Start Meinung Fröhlich am Freitag 49/2019: Was macht Friendly Fire so erfolgreich?

Fröhlich am Freitag 49/2019: Was macht Friendly Fire so erfolgreich?

Wird das Rekord-Ergebnis des Vorjahres übertroffen? Am 7.12. steigt der Spenden-Marathon Friendly Fire 5 (Foto: Andreas Krupa / eosAndy)
Wird das Rekord-Ergebnis des Vorjahres übertroffen? Am 7.12. steigt der Spenden-Marathon Friendly Fire 5 (Foto: Andreas Krupa / eosAndy)

Die Zahl der Spender in Deutschland sinkt ungebremst – gleichzeitig stoßen Aktionen wie Friendly Fire 5 auf große Resonanz. Woran liegt das?

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

am morgigen Samstag (7.12.) um 15 Uhr startet der Spenden-Livestream Friendly Fire 5: Einige der bekanntesten YouTuber des Landes werfen erneut ihre Reichweite und Popularität zusammen, um gemeinsam mit Zuschauern und Sponsoren möglichst viel Geld für jene zu sammeln, die selbstlos und ehrenamtlich anderen helfen – etwa Eltern von Kindern mit seltenen Erkrankungen. Oder Ärzten, die Patienten ohne Krankenversicherung behandeln. Oder Naturschutz-Organisationen, die Bäume pflanzen, das Leben von Tieren retten oder Müll aus den Ozeanen fischen.

Jahr für Jahr wurde das Einspielergebnis gesteigert, auf zuletzt fast 900.000 Euro. Wenn es auch nur annähernd so läuft wie bei den vergangenen Ausgaben, dann kann sich jede der acht ausgewählten Hilfsorganisationen auf einen sechsstelligen Scheck einstellen. Und es ist beileibe nicht die einzige Charity-Aktion, die in diesen Tagen stattfindet.

Die Resonanz auf Friendly Fire, Loot für die Welt oder auf das Fortnite-Turnier „Mashup Competition“ ist umso erstaunlicher, weil sich die überwiegend junge „Gamerszene“ an dieser Stelle komplett anders verhält, als es die Statistik behauptet.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Denn die in dieser Woche veröffentlichten Zahlen des Deutsche Spendenrats sind alarmierend: Die Zahl der spendenden Deutschen hat sich gegenüber 2005 fast halbiert – allein in diesem Jahr sind es schon 800.000 weniger als noch vor einem Jahr. Während die Generation 70plus immer öfter und immer reichlicher gibt, sinkt die Spendenbereitschaft von Menschen unter 30 ungebremst.

Wie passt das zusammen? Drastische Rückgänge auf der einen Seite – immer neue Spenden-Rekorde auf der anderen Seite?

Mit einem Erlös von rund 887.500 Euro hat Friendly Fire 4 einen neuen Spenden-Rekord aufgestellt (Stand: 12.3.2019)
Mit einem Erlös von rund 887.500 Euro hat Friendly Fire 4 einen neuen Spenden-Rekord aufgestellt (Stand: 12.3.2019)

Drei Faktoren kommen hier zusammen:

  • Besonders großzügig gespendet wird meist dann, wenn es einen konkreten Anlass gibt. Sprich: Die Menschen wollen wissen, was mit ihrem Geld konkret geschieht und sich sicher sein, dass die Spende nicht versickert, sondern auch buchstäblich ankommt. Das muss mehr denn je erklärt werden – nicht nur mit schönen Fotos in der Tageszeitung, sondern auch via Instagram, Twitter, YouTube.
  • Vorbildliches Verhalten braucht Vorbilder. Seit jeher engagieren sich Schauspieler, Sportler und Musiker für die gute Sache – etwa in Form von Benefizgalas. Diese Rolle übernehmen zunehmend auch Influencer, die damit ihrer Berufsbezeichnung gerecht werden. Organisationen wie Misereor haben das verstanden, indem sie Idole wie Stefanie Giesinger oder Letsplayer Gronkh für ihre Social-Media-Kampagnen engagieren.
  • Drittens und am wichtigsten: Gerade jüngere Menschen eint der Wunsch, Teil eines großen Ganzen zu sein – einer motivierten Community, die in diesem Moment das „Richtige“ tut. Hunderttausende sind in diesem Jahr mehr als einmal auf die Straße gegangen, um gegen Upload-Filter und für Klimaschutz einzutreten. Wann hat es Vergleichbares zuletzt gegeben? Das Zusammengehörigkeitsgefühl mobilisiert. Auch der „Friendly Fire 5“-Livestream, der wieder viele tausend Zuschauer vor PC und Smartphone versammelt, entzündet exakt dieses virtuelle Lagerfeuer, das Seelen wärmt und Herzen (und Geldbeutel) öffnet.

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Mein Eindruck: Wenn das Spenden gerade bei der jungen Generation wieder „in“ werden soll, dann reicht es längst nicht mehr, sich mit einer klimpernden Spendendose vor den Supermarkt zu stellen oder Briefkästen mit Überweisungsvordrucken zu fluten. Dafür braucht es nice Events mit nicem Merch und nicer Community.

Ob an diesem Friendly-Fire-Wochenende neue Spendenrekorde purzeln oder nicht, ist zwar nicht egal, aber zumindest zweit- bis drittrangig. Jede(r) gibt, was er/sie sich leisten kann und will. Die Geste ist wichtiger als der konkrete Euro-Betrag.

Ein schönes Wochenende und viel Spaß bei Friendly Fire 5 wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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