Start Politik Ab sofort: Antrags-Stopp für Computerspiele-Förderung (Update)

Ab sofort: Antrags-Stopp für Computerspiele-Förderung (Update)

Das Wirtschaftsministerium (BMWK) koordiniert die Computerspiele-Förderung des Bundes (Foto: GamesWirtschaft)
Das Wirtschaftsministerium (BMWK) koordiniert die Computerspiele-Förderung des Bundes (Foto: GamesWirtschaft)

Das Geld ist alle: Das Wirtschaftsministerium nimmt ab sofort keine weiteren Anträge für die Computerspiele-Förderung entgegen.

Update vom 1. November 2022 (7 Uhr): NRW-Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski (CDU) teilt die Einschätzung des Branchenverbands Game mit Blick auf die Folgen des gestern verkündeten Antrags-Stopps für Computerspiele-Subventionen und spricht von einem „fatalen Signal für den Games-Standort Deutschland“.

Die Branche brauche dringend ein verlässliches Förderinstrument auf internationalem Niveau. Liminski: „Stattdessen wird mitten in der Krise, die auch die Unternehmen der Games-Branche trifft, die Förderung unterbrochen. Ein weiteres Jahr ohne zuverlässige staatliche Unterstützung wird viele Unternehmen zurückwerfen und die positive Entwicklung der vergangenen Jahre ausbremsen.“

Insbesondere in Nordrhein-Westfalen hätten zahlreiche Unternehmen von der „gut aufeinander abgestimmten Förderung von Bund und Land“ profitiert. „Der nun verkündete Antrags-Stopp reißt hier eine riesige Lücke. Daher appelliere ich an die Bundesregierung, umgehend dafür zu sorgen, dass es mit der Förderung weitergeht und dass die finanziellen Mittel für die Unterstützung der Games-Branche für die nächsten Jahre deutlich erhöht werden“, so der CDU-Politiker.


Update vom 31. Oktober 2022 (18:15 Uhr): Zeitgleich mit dem Inkrafttreten des vorläufigen Antrags-Stopps durch das Wirtschaftsministerium schlägt der Lobbyverband  der deutschen Games-Industrie Alarm und spricht von einer „Vollbremsung für den Games-Standort“.

Die Spiele-Entwicklung in Deutschland drohe aus Sicht des Verbands auf die „im internationalen Vergleich nicht konkurrenzfähigen Rahmenbedingungen von 2019“ zurückzufallen.

Game-Geschäftsführer Felix Falk sieht im Förderstopp eine „Vollbremsung in der gerade so gut gestarteten Aufholjagd als Games-Standort“: Mitten im Aufwärtstrend würde ein fatales fatales Signal an Games-Unternehmen gesendet, die auf Grundlage der politischen Aussagen und des Koalitionsvertrags mit Investitionen in neue Projekte und Studios geplant hätten. Dadurch sei möglicherweise die Existenz heimischer Spiele-Studios gefährdet

„Wer derzeit noch in der Projektplanung steckt und erst in den kommenden Wochen einen Förderantrag einreichen wollte, findet plötzlich keine international konkurrenzfähigen Rahmenbedingungen mehr vor“, so Falk. „Das würde wieder rund 30 Prozent höhere Entwicklungskosten als beispielsweise in Frankreich, Großbritannien oder Kanada bedeuten, die seit vielen Jahren eine verlässliche Förderung bieten.“

Bundesregierung und Bundestag müssten nun umgehend handeln. Der Verbands-Chef fordert namens der Branche eine Anpassung der Fördermittel an den tatsächlichen Bedarf: „Deutschland hat sonst keine Chance, die internationale Vergleichbarkeit zu anderen Standorten zu erreichen, die aufgrund von Tax-Break-Modellen keine Deckelung von Haushaltsmitteln kennen und den Unternehmen damit eine hohe Planbarkeit, Verlässlichkeit und Transparenz bieten.“


Computerspiele-Förderung: Wirtschaftsministerium nimmt keine Anträge mehr entgegen

Meldung vom 31. Oktober 2022 (18 Uhr): Mit jährlich 50 Millionen € pro Jahr bezuschusst der Bund die Entwicklung von Computer- und Videospielen in Deutschland – inklusive der Pilotphase im Jahr 2019 wurden bis Mitte Oktober knapp 129 Mio. € für fast 450 Projekte in allen Größenordnungen bewilligt.

Alleine im Oktober sind weitere 10 Millionen € hinzugekommen.

Die Besonderheit: Anders als bei der Produktions-Förderung der Länder müssen die Studios das Geld nicht zurückbezahlen – unabhängig vom kommerziellen Erfolg des Spiels.

Angesichts der großen Nachfrage und der damit einhergehenden hohen Zahl an Anträgen in den vergangenen Wochen zieht das zuständige Wirtschaftsministerium die Notbremse: Ab dem heutigen 31. Oktober können seit 18 Uhr vorerst keine weiteren neuen Anträge gestellt werden.

