetzen und darauf hinwirken, dass das Suchtpotenzial bei der Alterseinstufung von Computerspielen berücksichtigt wird?

Das Thema liegt nicht nur auf meinem Schreibtisch. Im Koalitionsvertrag haben wir festgehalten, dass die Bundesregierung klare Alterskennzeichnungen bei Apps im Jugendschutzgesetz berücksichtigen wird. Da arbeiten die Kolleginnen und Kollegen im Familienministerium gerade an einem neuen Entwurf.

Altersfreigaben müssen schon sicherstellen, dass Kindern kein Glücksspiel serviert wird oder Apps altersgerechte Inhalte anbieten. Schließlich sollen Games Spaß und nicht arm oder krank machen!

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