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Bundesregierung will AAA-Produktionen fördern

Thomas Hacker ist medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion (Foto: FDP)
Thomas Hacker ist medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion (Foto: FDP)

Assassin’s Creed – künftig made in Germany? Die Bundesregierung will Games-Blockbuster fördern – die FDP wittert eine „50-Mio.-Euro-PR-Kampagne“.

Kommt die Games-Förderung auf Bundesebene? Wenn ja, wann? In welcher Form? Und wenn nein, warum nicht? Und was qualifiziert das Verkehrsministerium eigentlich zur Verleihung des Deutschen Computerspielpreises und zur Organisation einer Videospiele-Förderung? All das und mehr wollte die FDP-Bundestagsfraktion in ihrer „Kleinen Anfrage“ von der Bundesregierung wissen. Überschrift: „Games-Standort Deutschland“, Drucksache 19/05096, abgeschickt am 17. Oktober.

Inzwischen liegt die Antwort vor, verfasst vom Parlamentarischen Staatssekretär Steffen Bilger im Bundesverkehrsministerium. Der CDU-Politiker folgt in diesem Amt auf Dorothee Bär (CSU), die als Digital-Staatsministerin ins Kanzleramt umzog.

Bilger verweist auf den Text des Koalitionsvertrags, der die Einführung einer Förderung für „hochwertige digitale Spiele“ vorsieht. „Diese soll mit Blick auf vergleichbare Förderinstrumente anderer europäischer Staaten den Entwicklungsstandort Deutschland und international wettbewerbsfähig machen“, schreibt das Ministerium namens der Bundesregierung.

Die Antwort ist datiert mit dem 6. November, entstand also zwei Tage vor der entscheidenden Sitzung des Haushaltsausschusses. Erst dort wurde die Games-Förderung mit einem Volumen von zunächst 50 Millionen Euro im Etat 2019 verankert.

Games-Förderung: Bundesregierung will Games-Blockbuster made in Germany

Spannend ist vor allem ein Satz, der in dieser Klarheit bislang nicht kommuniziert wurde: „Die Bundesregierung beabsichtigt, im Rahmen der Förderung auch sogenannte AAA-Produktionen zu berücksichtigen.“

Mit dem Fachbegriff AAA („Triple-A“) sind internationale Blockbuster wie „Red Dead Redemption 2“, „Call of Duty Black Ops 4“, „Assassin’s Creed Odyssey“ oder „FIFA 19“ gemeint, die üblicherweise ein Budget im hohen zwei- bis dreistelligen Millionen-Bereich aufweisen.

Im Branchenverbands-Konzept für den „Deutschen Game-Fonds“ sind Spiele dieser Größenordnung zumindest nicht ausgeschlossen. Dort gilt das Prinzip: Je kleiner das Projekt, desto größer der prozentuale Zuschuss von bis zu 50 Prozent. Ab einem Budget von 8 Millionen Euro aufwärts bezahlt der Staat maximal 25 Prozent der Entwicklungskosten. Die Bundesregierung sieht in diesem Vorschlag „eine gute Diskussionsgrundlage“.

Die Qualifikation für die Entwicklung eines Förder-Papiers leitet das Verkehrsministerium im Übrigen aus der „Förderexpertise von digitalen Unternehmen und Ideen“ ab.

FDP-Medienexperte Thomas Hacker: „Antwort der Bundesregierung ist alarmierend“

Die bemerkenswert knapp gefasste Antwort der Bundesregierung sorgt bei der Opposition für übersichtliche Euphorie. Thomas Hacker ist medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und hält die Ausführungen für „alarmierend“ – sowohl für die Gamesbranche, aber auch für die Gesellschaft und deren Vertrauen in die Politik.

Auch ein Jahr nach der Bundestagswahl läge noch kein konkretes Konzept für die Games-Förderung auf dem Tisch. „Dies wäre nicht schlimm, wenn zumindest Fortschritte erkennbar wären. Doch auch dies ist leider nicht der Fall. Bis auf die Tatsache, dass auch AAA-Produktionen in den Förderfokus rücken, gibt es wenig Überraschendes“, so Thomas Hacker. „Inhaltliche Ideen für die Ausgestaltung oder gar eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Vorschlag des Verbands der deutschen Games-Branche vom 24. April 2018 finden nicht statt.“

FDP-Politiker Hacker wertet dies als „kein gutes Zeichen, da Entwicklerstudios zeitnahe Entscheidungen brauchen.“ Die Branche benötige deshalb Klarheit mit Blick auf die Ziele der Bundesregierung sowie deren zeitliche und inhaltliche Umsetzung. „Das Zeichen des Haushaltsausschusses muss jetzt zügig in wirksame Fördersysteme überführt werden, bevor aus dem grundsätzlich positiven Zeichen ein Symbol für leere Versprechungen und eine reine 50-Millionen-PR-Kampagne wird.“

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