Das Ministerium legt Wert auf die Feststellung, dass es sich um einen Antrag-Stopp handelt – nicht um einen Bewilligungs-Stopp. Bedeutet: Bewilligte Fördermittel würden weiter ausgezahlt. Für gestellte, aber noch nicht bewilligte Anträge gilt: Soweit noch Mittel zur Verfügung stehen, werden auch diese Anträge bewilligt.

Bemerkenswert: Aufgrund von „Vorbindungen“ sind nicht nur die Mittel für das laufende Jahr, sondern auch für das Jahr 2023 erschöpft. Denn schon jetzt ist klar, dass der Bund im nächsten Jahr über 150 Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 80 Mio. € bezuschussen wird.

Zum aktuellen Zeitpunkt sei daher unklar, wann und in welchem Umfang das Programm fortgeführt werden kann. Anders als im Ampel-Koalitionsvertrag vereinbart, ist im Etat von Bundesminister Robert Habeck (Grüne) derzeit keine ‚Verstetigung‘ (sprich: Fortführung) der Games-Subventionen vorgesehen, sondern eine Kürzung von mehreren Millionen Euro.

Entscheidend ist unter anderem der Ausgang der Haushaltsberatungen des Bundestags, die im November anstehen – und von der Höhe der „Restmittel“ für 2023, die zum Beispiel dadurch entstehen, wenn bereits bewilligte Gelder nicht abgerufen werden.

Game-Sommerfest 2022: Michaela Bartelt-Krantz (Managing Director EA Germany) erläutert Michael Kellner die Steuerung von It Takes Two (Foto: Fröhlich)
Game-Sommerfest 2022: Michaela Bartelt-Krantz (Managing Director EA Germany) erläutert Michael Kellner die Steuerung von It Takes Two (Foto: Fröhlich)

Der für die Games-Politik zuständige Parlamentarische Staatssekretär Michael Kellner (Grüne) blickt auf die Lage mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Die erfreulich hohe Nachfrage führt dazu, dass der Fördertopf für Games für 2022 und auch für 2023 durch hohe Vorbindungen aufgebraucht ist. Es bräuchte zusätzliche Haushaltsmittel für 2023, um das überaus beliebte Programm zeitnah wieder zu öffnen.“

 Exklusiv  Die kumuliert größten Bezieher von Bundes-Fördermitteln (Stand: 25. Oktober 2022 / gerundet)

  1. Kalypso Media – 8,2 Mio. €
  2. Embracer Group – 6,3 Mio. €
  3. Limbic Entertainment – 2,8 Mio. €
  4. Ubisoft Blue Byte – 2,7 Mio. €
  5. Weltenbauer Software – 2,6 Mio. €

 Exklusiv  Einzel-Studios mit den kumuliert höchsten Summen aus der Games-Förderung des Bundes (Stand: 25. Oktober 2022)

  1. Limbic Entertainment, Langen – 2.830.589 €
  2. Ubisoft Blue Byte, Düsseldorf / Mainz – 2.675.368 €
  3. Grimlore Games, München – 2.594.565 €
  4. Weltenbauer Software, Wiesbaden – 2.557.526 €
  5. Gaming Minds Studios, Gütersloh – 2.511.038 €
  6. Stratosphere Games, Berlin – 2.483.881 €
  7. King Art, Bremen – 2.430.976 €
  8. Realmforge Studios, München – 2.292.719 €
  9. Blackforest Games, Offenburg – 2.233.170 €
  10. Xyrality, Hamburg – 2.149.497 €
  11. Daedalic Entertainment, Hamburg – 2.036.663 €
  12. Mimimi Games, München – 2.025.942 €
  13. Keen Games, Frankfurt/Main – 2.022.752 €
  14. Nine World Studios, München – 1.971.826 €
  15. Gentlymad Studios, Wiesbaden – 1.937.740 €
  16. btf – Bildundtonfabrik, Köln – 1.801.952 €
  17. Nukklear, Hannover – 1.622.592 €
  18. Ulisses Medien, Waldems-Steinfischbach – 1.618.747 €
  19. Claymore Game Studios, Darmstadt – 1.532.519 €
  20. Snowprint Studios, Berlin – 1.510.982 €
  21. Studio Fizbin, Ludwigsburg – 1.509.520 €
  22. Chimera Entertainment, München – 1.492.238 €
  23. Envision Entertainment, Ingelheim – 1.458.019 €
  24. Massive Miniteam, Pulheim – 1.431.863 €
  25. Elysium Game Studio, Berlin – 1.420.472 €
  26. Egosoft, Würselen – 1.363.191 €
  27. Playa Games, Hamburg – 1.352.722 €
  28. InnoGames, Hamburg – 1.307.746 €
  29. Aeria Games, Berlin – 1.304.303 €
  30. M2P Entertainment, Bochum – 1.141.239 €
  31. Megagon Industries, Berlin – 1.118.236 €
  32. Overhype Studios, Hamburg – 1.073.555 €
  33. CipSoft, Regensburg – 1.017.488 €

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