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Giffey will Altersfreigaben vereinheitlichen

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Familienministerin Franziska Giffey (SPD) will die Altersfreigaben für Games wie "Fortnite" vereinheitlichen (Foto: Bundesregierung / Jesco Denzel / Illustration: Epic Games)
Familienministerin Franziska Giffey (SPD) will die Altersfreigaben für Games wie "Fortnite" vereinheitlichen (Foto: Bundesregierung / Jesco Denzel / Illustration: Epic Games)

Bis Ende 2019 will Familienministerin Franziska Giffey einen Entwurf für die Reform des Jugendmedienschutzes vorlegen. Eltern sollen sich auf Altersfreigaben verlassen können.

Ab welchem Alter ist „Fortnite“ freigegeben? Die richtige Antwort lautet: Kommt drauf an. Wer nach dem Spiel in der Datenbank der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) fahndet, erfährt: frei ab 12 Jahren.

Doch dies betrifft nur den ‚harmlosen‘ „Rette die Welt“-Spielmodus – für den ungleich populäreren „Battle Royale“-Modus, der als Free2play-Version für PC, Konsole und Smartphone erhältlich ist und weiterhin zu den meistgespielten Games gehört, trifft das nicht zu. Das Spiel wurde mangels Zuständigkeit erst gar nicht von der USK geprüft. Die Krux: Die Offline-Version wird vom Jugendschutzgesetz des Bundes abgedeckt, die Online-Version vom Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder. Wegen vieler Nachfragen hat die USK eigens einen Aufklärungs-Beitrag online gestellt, der die Problematik erklärt.

Dass diese uneinheitlichen, teils widersprüchlichen Vorschriften längst ihr Verfallsdatum überschritten haben, ist inzwischen auch im Bundesfamilienministerium angekommen. „Wir haben bei ein- und demselben Spiel ganz unterschiedliche Altersangaben, die im Netz rumgeistern“, erklärt Ministerin Franziska Giffey in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ (Artikel hinter Paywall). Die SPD-Politikerin will sich daher für verständliche, transparente und einheitliche Altersempfehlungen bei Apps einsetzen. Ziel sei es, dass sich Eltern auf die Kennzeichnungen verlassen könnten.

Die JIM-Studie 2018 weist "Fortnite" als beliebtestes Spiel deutscher Teenager aus (Stand: 29.11.2018)
Die JIM-Studie 2018 weist „Fortnite“ als beliebtestes Spiel deutscher Teenager aus (Stand: 29.11.2018)

Im selben Interview räumt Giffey ein, dass das geltende Jugendschutzgesetz „noch aus dem Zeitalter von Videokassette und CD-ROM“ stamme. Das künftige Jugendmedienschutzgesetz werde die Anbieter stärke in die Pflicht nehmen. Bis Ende 2019 soll ein erster Entwurf vorliegen.

Giffey selbst sagt auf Nachfrage, dass sie selbst noch nicht „Fortnite“ gespielt habe, aber darüber familieninterne Debatten mit ihrem neunjährigen Sohn führe – „wie viele andere Eltern auch“.

Eine „ganzheitliche Reform des Jugendmedienschutzes“ gehört seit langem zu den zehn zentralen Forderungen des Industrieverbands Game. Die künftige Regulierung dürfe nicht länger am Trägermedium ansetzen, sondern beim Inhalt. Bei diesem Ziel sind sich alle einig: Bereits im Koalitionsvertrag des Jahres 2013 war eine „Angleichung der gesetzlichen Regelungen“ angekündigt. Giffeys Vorgängerin Manuela Schwesig – inzwischen Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern – konnte sich in ihrer fünfjährigen Amtszeit jedoch nicht zu einem einheitlichen Verfahren mit den Ländern verständigen. Daher ist das Langzeit-Projekt auch im derzeit gültigen Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD vom Februar 2018 vorgesehen.

Das Jugendschutzgesetz war auch Thema bei Giffeys Besuch der Gamescom 2018. Im Gespräch mit der Ministerin plädierte USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker für eine Vereinheitlichung der Gesetzeslage – insbesondere mit Blick auf Rechtssicherheit für App-Anbieter.

Bei Online-Spielen greift bislang das sogenannte IARC-System, das auch die USK propagiert. Die Alterseinstufungen basieren auf einem einheitlichen Kriterienkatalog. Dem IARC-Verfahren haben sich mehrere Plattform-Anbieter angeschlossen, darunter Nintendo (eShop), Microsoft (Windows-Store, Xbox-Store), Facebook (Oculus-Store) und Google (PlayStore). Nicht unterstützt wird IARC von Sony (PlayStation Network / PSN) und Apple (iTunes / Appstore).